Deutscher Gewerkschaftsbund

20 h Werkstudent + Kleingewerbe - geht das?

Hallo!

momentan arbeite ich 20 h/ Woche als Werkstudentin. Ist es möglich neben meiner Werkstudententätigkeit noch ein Kleingewerbe zu gründen um bspw. an den Wochenenden zu kellnern? oder kann ich mich einfach als Minijobberin einstellen lassen, da ich dieses Jahr im September mit allem fertig bin und somit auch nicht über die Einkommensgrenze innerhalb eines Jahres als Studentin komme.

Welche Optionen hätte ich, neben dem Studium und meiner 20 h/ Woche Werkstudententätigkeit, ein wenig mehr zu verdienen?

Vielen Dank und VG
Bina

Bina: 09.01.2020 19:05:19 |
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  • RE: 20 h Werkstudent + Kleingewerbe - geht das?

    Hallo Bina,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Eine Einkommensgrenze für Studierende gibt es nicht.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich auch nicht um eine Verbotsgrenze, sondern lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass dein Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudentin angemeldet. Arbeitest du regelmäßig mehr, musst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet werden.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen auf Gehalt aus abhängiger nicht-geringfügiger Beschäftigung 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe kann eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich sein als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Von der 20h-Regel gibt es aber auch noch Ausnahmen:
    So bleibt der Werkstudent_innenstatus in der Regel auch bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete(!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.
    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Die SV-Abgaben betreffen aber nur abhängige sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen, also Jobs, die weder 450€-Minijobs noch kurzfristige Beschäftigungen sind. Für diese geringfügigen Beschäftigungen gelten eigene Regelungen (die Arbeitszeit daraus zählt aber dennoch in die 20h-Regel mit hinein).
    Mehr zu Minijobs: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Mehr zu kurzfristigen Beschäftigungen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU
    Beide Jobarten kannst du neben deinem Werkstudijob ausüben. Ob in diesem dann noch der Werkstudent_innenstatus erhalten bleibt oder ob du dort voll sv-pflichtig angemeldet werden musst, hängt von Dauer und Umfang der geringfügigen Beschäftigungen ab sowie der Lage deiner Arbeitszeit dort (siehe Ausnahmen).

    Auch für Kleingewerbe gelten eigene Regelungen. Gewerbliche Jobs sind selbstständige Tätigkeiten. Grundsätzlich kannst du neben einem Werkstudijob auch ein Kleingewerbe ausüben, dabei gibt es jedoch einiges zu beachten:
    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy, dem Ordnungs-/Gewerbeamt und der Sozialversicherung https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums weriterhin studentisch krankenversichern oder bei Überschreiten der 20h-Regel über deine abhängige Beschäftigung versichert sein. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Beachte aber, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. musst du Mitglied einer Kammer werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Außerdem ist zu beachten, dass nicht jede Tätigkeit, die du formal auf Geerbeschein ausübst, auch wirklich eine selbstständige Tätigkeit ist. Kellern gehört zum Beispiel nicht dazu. Es gibt Gerichtsurteile, wonach "Bedienungspersonal in Gastronomiebetrieben" grundsätzlich als abhängig Beschäftigte anzusehen sind, also eine formale Selbstständigkeit/Gewerbe sogenannte Scheinselbstständigkeit wäre (siehe Riundschreiben Statusfeststellung, Anlage 5, Seite 4 https:/​/​www.tk.de/​resource/​blob/​2047008/​b24be6ca074734332124bca7d9e95385/​rundschreiben-vom-21-03-2019-data.pdf). Das heißt, wenn du am Wochenende einen Job als Kellnerin ausüben möchtest, solltest du um einen Arbeitsvertrag (z.B. als Minijobberin oder kurzfristige Beschäftigte) bitten.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und tritt unserer Facebookgruppe bei: https:/​/​www.facebook.com/​groups/​DeinNetzwerkfuersStudium/​

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    S@W: 10.01.2020 13:37:43


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