Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudentinnentätigkeit + Werkvertrag

Liebes DGB-Team,

erstmal tausend Dank für die vielen hilfreichen Antworten, die ich hier schon gelesen hab. Jetzt hab ich aber doch noch eine Frage..

Und zwar arbeite ich 19std. die Woche als Werkstudentin in einem Forschungsinstitut. Nun wurde mir von einer Professorin (also andere Arbeitgeberin) angeboten, dass ich für sie mit einem Werkvertrag für 500€ etwas schreiben kann. Nachdem bei einem Werkvertrag ja nicht festgelegt wieviele Stunden ich dafür arbeite (oder wann), sondern nur dass es mit Erfolg passiert, bin ich mir nun unsicher, ob ich durch "zu viele Stunden! meinen Werkstudentinnenstatus verliere. Kann das passieren, nachdem ja nicht nachvollziehbar ist, wieviele Stunden ich dafür gebraucht habe.

Mein Kontakt mit meiner Krankenkasse verlief erfolglos, weil sie auch nichts wissen. Muss ich nun also meinen Arbeitgeber fragen, ob es für sie ok wäre?

Liebe Grüße und vielen Dank

Jessica

Jessica: 28.11.2019 20:00:49 |
Tags:
  • RE: Werkstudentinnentätigkeit + Werkvertrag

    Hallo Jessica,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    "Werkvertrag" ist eine Vertragsform für selbstständige Tätigkeiten. Das bedeutet, dass du beim Finanzamt und der deiner Krankenkasse die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit anmelden musst.
    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft und in deinem ersten Job nicht voll sozialversicherungspflichtig wirst, kannst du dich während des Studiums weiterhin studentisch krankenversichern. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Die sogenannte 20h-Regel - eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort - ist nur für deinen abhängige Beschäftigung und wie du dort angemeldet werden musst, relevant.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest oder unter bestimmte Ausnahmeregelungen fällst. Dann wirst du im Job als Werkstudentin angemeldet. Arbeitest du regelmäßig mehr, wirst du im Job voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet.
    Die Arbeitszeit aus der selbstständigen Tätigkeit zählt dabei auch zur wöchentlichen Arbeitszeit bei der 20h-Regel dazu. Deshalb bist du verpflichtet, die Aufnahme der zusätzlichen Selbstständigkeit und deine tatsächliche Arbeitszeit dort sowie ggf. deren Lage deine_r/m Arbeitgeber_in (AG) aus dem Werkstudijob mitzuteilen.
    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Im Zweifel musst du die Arbeitszeit schätzen.
    Auf der Basis schätzt dann dein_e AG ein, ob der Werkstudent_innenstatus noch greift oder nicht. Fragen musst du nicht wirklich, nur mitteilen, was Sache ist. Gekündigt werden darfst du nur wegen eines SV-Statuswechsels im Übrigen nicht.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    [ˈjuːnjən]

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und tritt unserer Facebookgruppe bei: https:/​/​www.facebook.com/​groups/​DeinNetzwerkfuersStudium/​

    Solidarität geht immer! Mitglied werden: https:/​/​jugend.dgb.de/​dgb_jugend/​ueber-uns/​mitglied-werden

    S@W: 29.11.2019 11:19:11


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