Deutscher Gewerkschaftsbund

Studieren und arbeiten Ü30

Um mein Studium zu finanzieren habe ich einen Teilzeitjob zu 20h angenommen, studiere aber eigentlich offiziell noch in Vollzeit. So weit erstmal alles kein Problem.
Meine (gesetzliche) Krankenkasse sagt jetzt: Vollzeitstudent, angestellt bis 20h = Werkstudent. Ü30 = keine Versicherungspflicht, ich soll mich also freiwillig versichern. Bleibe ich bei meiner GKV, muss ich den kompletten Satz alleine stemmen, was bei meinem Lohn über 300 Euro pro Monat sind! Da ich ungerne nur aus Kostengründen für den Rest meines Studiums (vst. nur noch 2 Semester) in die PKV wechseln möchte, bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als das zu schlucken.
Ich überlege allerdings (und meine AG wäre grundsätzlich bereit dazu), mich auf 20,5h anstellen zu lassen, so dass ich kein Werkstudent mehr sein kann und damit wieder "ganz normal" in der GKV bin (also nur den AN-Anteil zahlen muss). Ich habe in mehreren Beiträgen hier im Forum gelesen, dass das an sich kein Problem ist. Allerdings hat mich folgender Artikel verunsichert: https:/​/​forschenlernen.jetzt/​forschenlernen/​aktuelles/​meldungen/​20170420.php
DOrt steht sinngemäß, dass mich die Uni theoretisch exmatrikulieren könnte, dass ich rechtlich gesehen schwarz fahre, etc. Die Option Teilzeitstudium habe ich in meinem Studiengang nicht.

Ist doch grundsätzlich irgendwie quatsch, dass ich, nur weil ich Ü30 und noch Student bin anscheinend nicht versicherungspflichtig bin?
Mein AG ist sogar bereit mich nicht als Werkstudent einzustellen, obwohl er dann mehr zahlen muss und ich würde statt nur KV und RV auch noch SV (und derzeit noch Soli) zahlen, aber die Gesetzeslage erlaubt das nicht?
Ich weiß, Studenten Ü30 sind nicht die Regel, aber doch auch nicht ungewöhnlich...

Vielleicht habe ich hier auch schon ein Luxusproblem, aber irgendwie ist die Lage aus meiner Sicht nicht ganz logisch, da ja bei einem Wechsel in die PKV bis auf diese eigentlich alle an diesem Deal verlieren, oder nicht?

Und wenn ich dann auf 20,5h angestellt wäre, ob das tatsächlich nicht rechtmäßig wäre, ob das überhaupt jemanden interessiert (Uni o.ä.) oder ob das einfach toleriert würde?

Vielen Dank im Voraus!

Fred: 19.09.2019 10:02:54 |
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  • RE: Studieren und arbeiten Ü30

    Hallo Fred,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Die Thematik der Krankenversicherung Studierenden über 30 ist uns ein wohl bekanntes Problem. Hier wird deutlich, dass das sogenannte Werkstudent_innen-“Privileg“ häufig ein Privileg nur für Arbeitgeber_innen ist, sich Sozialabgaben sparen zu können, selten aber für Studierende, die so nur komplizierter die Vorzüge einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung genießen können.

    Tatsächlich lässt sich die Rechtslage gut begründet so interpretieren, dass dein_e Arbeitgeber_in dich erst voll sozialversicherungspflichtig melden darf, wenn du mehr als 20h/Woche arbeitest.
    Bei regelmäßig 20,5h/Woche sollte das also möglich sein. Eine Krankenversicherung hast du dann über den Job und das bedeutet wiederum dass deine Pflicht, dich über‘s Studium zu finanzieren, wegfällt. Unserer Erfahrung nach akzeptieren die Krankenkassen das auch so https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi.

    Für eine Immatrikulation oder Rückmeldung wiederum ist es grundsätzlich erst einmal nur wichtig irgendeine Krankenversicherung zu haben, das ist nämlich Pflicht nach Sozialgesetzbuch (§ 5 Abs. 1 Nr. 9 Satz 1 SGB V). Die hast du ja aber in jedem Fall, solange du deine Beiträge bezahlst.

    (Der Soli ist eine steuerliche Abgabe und sowieso unabhängig von deinem Status in der Sozialversicherung. Bei der Einkommenssteuer gibt es keinen Sonderstatus für Studierende).

    Alles andere ist dann kein sozialversicherungsrechtliches Problem, sondern ein hochschulrechtliches. Hier sind pauschale, bundesweit gültige Aussagen schwierig, da jedes Bundesland ein eigenes Hochschulrecht hat. Sicher ist aber, dass eine Exmatrikulation eine Rechtsgrundlage braucht. Diese könnte im Hochschulgesetz stehen, oder in der Studien- und Prüfungsordnung. Teilweise gibt es in Hochschulgesetzen Regelungen, dass Studierende exmatrikuliert werden können, die keine nachweisbaren Leistungen erbringen. Oder es gibt z.B. Studien- und Prüfungsordnung die eine bestimmte ECTS-Zahl vorsehen, die erfüllt werden muss, um den Prüfungsanspruch zu behalten.
    Eine Regelung, nach der Studierende exmatrikuliert werden können, die zu viel erwerbsarbeiten ist uns nicht bekannt. Auch der von dir verlinkte Artikel behauptet das meiner Lesart nicht. Auf der Argumentationsgrundlage dort steht als mögliche Konsequenz lediglich, dass die Hochschule Probleme mit der Akkreditierung ihres Studiengangs bekommen könnte (ob diese Einschätzung eine solide rechtliche Einordnung zugrunde liegt, sei an dieser Stelle explizit offen gelassen) – nicht aber, dass der_die einzelne Studierende exmatrikuliert werden könnte..

    Zu der rechtlichen Frage der Legalität des Semestertickets können wir leider nichts sagen, vielleicht könntest du dich damit an deinen AStA wenden. Dieser verhandelt und verwaltet i.d.R. das Semesterticket.

    Bitte beachte, dass wir hier keine verbindlichen Rechtsauskünfte geben können, wenn du weiter verunsichert bist, so kannst du dich natürlich professionell fachanwaltlich beraten lassen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße,
    Valentin
    students at work

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    S@W: 04.10.2019 14:32:37


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