Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudentenjob mit mehreren Jobs

Hallo :)
Ich habe momentan zwei Jobs. Einer davon ist ein Werkstudentenjob und der andere ist auf 450€ Basis.
Ich habe gelesen, dass das kein Problem ist, solange ich in beiden Jobs wöchentlich insgesamt nicht mehr als 20h/Woche (Vorlesungszeit) bzw. 40h/Woche (Semesterferien) arbeite.
Stimmt das so und schaut da Finanzamt tatsächlich auf die genauen Wochenstunden oder nur darauf, dass das gesamte Monatspensum stimmt? (Manchmal arbeite ich in einer Woche mehr als in der anderen, was sich also ausgleicht.)

Eine weitere Frage wäre, ob es nun problematisch ist, wenn ich noch einer weiteren Tätigkeit nachgehe bei der ich 70 Tage im Jahr gemeldet bin.
Also zusätzlich zu meiner Werkstudententätigkeit und meinem 450€-Job.

Danke im Voraus für die Antwort :)

Leah: 03.06.2019 15:08:17 |
Tags:
  • RE: Werkstudentenjob mit mehreren Jobs

    Hallo Leah,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Beurteilung deines Status dort:
    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin insgesamt nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Das Finanzamt interessiert sich gar nicht für deine Arbeitszeit oder ob du noch studierst. Für die zählt, was du verdienst.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aber nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Hast du bei mehreren Beschäftigungen über deine Steuer-ID in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen ggf. hohe Abzüge, kannst du sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB

    Die 20h-Regel und der Werkstudent_innenstatus sind nur für die Sozialversicherung relevant! Für deine korrekte Anmeldung dort (und damit ggf. auch die Erstbeurteilung) sind deine Arbeitgeber_innen zuständig. Damit die dich korrekt anmelden können, bist du wiederum verpflichtet, diesen alles für deine Anmeldung relevante mitzuteilen. Dazu gehören insbesondere andere Jobs (inkl. Verdiensthöhe und Arbeitszeiten dort). Anhand dessen wird dann beurteilt, in welchem Job du wie angemeldet werden musst und welcher SV-Status zutrifft.

    Ausnahmen von dieser 20h-Regel sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Außerhalb der vorlesungsfreien Zeit bleibt der Werkstudent_innenstatus bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche nur dann erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete(!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.
    Das heißt, dass es auf die Lage deiner Arbeitszeit ankommt, ob die Aufnahme einer kurzfristigen Beschäftigung ( = 70-Tage-Regelung) Auswirkungen auf deinen Status als Werkstudentin hat.

    Kommst du mit der Kombi aus kurzfristiger Beschäftigung, 450€-Minijob und Werkstudijob insgesamt auf eine regelmäßige Arbeitszeit von insgesamt über 20h/Woche, ohne das eine der Ausnahmeregelungen greift, wirst du im Werkstudijob voll sv-pflichtig.
    Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nicht nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, sondern auch in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Das sind dann anstatt 9,3% RV insgesamt knapp 20% SV-Abgaben für RV, KV, PV und AV. Und du musst dich nicht mehr selbst auf eigene Kosten krankenversichern (studentisch immerhin ca. 90€/Monat).
    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Bleibst du innerhalb der 20h/Woche bzw. greifen die Ausnahmeregelungen, fallen 9,3% RV auf dein Gehalt aus dem Werkstudijob an. Krankenversichern musst du dich dann weiterhin selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.

    Diese gehaltsabhängigen SV-Abgaben und die 20h-Regel betrifft auch nur den Werkstudijob, für geringfügige Beschäftigungen (450€-Minijobs und kurzfristige Beschäftigungen) gelten eigene Regelungen, die unabhängig vom Studierendenstatus sind:
    Im Minijob fallen 3,6% RV an, wovon du dich befreien lassen kannst (dann aber auch keine Rentenansprüche daraus erwirbst), ansonsten sind Minijobs sozialversicherungsfrei. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Kurzfristige Beschäftigungen sind grundsätzlich sozialversicherungsfrei. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X20
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork!

    S@W: 03.06.2019 16:11:36


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