Deutscher Gewerkschaftsbund

Wechsel vom Vollzeit- ins Teilzeitstudium: Werkstudent

Schönen guten Tag zusammen,

Meine Name ist Eric und ich bin 20 Jahre alt.
Derzeit studiere ich im dritten Semester Wirtschaftspsychologie (Vollzeit). Nebenbei bin ich als Werkstudent für rund 20 Stunden in der Woche tätig. Ich habe vor meinem Studium keine Berufsausbildung gemacht.

Ich plane aktuell einen Wechsel in den Studiengang Business Administrations, da ich mich fachlich umorientieren möchte und ich praktisch nur innerhalb meiner Hochschule wechsle und damit nur ein Semester wiederholen muss. Bei dem neuen Studiengang handelt es sich um ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium mit 7 Semestern, 180 CreditPoints und einem Bachelor of Arts Abschluss. Da man zwischen verschiedenen Zeitmodellen wählen kann, würde ich gerne im Tagesstudium an zwei Tagen in der Woche die Vorlesungen besuchen.

Meine Frage lautet nun ob ich mit dem Wechsel in das Teilzeitstudium die Möglichkeit verliere als Werkstudent zu arbeiten ?
Im Internet findet man einige widersprüchliche Aussagen und sowohl mein Arbeitgeber als auch die Krankenkasse konnten mir nicht endgültig meine Frage beantworten.
Nach zahlreichen Anrufen (Uni, Krankenkasse, Deutsche Rentenversicherung, etc.) ist mein aktueller Stand nun, dass ich sofern mein Teilzeitstudium mehr als die Hälfte eines Vollzeitstudiums abdeckt und ich die 20 Stunden-Grenze nicht überschreite, immer noch als Werkstudent angestellt werden kann und nicht damit rechnen muss Beiträge nachzuzahlen. Außerdem sollte ich mir die schriftliche Bestätigung der Krankenkasse, der Hochschule und des Arbeitgebers für mögliche spätere Betriebsprüfungen einholen.

Könnte ich mich nicht ansonsten auch einfach an der staatlichen Uni für ein Zweitstudium in Vollzeit einschreiben und darüber als Werkstudent arbeiten ?

Ich freue mich über alle Antworten und Anregungen.

EricJM: 28.11.2019 12:10:27 |
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  • RE: Wechsel vom Vollzeit- ins Teilzeitstudium: Werkstudent

    Hallo Eric,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zuerst einmal muss man die sozialversicherungs- und die arbeitsrechtliche Ebene trennen.

    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich lediglich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV). Diesen haben jobbende Studierende in der Regel immer dann inne, wenn sie Vollzeit studieren und nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Darüber hinaus kannst du auch im Teilzeitstudium als Werkstudent angemeldet werden, wenn du nachweist, dass du mehr als die Hälfte der Zeit eines vergleichbaren Vollzeitstudiums studierst. Wie das im Einzelfall genau nachweisen musst, entscheidet erstmal dein Arbeitgeber (und ggf. die Rentenversicherung bei einer Betriebsprüfung, ob ihr die Nachweise ausreichen ;-)). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Ist der Werkstudent_innenstaus nicht möglich, musst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet werden.

    Arbeitsrechtlich spielt der Werkstudent_innenstatus hingegen keine Rolle, hier bist du unabhängig von deinem sozialversicherungsrechtlichen Status normaler Teilzeitarbeitnehmer. Das heißt, egal ob du als Werkstudent angemeldet werden kannst oder nicht - dein Vertrag gilt weiterhin so wie vereinbart. Gekündigt werden darfst du nur wegen einer Änderung deines SV-Status übrigens auch nicht.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem kannst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erwerben, auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Nachzahlen musst du in keinem der beiden Fälle irgendwelche Beiträge. Wenn du in Teilzeit wechselst, teilst du das deinem Arbeitgeber entsprechend mit und der meldet dich dann je nach Nachweislage entweder weiterhin als Werkstudent an, dann ändert sich nichts, oder eben voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer.
    Erst ab dann werden die höheren SV-Beiträge fällig, im Gegenzug sparst du die Kosten für die studentische Krankenversicherung.
    Sollte bei einer Betriebsprüfung eine Falschanmeldung festgestellt werden, obwohl du alle deine Angaben korrekt gemacht hast, so trägst du nicht das Risiko für eventuell nachzuzahlende Beiträge, sondern dein Arbeitgeber. Von dir können dann allerhöchstens die SV-Beiträge für die letzten drei Monate davor einbehalten werden (für die du im Gegenzug dann die zuviel gezahlten Krankenkassenbeiträge aus der stud. KV zurückbekommst).

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    [ˈjuːnjən]

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    S@W: 28.11.2019 14:48:24


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