Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudenten job und mini job

Hallo Zusammen,
Ich habe mich jetzt auch schon länger durch eure foren bzgl. Der Thematik gelesen. Leider war nicht die passgenaue Antwort zu meiner Frage vorhanden.

Ich arbeite als werkstudenten im sozialen bereich. Meine Tätigkeit findet nur Nachts oder am Wochenende statt. Manchmal wird die 20 Std grenze auch überschritten, jedoch außerhalb der Vorlesungszeiten.
Ich habe momentan ein monatliches Einkommen von 1100-1400€.
Nun habe ich das Angebot für einen minijob bekommen, an einer ogts, wo ich bereits gearbeitet habe und dort sehr wohl gefühlt habe. Nun stellt sich mir die frage, ob ich den minijob mit 12std pro Woche annehmen kann, zusätzlich zu meinem Werkstudenten job, ohne meinen studenten status zu verlieren? Auch ist mir die magische frenze von 9000(?)€ Einkommen jährlich bekannt, welche ich ja bereits mit meinem werkstudi job knacke. Würde es sich für mich lohnen, in Hinblick auf Steuern und Abgaben oder ratet ihr mir grundsätzlich davon ab?
Ungern würde ich auch wieder in Kontakt mit meiner kk gehen, in der angst, dass sie bemerken, dass ich meine Stunden zahl im werkstudijob schon breche. Vertraglich sind im werkstudu job nur eine sehr geringe Anzahl von wöchentlicher Stunden drin, die restlichen stunden laufen über Mehrarbeit.

Danke schon mal im voraus und ich freue mich auf eure Antwort.

Lieben Gruß

Annelise: 30.11.2019 12:27:32 |
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  • RE: Werkstudenten job und mini job

    Hallo Annelise,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status als Studentin innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss ("schlimmstenfalls" kann dich die Uni auffordern, in Teilzeit zu wechseln, habe ich in der Praxis aber bisher nur sehr selten gehört, dass das tatsächlich gemacht wurde).
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich nicht um ein Gesetz, sondern um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort (relevant für abhängige Beschäftigung mit über 450€/Monat).
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (wenn du also fast jede Woche an die 20h arbeitest, zählt das und nicht die im Vertrag stehende niedrigere Arbeitszeit) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudentin angemeldet.
    Arbeitest du regelmäßig mehr als 20h/Woche, entfällt der Werkstudent_innenstatus und du wirst voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet (was durchaus auch Vorteile hat).

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Der Werkstudent_innenstatus kann aber auch bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten bleiben, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.
    Arbeitest du aber ganz regulär neben dem Studium z.B. 25h oder 30h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin - auch dann wenn ein Großteil der Arbeitszeit auf nachts oder das Wochenende fällt. Die 26-Wochen-Regel spielt dann keine Rolle.

    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Das heißt: Arbeitest du in deinem bisherigen Job schon um die 20h/Woche und nimmst dazu noch einen 450€-Minijob auf, liegt deine regelmäßige Arbeitszeit voraussichtlich bei über die 30h/Woche. Dann musst du ziemlich sicherv als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet werden.
    Die ca 20% SV-Abgaben fallen übrigens nur auf deinen bisherigen Job an. Das Einkommen aus einem zusätzlichen Minijob ist grundsätzlich bis auf 3,6% RV (mit Befreiungsmöglichkeit) sozialversicherungsfrei - egal ob du im Hauptjob Werkstudentin oder voll sv-pflichtig bist.
    Hier gelten die Minijobregeln, solange du dort nicht mehr als 450€/Monat verdienst. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Beachte auch, dass du bei 12h/Woche selbst bei Mindestlohn schon leicht über 450€/Monat kommen würdest. https:/​/​www.dgb.de/​-/​e2L

    Steuerlich werden Minijobs zudem in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.
    Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast. Ab 2020 steigt der Grundfreibetrag sogar auf 9408€/Jahr.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest oder nur leicht drüber kommst.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM
    Und so magisch ist die Steuergrundfreibetragsgrenze auch gar nicht bzw. das darüberkommen nicht so schlimm, wie manche denken. Der Eingangssteuersatz liegt bei 14%, das heißt, dass bei hundert Euro drüber 14€ Einkommenssteuer fällig wird. Einkommenssteuer wird nämlich nur auf den Betrag fällig, der deinen Freibetrag (plus ggf. noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. So kannst du durchaus auch 11.000 oder 12.000€ im Jahr brutto verdienen, ohne dass Einkommenssteuer fällig wird. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB
    Ich hoffe, all die Infos helfen dir bei deiner Entscheidungsfindung!

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    [ˈjuːnjən]

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    S@W: 02.12.2019 15:18:58


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