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Zwei Jobs als Student - Aufteilung der Steuer

Hallo, 

ich habe gerade an der Universität einen Job als studentische Hilfskraft für 8 Stunden begonnen, wobei ich im Monat 352 € rauskriege. Nun ziehe ich auch in meine erste eigenen Wohnung und möchte einen zweiten Nebenjob machen (10h für 12€, d. h. 480€), um die Miete alleine stemmen zu können. Zusammengefasst hätte ich dann also 832€ und frage mich nun, wie viele Steuern ich in diesem Zahl zahlen müsste (davon abgesehen, dass ich mich studentisch versichern muss). Auf manchen Seiten habe ich gelesen, dass man die Tätigkeiten in unterschiedliche Lohnsteuerklassen packen kann und so etwas sparen kann, jedoch wird auf anderen Seiten diese Möglichkeit gar nicht aufgeführt. Deswegen möchte ich hier nochmal nachfragen: Da ich mich mit dem Bruttoeinkommen von 832€ in der Gleitzone des Midijobs befinde, gibt es die Möglichkeit beide Tätigkeiten unterschiedlich zu versteuern?

Viele Grüße
Caro

Caro: 13.02.2020 |
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  • RE: Zwei Jobs als Student - Aufteilung der Steuer

    Hallo Caro,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal muss man die beiden unterschiedlichen Bereiche Steuern und Sozialversicherung (SV) auseinanderhalten.
    Die Regelungen zum Midijob, wie du krankenversichert sein musst, ob/welche Sozialabgaben anfallen etc., gehören in den Bereich SV und hängen maßgeblich von Art und Umfang der Beschäftigen) ab, während es im Bereich Steuern vor allem auf deine Einkommenshöhe ankommt.

    Erstmal zur SV und deinen beiden Jobs. Wenn du im Job an der Uni weniger als 450€/Monat verdienst, handelt es sich um einen sogenannten Minijob. Minijobs sind bis auf 3,6% Rentenversicherung (RV) grundsätzlich sozialversicherungsfrei (mit der Möglichkeit der Befreiung von der RV).
    Der zweite Job wäre mit 480€/Monat ein Midijob.
    Hier geht es darum, dass innerhalb einer bestimmten Einkommensspanne (450,01 – 1.300€/Monat) SV-Beiträge anhand der Midijobformel für die Arbeitnehmer_innenseite günstiger berechnet werden.

    Beide Jobs werden in der SV getrennt betrachtet. Bei deinem Minijob bleibt alles so wie bisher. Nur der Midijob ist sozialversicherungspflichtig. Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du im Midijob als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf dein Gehalt daraus 9,3% RV an, die mit besagter Midijobformel aber für dich günstiger berechnet werden.  Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen. 

    Dazu kommen dann noch die Kosten für deine Krankenversicherung. Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).

    Steuern wiederum ist ein anderer Bereich. Hier gibt es keine Sonderregeln für Studierende. Hier zählt letztendlich nur, wie viel du verdienst. Dabei werden Steuern aber nicht schon ab dem ersten Cent Einkommen fällig.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Hast du mehreren Beschäftigungen, kann es in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen aber auch dann zu hohen Abzügen kommen, wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleibst. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag (plus Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst.
    Du kannst aber sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

    Außerdem gibt es hier noch eine Besonderheit für Minijobs. Diese werden in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Nur wenn dein Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du in einem der beiden Jobs in Steuerklasse 6.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 14.02.2020


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