Deutscher Gewerkschaftsbund

20h Werkstudent +Selbstständigkeit

Guten Tag,

ich wende mich an euch, da ich aktuell 20h im Semester als Werkstudent arbeite, gerne aber noch selbstständig etwas dazu verdienen würde.
Selbstständig würde auf meinem Arbeitsweg ich E-Kickroller einsammeln und aufladen für eine kleine Vergütung.
Nach allem was ich gelesen habe, ist das anscheinend nicht so einfach möglich, da 20h Arbeit nicht überschritten werden dürfen.
Was ich leider nicht herausgefunden habe, sind die Konsequenzen. Also meine Frage: Was wären die Konsequenzen wenn ich mehr als 20h arbeite bei einem 1000 Eur Lohn ledig ohne Kinder, würde ich dann direkt in Steuerklasse 1 rutschen und Unmengen an Abgaben haben?
Eine Stundenanzahl für das Roller einsammeln kann ja nicht wirklich berechnet werden, wird das dann geschätzt? Könnte ich theoretisch meine Arbeitszeit auf 19h pro Woche reduzieren um die letzte Stunde für das Sammeln von Rollern auf dem Heimweg nutzen?

Vielen Dank dass Ihr euch mit meinen Fragen beschäftigt, dass weiß ich sehr zu schätzen!
Ich freue mich sehr auf eine Antwort
Beste Grüße Naji

Naji : 09.07.2019 12:04:52 |
Tags:
  • RE: 20h Werkstudent +Selbstständigkeit

    Hallo Naji,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Du bist als ledige_r Kinderlose_r mit deinem Werkstudijob bereits in Steuerklasse 1. Steuerlich ändert sich hier durch die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit und ggf. die Überschreitung der 20h/Woche-Grenze gar nichts.
    Ggf. musst du auf die Einkünfte aus der selbstständigen Tätigkeit noch Einkommenssteuer zahlen, ob und wenn ja, wie viel errechnet sich aber erst im Folgejahr mit deiner Steuererklärung.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialver-sicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort - und damit verbunden, welche Abgaben in der Sozialversicherung fällig werden.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent_in nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudent_in angemeldet.

    Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichert bist du dann selbst studentisch auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat)
    Arbeitest du insgesamt mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür entfallen aber deine Kosten für die studentsiche KV/PV.

    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent_in. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Die selbstständige Tätigkeit wird getrennt betrachtet (nur die Arbeitszeit wird bei der 20h-Regel mit eingerechnet).
    Beachte: Wenn du selbstständig tätig bist, bist du selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy und der Sozialversicherung https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du während des Studiums weiterhin studentisch krankenversichert bleiben oder - wenn die 20h-Grenze überschritten wird - ausschließlich über deine abhängige Beschädftigung krankenversichert sein. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz
    Beachte auch, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit und deren Umfang ab. Ggf. brauchst du einen Gewerbeschein und musst Mitglied in einer Kammer werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 09.07.2019 16:40:38


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