Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudenten Job und Minijob

Hallo,

ich weiß, die Frage wurde schon öfter gestellt, jedoch habe ich in keiner der Antworten eine Lösung auf mein Problem gefunden.

Ich habe seit dem 1.06. einen Werkstudentenjob mit 19 Stunden pro Woche, in dem ich mehr als 850 € im Monat verdiene.
Zusätzlich habe ich einen Minijob seit 4 Jahren, in dem ich ca. 210 € pro Monat verdiene, und ca. 6 Stunden in der Woche am Abend arbeite.
Wie sieht es mit meinem Studentenstatus aus?
Ich weiß, dass man nur 20 Stunden die Woche arbeiten darf aber wird das auf ein Jahr angerechnet oder entfällt der Status schon, wenn man eine Woche darüber war?
Könnte ich jetzt in meinem Nebenjob 26 Wochen weiterarbeiten und dann kündigen und meinen Studentenstaus behalten, auch wenn ich mehr arbeite (Da ich abends arbeite)?

Ich bin mir unsicher, da ich dieses Jahr sowieso über den Steuerfreibetrag kommen werde, ob ich auf die Stunden achten muss?
ich zahle momentan aber keine KV oder LS.
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Liebe Grüße,

Lisa

Lisa: 08.07.2019 15:52:20 |
Tags:
  • RE: Werkstudenten Job und Minijob

    Hallo Lisa,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Für deine korrekte Anmeldung sind deine Arbeitgeber_innen zuständig, deshalb musst du auch unbedingt beide über den jeweils anderen Job informieren!

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort (mit Steuern hat das nichts zu tun, dazu weiter unten mehr).
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit. Wieviel du verdienst, spielt hier keine Rolle.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudentin angemeldet.

    Der Werkstudent_innenstatus bleibt in der Regel bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche nur dann erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete(!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.

    Arbeitest du aber ganz regulär und dauerhaft neben dem Studium 25h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin - und das in der Regel ab dem Zeitpunkt, ab dem klar ist, dass du unbefristet (oder auf länger als ein halbes Jahr befristet) über der 20h-Woche liegst. Die 26-Wochen-Regel spielt dann keine Rolle und auch nicht, dass die Arbeitszeit in deinem Minijiob vorrangig abends liegt.

    Da du deinem Minijob auch schon seit 4 Jahren nachgehst, kann dieser nicht (mehr) befristet sein, es liegt also sehr wahrscheinlich eine dauerhafte Überschreitung der 20h-Woche seit dem 01. Juni vor. Ggf. musst du dann auch rückwirkend ab dem 01. Juni voll sv-pflichtig angemeldet werden.

    Das ist aber vielleicht gar nicht so schlimm, wie du im ersten Moment denken magst. Der Unterschied:
    Wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet, werden von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV, 9,3%) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten (studentisch ca. 90€/Monat) und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.

    Arbeitest du regelmäßig insgesamt mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.
    Diese SV-Abgaben werden auch nur auf das Gehalt aus deinem Werkstudijob fällig, der Minijob wird als geringfügige Beschäftigung getrennt betrachtet und weiterhin nach Minijobregeln abgerechnet (dazu hier mehr: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge).
    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I).
    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Beim Thema Steuern kommt es darauf an, wie du besteuert wirst und wie hoch dein Einkommen ist. Hier gibt es keine Sonderregeln für Student_innen, die 20h-Regel / dein SV-Status spielt keine Rolle.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Minijobs werden steuerlich in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Ich gehe davon aus, dass das bei dir der Fall ist, da dir scheinbar keine Lohnsteuer abgezogen wurde. Sollte das allerdings daran liegen, dass du deinen Arbeitgeber_innen den jeweils anderen Job (noch) nicht mitgeteilt hast, kann es auch sein, dass nachträglich noch Lohnsteuereinzug errechnet wird.
    Das wäre dann der Fall, wenn dein Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird. Dann fällst du in einem deiner Jobs in Steuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2R
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 09.07.2019 10:56:39


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB