Deutscher Gewerkschaftsbund

Nebenjob und Honorarbasis

Hallo,

Ich beginne jetzt mit meinen Studium, damit ich einen Nebenjob für Strudenten mit 900Euro im Monat steuerfrei beginnen kann. Die Anzahl der Stunden pro Monat kann ich flexibel auswählen. Jetzt ist meine Frage ob ich nebenbei auch noch auf Honorarbasis in einem Nachhilfevermittler tätigwerden kann, oder wie das ganze denn dann steuerlich aussieht. Muss ich dann insgesammt unter 450 bleiben oder wie sieht das ganze aus?

Lisa: 14.03.2019 15:00:14 |
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  • RE: Nebenjob und Honorarbasis

    Hallo Lisa,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Für Studierende gibt es keine Sonderregeln im Bereich Steuern. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) und gilt für alle gleichermaßen. Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aber auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    So können alle Arbeitnehmer_innen in Deutschland um die 1000€/Monat brutto steuerfrei verdienen. Dafür musst du nicht eingeschreiben sein.

    Besonderheiten für Studierende gibt es allerdings in der Sozialversicherung. Dabei wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) herangezogen, um deinen Status zu beurteilen und damit auch, welche SV-Abgaben auf dein Gehalt fällig werden. Die Höhe deines Gehalts spielt hier keine Rolle (du könntest also auch 2000€/Monat verdienen, ausschlaggebend wäre trotzdem deine wöchentliche Arbeitszeit).
    Das funktioniert so:
    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin insgesamt (mit allen Jobs, auch selbstständige Tätigkeiten) nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat) https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Arbeitest du insgesamt mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.
    Je nach Gehaltshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit werden in der SV getrennt betrachtet, hier sind ander Parameter ausschlaggebend. Im Bereich Steuern ist bei selbstständiger Tätigkeit dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Das dürfte auf den Job als Nachhilfelehrerin auf Honorarbasis zutreffen.
    Hier gibt es ein paar Besonderheiten zu beachten: Wenn du selbstständig tätig bist, bist du nämlich quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy und der Sozialversicherung https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums weiterhin studentisch krankenversichern (da ist die Pflegeversicherung automatisch mit drin). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Beachte aber, dass für dich als Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Lehrende freiberufliche Tätigkeiten sind zudem rentenversicherungspflichtig. Nur wenn du weniger als 450€/Monat mit der Nachhilfe verdienst (sogenante Geringfügige Selbstständigkeit) musst du keine RV-Beiträge darauf bezahlen. Wenn welche fällig werden, sind das aktuell 18,6% RV.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Für die selbstständige Tätigkeit spielt die 20h-Regel keine Rolle, allerdings wird die Arbeitszeit aus der selbstständigen Tätigkeit in die 20h-Regel hineingerechnet, so dass in deinem angestellten Nebenjob der werkstudent_innenstatus entfällt und du voll sv-pflichtig wirst, wenn du mit beiden Jobs zusammen regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn ich deine Anfrage richtig verstehe, hast du dich nur immatrikuliert, um "günstiger" arbeiten zu können? Wenn das tatsächlich der einzige Grund sein sollte, überleg nochmal, ob sich das tatsächlich für dich lohnt. Wenn du insgesamt auf über 20h/Woche Arbeitszeit kommst, bringt dir der Werkstudierendenstatus in der SV gar nichts und für den Bereich Steuern ist das eh nicht relevant. Solange dein Gehalt bei 900€/Monat liegt, ist der Werkstudistatus in der SV sogar finanziell nachteilig für dich, weil die volle SV-Pflicht dann günstiger ist als die studentische Krankenversicherung.
    Außerdem "verballerst" du so Fachsemester, was sich negativ auf einen eventuellen BAföG-Anspruch auswirkt. Hier könntest du dir einen späteren BAföG-Anspruch für ein echtes Studium verbauen.

    Sollte ich dich missverstanden haben und du tatsächlich mit dem Studieren anfangen wollen, passt das selbstverständlich alles.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 14.03.2019 15:35:32


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