Deutscher Gewerkschaftsbund

Während Studium zwei Anstellungen

Liebes Team,
ich werde ab September als studentische Hilfskraft angestellt werden (20h für ca. 14€ pro Stunde). Zudem habe ich ein Angebot ab und zu für ein Start-Up zu arbeiten (ca. 20€ pro Stunde). Zeitlich ist das Start-Up flexibel und würde sich nach mir richten.
Nun ist die Frage, wie viel Stunden aus steuerrechtlicher Sicht am meisten Sinn machen würden. Ich habe gelesen, dass der 2. Job in der Steuerklasse 6 abgerechnet wird, wie viel wird denn da ca. abgezogen?
Ich habe auch überlegt mich für die Tätigkeiten im Start-Up selbstständig zu machen und freiberuflich für sie zu arbeiten. Würde das mehr Sinn als eine feste Anstellung machen?

LG Julia

Julia S.: 12.08.2019 16:55:40 |
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  • RE: Während Studium zwei Anstellungen

    Hallo Julia,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    So pauschal lassen sich deine Fragen nicht beantworten. Je nachdem, wie viel du verdienst und arbeitest, ob selbstständig oder abhängig beschäftigt, hat das unterschiedliche Auswirkungen in den Bereichen Sozialversicherung und Steuern.

    Ich fang mal mit Steuern an:
    Hier ist die Höhe deines Einkommens ausschlaggebend.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aber nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Hast du bei mehreren Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen kann es aber auch zu hohen Abzügen kommen, wenn du unterhalb des Freibetrags bleibst. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr plus Werbungskostenpauschale eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine oder zumindest geringere Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. Der Steuerstaz selbst richtet sich nach der Höhe deiens Einkommens. Er steuigt, wenn dein Einkommmen steigt. Deshalb lässt sich auch nicht vorhersagen, wieviel du abgezogen bekommen würdest. Das kannst du aber mit den üblichen Brutto-Netto-Rechnern im Internet grob einschätzen.
    Und am Jahresende kannst du mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Diesen ermittelst du mit deiner Steuererklärung und teilst ihn dem Finanzamt mit. Dann wird deine Steuerschuld berechnet.

    Der Bereich Sozialversicherung ist wesentlich komplexer.
    Hier ist zu beachten, ob du abhängig oder selbstständig arbeitest, wieviel du jeweils und insgesamt verdienst, wieviel du insgesamt arbeitest und welche Jobarten du ggf. kombinierst.

    Kombinerst du z.B. eine Werkstudijob und einen 450€-Minijob oder eine selbstständige Tätigkeit miteinander und kommst mir beiden Jobs auf eine regelmäßige Arbeitszeit von über 20h/Woche, entfällt der Werkstudent_innenstatus in der Sozialversicherung.
    Hier macht es keinen Unterschied, ob du im zweiten Job abhängig beschäftigt oder selbstständig tätig bist.
    Du kannst dann im ersten Job nicht als Werkstudentin, sondern musst voll sozialversicherungspflichtig angemeldet werden.
    Der Unterschied: Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die stud. KV (immerhin um die 90€/Monat bzw. ab dem wintersemester ca. 110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es anstatt nur RV zwar mehr, nämlich insgesamt knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I).

    Wenn der zweite Job ein 450€-Minijob sein sollte, dann fallen dort 3,6% RV an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. Hier gibt es außerdem die Besonderheit, dass Minijobs pauschal mit 2% versteuert werden können. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du eventuell noch an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM

    Bei abhängigen beschäftigungen sind deine Arbeitgeber_innen dafür zuständig, dich korrekt anzumelden und die entsperchenden SV-Beiträge und Steuern für dich abzuführen. Du musst ihnen daher deine jeweils anderen Jobs mitteilen. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Beim Thema Selbstständigkeit gibt es einiges zusätzlich zu beachten:
    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy und der Sozialversicherung https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums studentisch krankenversichern oder (bei über 20h/Woche) ausschließlich über deinen Hauptjob versichert sein. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz
    Beachte auch, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht, bist rentenversicherungspflichtig (mit 18,6%) oder musst Mitglied einer Kammer werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Welche Kombi für dich nun tatsächlich die passendste ist, musst du dir mal durchrechnen und auch die unterschiedlichen Anforderungen an abhängige Beschäftigung und Selbstständigkeit mit einbeziehen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 12.08.2019 17:28:29


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