Deutscher Gewerkschaftsbund

Kurzfristige Beschäftigung (teilweise >20Std./Woche) & 450€-Job als Studentin

Guten Abend euch,

ich bin seit einigen Tagen am Grübeln über folgendes Problem:

Ich bin als Studentin an der FernUni Hagen eingeschrieben & habe keine "klassischen" Vorlesungen, sondern Mentoriate (finden meistens abends statt & ich habe keine Anwesenheitspflicht). Ich habe auch keine Semesterferien.

Nebenbei bin ich auf Messen als Hostess tätig & bin am überlegen mich noch auf einen 450€-Job einzulassen.

Ich habe vor im April auf eine Messe zu fahren & habe ausgerechnet, dass ich innerhalb von 10 Tagen um die 70-90 Std. arbeiten werde.
Das schneidet sich aber mit der 20-Stunden-pro-Woche-Regelung.

- Kann ich dadurch, dass ich mehr als 20-Std. arbeite (kurzfristige Beschäftigung -> Hostess), meinen Studentenstatus verlieren?
- Welche Abgaben würden auf mich zukommen?
- Gilt 20Std./Woche oder 80Std./Monat?
- Könnte ich mit der Steuererklärung eventuell irgendwelche Abgaben zurückholen?

Ich hoffe ihr könnt mir da ein wenig weiter helfen :)

LG

Laura

Laura S. : 23.03.2019 21:23:54 |
Tags:
  • RE: Kurzfristige Beschäftigung (teilweise >20Std./Woche) & 450€-Job als Studentin

    Hallo Laura,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Bestimmung deines Status dort: Arbeitest du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche, wirst du bei regulären Beschäftigungen (>450€/Monat, nicht kurzfristig) als Werkstudentin angemeldet. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination, Umfang und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du also nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Für geringfüge Beschäftigungen (450€-Minijobs und kurzfristige Beschäftigungen) gelten besondere Regelungen. Diese sind unabhängig vom Studierendenstatus, die 20h-Regel spielt also gar keine Rolle und gelten für alle gleich.

    450€-Minijobs sind bis auf 3,6% Rentenversicherung (RV) sozialversicherungsfrei. Von der RV kannst du dich im Minijob auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Kurzfristige Beschäftigungen sind komplett sozialversicherungsfrei. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    Beachte aber die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung. Sie beträgt 445€/Monat (das entspricht ca. 528€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (ca. 90€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz
    Einkommen, dass du mit kurzfristiger Beschäftigung erzielst, gilt hier nicht als regelmäßige Einkommen und zählt deshalb bei der Familienversicherung nicht mit hinein.

    Vom Bereich Sozialversicherung zu unterscheiden ist der Bereich Steuern:
    Beide Jobs sind nämlich steuerpflichtig. Hier gibt es ebenfalls keine Sonderregelungen für Studierende - das Steuerrecht gilt für alle gleich - aber für geringfügige Beschäftigungen.
    Aber erstmal allgemein:
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Hast du bei mehreren Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen ggf. hohe Abzüge, kannst du sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM

    Nun zu den Besonderheiten:
    Kurzfristige Beschäftigungen können mit 25% pauschal versteuert werden (das lohnt sich allerdings nur, wenn der eigene Steuerstaz höher wäre, man also ingesamt schon recht viel verdient) und 450€-Minijobs werden in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du in einem davon in Steuerklasse 6. Läuft die kurzfristige Beschäftigung über deine LSK 1, müsste der Minijob also entweder mit 2% pauschal oder in LSK 6 versteuert werden.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt verdienst und was du eventuell noch an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 11.04.2019 14:57:31


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