Deutscher Gewerkschaftsbund

Zweiter Job

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin ein Student der TU und komme aus außerhalb EU. Ich arbeite rund 60 Stunden pro Monat in einem Club (Stundenlohn 9€) und bei einer Zeitarbeitsvermittlung (Stundenlohn 10€). Beide haben Verträge aber der Erste ist langfristig und die zweite (bei Studitemps) sind immer kurzfristig (ein wöchig). Aber im Allgemein arbeite ich weniger als 80 Stunden pro Monat. Ist es in Ordnung? Wie viel Steuer muss ich ungefähr bezahlen, wenn ich z.B. 750€ brutto von beide verdiene( 550 von dem Ersten und 200 von dem Zweiten)

Die andere Frage ist, kann ich in Semesterferien im Sommer vollzeit arbeiten?

Vielen Herzlichen Dank für Ihre Hilfe

Mit freundlichen Grüßen

Ali

Ali M.: 09.07.2019 10:17:44 |
Tags:
  • RE: Zweiter Job

    Hallo Ali,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du Student aus einem Nicht-EU-Land bist und dich mit einem Visum zu Studienzwecken hier aufhältst, kommt es in erster Linie auf die Anzahl deiner Arbeitstage an. Dann darfst du nur bis zu 120 Tage im Jahr (jeder Arbeitstag mit über 4h gilt als ganzer Tag) oder 240 halbe Tage (jeder Arbeitstag mit bis zu 4h/Tag gilt als halber Arbeitstag) arbeiten, ansonsten riskierst du den Verlust deiner Aufenthaltserlaubnis. http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQZ

    Das bedeutet, dass du erstmal gucken musst, wieviele (ggf. halbe) Arbeitstage du bisher schon verbraucht hast. Auch wenn du nicht mehr als 80h/Monat arbeitest, kann das schon fast ausgeschöpft sein.
    Arbeitest du z.B. an 5 Tagen in der Woche jeweils 3h im einen Job und einmal im Monat nochmal an 4 Tagen jeweils 5h im anderen Job, kommst du damit im Monat schon auf 4 ganze und ca. 22 halbe Tage (entspricht 11 ganzen Tagen). Damit wären das pro Monat ca. 15 ganze Tage und du hättest nach 8 Monaten bereits so viel gearbeitet, dass du den Rest des Jahres gar nicht mehr arbeiten darfst.
    Verteilt sich deine Arbeitszeit günstiger, z.B. wenn du anstatt an 5 Tagen je 3h an 2 Tagen je 7,5h arbeitest und anstatt an 4 Tagen je 5h an 2 Tagen je 10h im anderen Job arbeitest, kommst du auf nur ca. 11 ganze Tage im Monat, obwohl du die selbe monatliche Stundenanzahl arbeitest.
    Also rechne dir gut aus, ob du noch Raum hast, um in den Semesterferien Vollzeit arbeiten zu können.

    Sozialversicherungsrechtlich ist das kein Problem, du musst nur entsprechend angemeldet werden. Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung (SV) hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    In deiner bisherigen Kombi müsste der erste Job ein Werkstudent_innenjob sein und der zweite eine kurzfristige Beschäftigung.
    Im Werkstudent_innenjob fallen 9,3% Rentenversicherungsbeitrag an (mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina), die kurzfristige Beschäftigung ist sozialversicherungsfrei. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    Wenn du in den Semesterferien in deinem Werkstudent_innenjob mehr arbeitest (da ist bis hin zu Vollzeit alles ok), ändert sich in der SV nichts.
    Wenn du bei deinem Zweitjob in den Semesterferien mehr arbeitest, muss geschaut werden, ob die Kriterien für eine kurzfristige Beschäftigung weiterhin vorliegen. Das ist der Fall, wenn der Job insgesamt auf nicht mehr als 3 Monate oder 70 Tage im Jahr befristet bleibt. Dasselbe gilt auch, wenn du einen dritten Job als kurzfristige Beschäftigung aufnimmst. Dann wird die Dauer der Arbeitsverhältnisse aus dem zweiten und dritten Job zusammengerechnet und darf insgesamt nicht über 3 Monate oder 70 Tage im Jahr kommen.

    Steuerlich kommt es wiederum nicht auf deine Arbeitszeit, sondern deine Einkommenshöhe an. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Du kannst so bis zu ca. 1050€/Monat brutto verdienen, ohne das Steuern fällig werden. Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Da du aber mehrere Jobs hast, werden diese in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen abgerechnet. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag (plus Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB
    Beachte auch, dass du Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 9,19€/Stunde hast! Ab Januar 2020 steigt der Mindestlohn auf 9,35€/Stunde. 9€/Stunde sind zu wenig!

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y
    Speziell für interantionale Studiernde gibt es außerdem nioch diese Beratung an deiner Uni: https:/​/​asta.tu-berlin.de/​service/​stud-int
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 09.07.2019 13:52:53


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB