Deutscher Gewerkschaftsbund

Steuererklärung

Hallo,

ich habe gestern via ELSTER meine erste Steuererklärung für 2018 eingereicht. Ich habe dort angegeben, dass ich sowohl als wissenschaftliche Hilfskraft an einer Uni (befristet) angestellt war (Januar 2018-Mai 2018) als auch Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit (Honorar Förderlehrkraft) eingenommen habe (Oktober 2018-Dezember 2018). Für die selbstständige Tätigkeit habe ich eine Steuernummer. Darüber hinaus habe ich im Sommer einmalig als Seminarleitung für eine Organisation gearbeitet, was unter die Übungsleiterpauschale fällt.
Darüber hinaus habe ich Anfang des Jahres (Januar 2018-März 2018) Wohnged erhalten, was nach Angaben einer Fachkraft nicht mit aufgenommen werden muss. Dasselbe gilt für Bafög, was ich seit Oktober 2018 bekomme. Das gesamte EInkommen liegt unter dem Steuerfreibetrag.

Nun zu meinem Anliegen:
Mir ist aufgefallen, dass ich eine Angabe in der Steuererklärung vergessen hatte. Ich hatte von April 2016 bis September 2018 regelmäßig Nachhilfe in einem Institut gegeben. Dafür hatte ich jedoch nie eine Steurnummer beantragt, da mein Chef meinte, dass ich auch meine Identifikationsnummer im Vertrag angeben könnte. Ich habe bei diesem Institut auch nie Rechnungen gestellt, sondern habe mein Gehalt immer so überweisen bekommen. Ich bin sowohl 2016 als auch 2017 und 2018 nie über den Steuerfreibetrag gekommen, weshalb ich für die Jahre 2016/17 dann natürlich auch keine Steuererklärung gemacht habe, weil ich dachte, dass ich ja nicht selbstständig bin.

Meine 1. Frage nun:
Ich muss die bereits abgesendete Steuererklärung für 2018 wohl noch um die Einkünfte aus der Nachhilfe ergänzen, oder? Wie mache ich das?
Oder kann ich diesen Fehler "ignorieren", weil es für die Steuer eh keinen Unterschied machen würde? Ich würde auch mit diesen Einkünften aus der Nachhilfe nicht über den Steuerfreibetrag kommen.

Meine 2. Frage:

Wie gehe ich mit den Jahren 2016/17 um? Muss ich dafür nachträglich auch eine Steuererklärung machen?
Was passiert, wenn ich dem Finanzamt melde, dass ich noch immer keine Erklärungen abgegeben habe? Habe ich mit einer Strafe zu rechnen, auch wenn ich immer unter dem Freibetrag war?

Vielen Dank für Ihre HIlfe!

hgft: 09.07.2019 13:41:27 |
Tags:
  • RE: Steuererklärung

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zu allererst müsstest du herausbekommen, ob du bei der Nachhilfe wirklich selbstständig warst. Wenn du dort über deine Steueridentifikationsnummer abgerechnet wurdest und nie eine Rechnung geschrieben hast, könnte es sich auch um eine abhängige Beschäftigung, ggf. einen Minijob handeln.

    Angeben solltest du die Einkünfte aus der Nachhilfe von 2018 aber in jedem Fall in deiner Steuererklärung für 2018. Wende dich am besten an das für dich zuständige Finanzamt und erkläre, dass du übersehen hast, etwas anzugeben, was du noch nachreichen möchtest. Die sollten dir weiterhelfen können.

    Was mit 2016 und 2017 ist, hängt dann davon ab, ob du dort selbstständig oder abhängig beschäftigt warst.
    Warst du abhängig beschäftigt und hattest auch keine weiteren Jobs, musst du keine Steuererklärung für die Jahre machen.
    Solltest du tatsächlich selbstständig gewesen sein, aber sonst kein anderes steuerpflichtiges Einkommen gehabt haben (Wohngeld, Unterhalt, BAföG und auch ander Sozialleistungen wie ALG II zählen da nicht dazu), warst du wahrscheinliich sowieso nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Das ist nur der Fall, wenn du über den Steuerfreibetrag verdient hast. Wenn du dich rückwirkend anmeldest, kann es aber sein, dass das Finanzamt dich auffordert, eine Steuererklärung für die Jahre 2016 und 2017 nachzureichen. Die Strafe für die verspätete Abgabe lag bis letztes Jahr in der Regel bei 10% der Steuerschuld, wenn diese aber bei Null lag, sollten 10% von Null = Null sein ;-)

    Wenn du nicht abhängig beschäftigt warst und dich als Selbstständiger nicht rückwirkend anmeldest, handelt es sich um illegale Arbeit, das ist strafbar und kann ggf. deutlich teurer werden, wenn es rauskommt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQa

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 09.07.2019 17:05:39


  • RE: Steuererklärung

    Liebe Andrea,

    Vielen Dank für deine hilfreiche Antwort!

    Also ich war bei der Nachhilfe wohl als Lehrbeauftragte in freier Mitarbeit (Honorarbasis) tätig, musste aber nie eine Rechnung schreiben (auch die Steuer-ID hat meinem Chef gereicht); wenn ich das Geld überwiesen bekam, habe ich immer ein Gutschriftsformular per Mail zugesandt bekommen.

    1. Zu deiner Antwort: "Solltest du tatsächlich selbstständig gewesen sein, aber sonst kein anderes steuerpflichtiges Einkommen gehabt haben (Wohngeld, Unterhalt, BAföG und auch ander Sozialleistungen wie ALG II zählen da nicht dazu), warst du wahrscheinliich sowieso nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Das ist nur der Fall, wenn du über den Steuerfreibetrag verdient hast."

    --> Ich dachte, dass man immer eine Steuererklärung abgeben muss, wenn man selbstständig tätig ist? Egal wie hoch das Einkommen war.

    2. Zu deiner Antwort: "Wenn du dich rückwirkend anmeldest, kann es aber sein, dass das Finanzamt dich auffordert, eine Steuererklärung für die Jahre 2016 und 2017 nachzureichen. Die Strafe für die verspätete Abgabe lag bis letztes Jahr in der Regel bei 10% der Steuerschuld, wenn diese aber bei Null lag, sollten 10% von Null = Null sein ;-)"

    --> Das Problem ist, dass ich diese Nachhilfe-Tätigkeit nicht in Hamburg, wo ich jetzt lebe, sondern in Berlin ausgeübt habe. Sprich, wenn ich mich nun rückwirkend anmelde, muss ich das dann in Berlin beim Finanzamt oder in Hamburg? Kann die Tätigkeit dann einfach über meine jetztige Steuernummer (Hamburg) laufen lassen oder brauche ich dann dafür eine "neue" (Berlin), die ich dann ja aber anschließend nicht mehr brauche?

    3. Zu deiner Antwort: "Wenn du nicht abhängig beschäftigt warst und dich als Selbstständiger nicht rückwirkend anmeldest, handelt es sich um illegale Arbeit, das ist strafbar und kann ggf. deutlich teurer werden, wenn es rauskommt."

    --> Wenn ich für die Steuererklärung 2018 nun die fehlenden Beträge angebe (was ich tun werde!), würde das Finanzamt dann ja sowieso von der fehlenden Anmeldung erfahren, oder? Weil ich ja dann angeben muss, dass es eine selbstständige Tätigkeit war, für die ich keine Steuernummer habe.

    Wie gehe ich nun am besten vor? Soll ich zuerst zum Finanzamt und sagen, dass mir ein Fehler unterlaufen ist und dann die Tätigkeit rückwirkend anmelden?
    Weil wenn ich zuerst eine neue Steuernummerin Berlin beantragen muss, verzögert sich die Verbesserung der Steuererklärung 2018 ja um einiges...

    Vielen Dank!

    hgft: 09.07.2019 17:47:49


  • RE: Steuererklärung

    Hallo,

    zu 1.) gesetzlich sind im Einkommenssteuergesetz unterschiedliche Fälle geregelt, wann es eine Steuererklärungspflicht gibt. Bei Selbstständigen greift diese dann, wenn ihre Einkünfte den Steuergrundfreibetrag überschreiten, aber auch, wenn sie neben einer abhängigen beschäftigung selbstständig sind un mehr als 410€/Jahr Gewinn erzielen oder auch, wenn sie vom Finanzamt aufgefordert werden.
    Letzteres ist meistens der Fall, wenn man eine selbstständige Tätigkeit anmeldet und keine Erklärung abgibt.

    zu 2.) Die Steuernummer muss immer vom örtlich zuständigen Finanzamt sein, selbst wenn du innerhalb Berlins umziehst und den bezirk wechselst, brauchst du eine neue Steuernummeer für die gleiche Tätigkeit...
    Wende dich doch an dein Finanzamt in HH und frage nach, ob das in deinem Fall ok wäre, die Einkünfte unter deiner aktuellen Steuernummer anzugeben, es scheint sich ja zumindest um die gleiche Tätigkeit zu handeln.

    3.) Zu allem, was strafrechtlich relevant sein könnte, solltest du dich anwaltlich beraten lassen. Über so ein Forum können und dürfen wir als Nicht-Jurist_innen grundsätzlich nur allgemeine Rechtsauskünfte geben. Alles, was genauer geprüft und im Einzelfall betrachtet werden sollte, fällt unter Rechtsberatung, das dürfen nur Jurist_innen.
    Du könntest in einem ersten Schritt auch erstmal nur eine_n örtlich ansässige_n Steuerberater_in kontaktieren und Erfahrungswerte mit dem Finanzamt in HH abklären. Fälle, in denen Selbstständige nicht angemeldet waren, haben die bestimmt auch schon öfter gehabt.

    Du kannst ansonsten auch bei euch an der Uni mal schauen, ob es eine kostenlose Rechtsberatung für Studierende, z.B. über den AStA gibt und dich dort erstberaten lassen.
    Gibt es das nicht, kannst du dich ggf. über Beratungshilfe bei eine_r/m Anwält_in deiner Wahl beraten lassen. Das ist in strafrechtlichen Angelegenheiten allerdings ausgeschlossen. Bei einer Beantragung solltest du also darauf achten, nur steurrechtliche Aspekte zu nennen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​i0H

    Viel Erfolg dir!
    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    S@W: 12.07.2019 11:42:56


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