Deutscher Gewerkschaftsbund

Bezahltes Pflichtpraktikum während dem Studium und Minijob

Hallo ich habe eine Frage,
Ich mache momentan ein Pflichtpraktikum über 12 wochen, was ich vom studium aus machen muss. 4 wochen habe ich bereits absolviert und dafür kein geld bekommen, aber mein arbeitgeber hat sich jetzt entschieden, die restlichen 8 wochen zu bezahlen (da ich gute arbeit leiste). 800 euro will er mir zahlen, also denke ich mal 400 pro monat. er meinte, da ich student bin muss ich dafür keine steuern zahlen. dazu bekomme ich rückwirkend für die ersten 4 wochen noch 150 euro spritgeld erstattet. soweit so gut.

Jetzt möchte ich aber ab sofort noch einen minijob machen, in dem ich ca 300 euro monatlich verdienen würde. Da das als minijob zählt, müsste ich da ja auch keine steuern zahlen.

Jetzt frage ich mich aber, wie das ist, wenn ich jetzt 2 monate lang minijob und praktikum parallel habe und von beidem geld bekomme. muss ich dann steuern zahlen, oder sonstiges geld davon abgeben, oder darf ich alles selbst behalten, obwohl beides zusammen ja über 450 euro wären?

Ich bin über meinen vater familienversichert.

Ich gebe ehrlich zu, dass ich von steuern, versicherungen und ähnlichem wenig ahnung habe, da ich als student noch nie ein arbeitsverhältnis hatte. Bitte klärt mich auf.

Nico: 03.06.2019 22:18:09 |
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  • RE: Bezahltes Pflichtpraktikum während dem Studium und Minijob

    Hallo Nico,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Welche Auswirkungen welche Job-/Einkommenskombi in den unterschiedlichen Bereichen BAföG, Steuern und Sozialversicherung (SV) hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Ich versuch das mal alles aufzudröseln:

    Falls du BAföG bekommen solltest, kannst du für den Minijob vom Einkommensfreibetrag im BAföG profitieren und hast bei 300€/Monat keine Abzüge.
    Vergütungen für Pflichtpraktika gelten als Ausbildungsvergütung un werden ohne Freibetrag angerechnet. Du kannst deine Praktikumsvergütung aber um (ggf. anteilige) Werbungskosten- und Sozialpauschale bereinigen. Schau mal hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhj

    In der Sozialversicherung werden das Pflichtpraktikum als Teil deines Studiums und der Minijob als geringfügiger Nebenjob getrennt betrachtet.
    Vergütungen aus Pflichtpraktika sind grundsätzlich sozialversicherungsfrei (aber steuerpflichtig, dazu weiter unten mehr). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XSG
    Im Minijob fallen 3,6% Rentenversicherungsbeiträge (RV) an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Beachte außerdem die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung in Höhe von 445€/Monat (das entspricht ca. 528€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (ca. 90€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz
    Ob da die Praktikumsvergütung mit reinzählt, kann ich nicht sicher sagen. Unvorhergesehen kannst du die Einkommensgrenze auch mal überschreiten, ohne dass die Familienversicherung entfällt, ob die Pflichtpraktikumsvergütung in deinem Fall als "unvorhergesehen" eingeschätzt werden kann, musst du direkt bei deiner Krankenkasse erfragen.
    Aber keine Sorge, selbst wenn für 1 oder 2 Monate die Familienversicherung entfallen sollte: Sobald dein Einkommen wieder innerhalb der Einkommensgrenze liegt, kannst du problemlos wieder zurückwechseln.

    Steuern:
    Vergütungen aus Pflichtpraktika und Minijobeinkommen sind wie fast alle Einkünfte grundsätzlich steuerpflichtig. Hier gibt es auch keine Sonderregeln für Studierende. Es fallen aber nicht schon ab dem ersten Cent Steuern an.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Wenn das bei dir zutrifft, hast du auch im Praktikum keine Steuereinzüge.

    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort oder im Praktikum in Steuerklasse 6.
    Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM

    Welche Rechte du im Praktikum hast, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​dgb_jugend/​dein-praktikum/​recht-im-praktikum
    Minijobs gelten arbeitsrechtlich als Teilzeitbeschäftigungen. Das bedeutet, dass du Anspruch auf alle üblichen Arbeitnehmer_innenrechte auch im Minijob hast. Was da alles dzu gehört, findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​rechte-im-job

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork!

    S@W: 04.06.2019 11:49:26


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