Deutscher Gewerkschaftsbund

Honorartätigkeit + Studentische Hilfskraftstelle

Hi,

ich habe derzeit zwei Jobs. Einmal eine Honorartätigkeit in einem Nachhilfesinstitut, bei der ich nach den Sommerferien ca. 700€ verdienen werde. Hier arbeite ich ca. 20 Stunden im Monat.
Die andere Tätigkeit ist eine studentische Hilfskraftstelle, bei der ich allerdings befristete Verträge habe und die nur während der Vorlesungszeit, d.h. acht Monate im Jahr,stattfindet. Hier arbeite ich 23 Stunden pro Monat und verdiene nach dem normalen Tarif mit Bachelorabschluss 11,55 (Stand 1. April 2018).

Mein aktueller Vertrag für die zweite Stelle läuft ab vom 1.6. - 30.9. Im Wintersemester wieder vom 1.11. - Ende Februar.

Meine Fragen: Was muss ich beachten? Wie sieht es aus mit Steuern? Sozialversicherungen? Wie muss ich in der Zeit vorgehen, wenn die eine Stelle wegfällt?

liebe Grüße

Marvin: 04.06.2019 09:14:41 |
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  • RE: Honorartätigkeit + Studentische Hilfskraftstelle

    Hallo Marvin,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zu unterscheiden sind erstmal die unterschiedlichen Jobarten: Die Honorartätigkeit ist sehr wahrscheinlich eine selbstständige Tätigkeit, bei der Stelle als studentischer Beschäftigter handelt es sich um einen 450€-Minijob.
    Beide werden in der Sozialversicherung getrennt betrachtet und beeinflussen sich gegenseitig nicht. Solange du neben deinem Studium ausschließlich diesen beiden Jobarten nachgehst, musst du nichts weiter beachten, wenn der Minijob wegfällt.
    Nun zu den einzelnen Job und ihre Auswirkungen in der Sozialversicherung.

    Honorartätigkeit:
    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann ggf. selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Krankenversicherung (KV): Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums weiterhin studentisch krankenversichern. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Rentenversicherung (RV): Wenn du als Nachhilfelehrer selbstständig tätig bist, handelt es sich um eine freiberufliche Lehrtätigkeit. Dafür brauchst du kein Gewerbe. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy
    Allerdings sind freiberufliche Lehrtätigkeiten rentenversicherungspflichtig (mit 18,6%). Da du als Selbstständiger ggf. den vollen Satz alleine Zahlen musst, solltest du das bei Honorarverhandlungen einkalkulieren und dir ggf. ein höheres Honorar oder einen Zuschuss zur RV raushandeln. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw

    Beachte außerdem, dass für Selbstständige die üblichen gesetzlichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Pa-ierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das 2,5-fache dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Minijob:
    Im Minijob fallen 3,6% Rentenversicherungsbeiträge (RV) an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Steuern:
    Beim Thema Steuern kommt es auf dein Gesamteinkommen an, denn Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit und Minijobeinkommen sind wie fast alle Einkünfte grundsätzlich steuerpflichtig. Hier gibt es auch keine Sonderregeln für Studierende. Es fallen aber nicht schon ab dem ersten Cent Steuern an.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aber auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Minijobs werden zudem in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Wenn das bei dir zutrifft, musst du das Einkommen aus dem Minijob nicht bei deiner Steuererklärung mit angeben.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, zählt das Einkommen auch in den Steuerfreibetrag mit hinein und muss bei der Steuererklärung angegeben werden.
    https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X29
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 04.06.2019 13:19:21


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