Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudent und freier Mitarbeiter

Hallo,
ich arbeite für eine österreichische Firma als freier Mitarbeiter in der Gästebetreuung, dort wird nach Auftrag abgerechnet (20 Euro pro Auftrag), jedoch bleibe ich immer unter 420 Euro im Monat und arbeite auch pro Jahr nur 6 Monate dort.
Zusätzlich möchte ich bei einer deutschen Firma als Werkstudent anfangen, dort würde ich 12 Euro die Stunde erhalten, bei 15-20h pro Woche.
Ich habe schon berechnet, dass ich pro Jahr unter der Steuerfreibetrags liegen würde, dort gäbe es also kein Problem.
Allerdings habe ich gelesen, dass meine Gesamtarbeitsstunden pro Woche beider Jobs die 20h Grenze nicht überschreiten dürfen. Wie oben schon erwähnt werde ich jedoch bei erster Arbeit nach Aufträgen und nicht nach Stunden bezahlt.
Wie genau wird so ein Fall gehandhabt?

Vielen Dank für Ihre Hilfe!
Elena

Elena: 08.05.2019 14:03:19 |
Tags:
  • RE: Werkstudent und freier Mitarbeiter

    Hallo Elena,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du auf Auftragsbasis arbeitest, bist du selbstständig tätig. Das bedeutet, dass du dich neben der Anmeldung beim Finanz- und ggf. Gewerbeamt ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy ) auch selbst um deine Meldung bei der Sozialversicherung ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw) kümmern musst.
    Du musst deine selbstständieg Tätigkeit also auch der Krankenkasse melden. Dein tatsächliches Arbeitszeitvolumen schätzt du dann selbst ein. Dazu gehört neben der reinen Arbeitszeit auch die Zeit, Aufträge abzusprechen, dich um deinen Papierkram (wie Rechnungen stellen) zu kümmern und ggf. Vor- und Nachbereitung deiner Aufträge. Deine Angaben sollten realistisch und nachvollziehbar sein.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Wenn du jetzt zusätzlich eine abhängige Beschäftigung als Werkstudentin aufnimmst, musst du deine_r/m Arbeitgeber_in dort deine selbstständige Tätigkeit melden und angeben, wie viel du da ungefähr arbeitest.
    Auf der Basis wird dann eingeschätzt, ob du noch als Werkstudentin oder als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet wirst.

    Liegt deine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit insgesamt bei nicht mehr als 20h/Woche (plus Ausnahmen), wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat)
    Arbeitest du insgesamt regelmäßig mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I).
    Ausnahmen von der 20h-Regel sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich.
    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Falls du bisher noch familienversichert bist, beachte, dass diese entfällt! Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 445€/Monat. Da du mit Job + Selbstständigkeit mehr verdienst, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (ca. 90€/Monat), wenn du in den Werkstudent_innenstatus fällst. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Was den Steuerfreibetrag angeht, ist es übrigens nicht schlimm, den zu überschreiten. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Alle steuerrelevanten Einkünfte werden zusammengezählt. Wenn du mehr verdienst, dann wird zwar Einkommenssteuer fällig – aber nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Der Eingangssteuersatz beträgt 14%. Das bedeutet: Kommst du im Jahr nach Abzug aller abzugsfähigen Ausgaben und Pauschalen z.B. um 200€ über den Steuerfreibetrag, fallen darauf 28€ an.
    Je mehr du verdienst, desto höher steigt der Steuersatz.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork!

    S@W: 09.05.2019 15:36:14


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