Deutscher Gewerkschaftsbund

Minijob und 2. Jobangebot

Hallo, ich übe zur Zeit in Paderborn einen Minijob als Marketingassistentin aus. Darüber hinaus wurde ich nun von einer Person öffentlichen Lebens aus Berlin angefragt, ob ich sie in Sachen Social Media usw. unterstützen möchte. Ich würde dieses Angebot sehr gerne annehmen, denke aber nicht, dass meine jetzige Arbeitgeberin damit einverstanden wäre, wenn ich den Job aus Berlin noch mit in den 450 Euro Job hinzuziehen würde. Nun meine Frage: Wie kann ich mir den 2. Job bezahlen lassen? Worüber lasse ich das Ganze laufen? Ich habe davon gehört, dass man als Werkstudent arbeiten kann. Wie läuft das ab? Geht das auch bei zwei Arbeitgebern? Oder kann ich zusätzlich zu meinem Minijob auch selbstständig auf Honorarbasis arbeiten? Was macht am meisten Sinn?

Danke für die Unterstützung!

Evelyn: 29.11.2019 16:01:33 |
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  • RE: Minijob und 2. Jobangebot

    Hallo Evelyn,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Pauschal lässt sich deine Frage nicht beantworten. Kombinierbar sind erstmal fast alle Jobarten miteinander.
    Je nachdem, welche Krieterien der neue Job erfüllt, kommen unterschiedliche Möglichkeiten der Anmeldung und Abrechnung in Betracht. Zum Beispeil gibt es unterschiedliche Kriterien für abhängige Beschäftigung und selbstständige Tätigkeiten ( https:/​/​www.minijob-zentrale.de/​DE/​01_minijobs/​01_basiswissen/​01_grundlagen/​05_selbstaendig_oder_abhaengig/​node.html), außerdem sind Dauer, Umfang und Einkommenshöhe relevant. Davon hängt wiederum ab, welche Auswirkung das auf deinen bisherigen Minijob hat.
    Was dann für dich am sinnvollsten ist, hängt von deinen persönlichen Bedürfnissen ab.

    Kombinierst du z.B. deinen 450€/Minijob mit einer abhängigen Beschäftigung, in der du über 450€/Monat verdienst, hat das keine Auswirkungen auf deinen Minijob. Dieser bleibt nach Minijobregeln (bis auf ggf. 3,6% Rentenversicherung) sozialversicherungsfrei. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Der neue Job ist sozialversicherungspflichtig. Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du im neuen als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf dieses Gehalt je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge (RV) an. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Bis zu einer Grenze von 1300€/Monat wird außerdem nicht gleich das ganze Einkommen zur Berechnung der RV-Beiträge heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob-Status. Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen. Diesen und weitere Infos zum Midijob-Status findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Kombinierst deinen 450€-Minijob mit einem weiteren 450€-Minijob, werden diese in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Verdienst du in beiden Jobs zusammen nicht mehr als 450€/Monat, werden beide nach Minijobregeln abgerechnet.
    Kommst du insgesamt aber auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs.
    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du dann in beiden(!) als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an.
    Dass deine Arbeitgeberin damit ein Problem hat, kann ich mir allerdings nicht vorstellen. Im Minijob zahlen Arbeitgeber_innen pauschal 28% SV-Abgaben, im Werkstudijob aber ebenfalls nur 9,3% RV. Fürt deine Arbeitgbeerin wirst du also deutlich "billiger", wenn der Minijobstatus entfällt und du auch dort als Werkstudentin angemeldet werden kannst.

    Kombinierst du deinen 450€-Minijob mit einer selbstständigen Tätigkeit (beachte die Kriterien, sonst droht Scheinselbstständigkeit!), werden in der SV beide komplett getrennt betrachtet und beeinflussen sich gegenseitig nicht.
    Der Minijob bleibt Minijob, die selbstständige Tätigkeit wird je nach Umfang und Einkommenshöhe und genauer Art der Tätigkeit abgerechnet.
    Beachte:
    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy und der Sozialversicherung https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du (jer nach gesamter Einkommenshöhe) während des Studiums familienversichert sein oder dich studentisch krankenversichern. Bei hauptberuflicher Swelbstständigkeit musst du dich als Selbstständige freiwiilig krankenversichern. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz
    Beachte außerdem, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. bist du RV-pflichtig (in der Regel mit 18,6%) oder musst ein Gewerbe anmelden und Mitglied einer Kammer werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Bei der gesetzlichen Familienversicherung ist nicht die Jobart, sondern dein Gesamteinkommen relevant. Die Einkommensgrenze beträgt 445€/Monat (das entspricht bei abhängiger Beschäftigung ca. 528€/Monat brutto bzw. ab 2020 455€/Monat bzw. ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Beim Thema Steuern geht es ebenfalls ums gesamte Einkommen. Der Steuergrundfreibetrag beträgt für 2019 9168€/Jahr und für 2020 9408€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Da du direkt deine Betriebsausgaben abziehen kannst, gilt die Werbungskostenpauschale hier nicht.

    Hast du bei mehreren abhängigen Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen ggf. hohe Abzüge, kannst du sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB

    Ich hoffe, das hilft dir bei deiner Entscheidungsfindu8ng erstmal weiter.
    Einen Überblick, was es sonst noch für Arbeitsmodelle und Jobarten gibt, findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​jobarten
    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inS
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    [ˈjuːnjən]

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und tritt unserer Facebookgruppe bei: https:/​/​www.facebook.com/​groups/​DeinNetzwerkfuersStudium/​

    Solidarität geht immer! Mitglied werden: https:/​/​jugend.dgb.de/​dgb_jugend/​ueber-uns/​mitglied-werden

    S@W: 02.12.2019 11:44:35


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