Deutscher Gewerkschaftsbund

Entgeltfortzahlung bei Werkstudenten

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin in einem Unternehmen seit März 2018 als Werkstudent eingestellt. In meinem Arbeitsvertrag sind der Donnerstag und der Freitag als feste Arbeitstage festgelegt und die Arbeit für mehr als 20 Stunden in den Semesterferien als möglich, jedoch nicht als Standard, festgehalten.

Nun hat sich Folgendes ergeben: ich hatte Semesterferien von September bis Mitte Oktober, wo ich kommuniziert hatte, dass ich gerne Vollzeit arbeiten würde. Nach meiner Rückreise aus dem Urlaub zum 08.09.2018 war ich beim Arzt und dieser meinte, ich müsste eine Operation nahe des Steißbeins machen lassen, welche nicht länger warten sollte. Aus diesem Grund hatte ich die Operation gemacht und mich bei der Arbeit krank gemeldet. Nun war ich aufgrund der Operation vom 12.09.2018 bis zum 05.10.2018 arbeitsunfähig (insgesamt 18 Arbeitstage, wovon 8 Donnerstage oder Freitage waren.). Meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen habe ich immer fristgerecht eingereicht und auch meinen Stundenzettel mit den Krankheitstagen abgegeben, sobald ich zurück im Unternehmen war. Nun stellt sich aber meine Chefin quer und besteht darauf, dass sie es nicht freigeben muss und mir keine Entgeltfortzahlung zusteht, da ich auf Stundenbasis und nur für Arbeitsleistung bezahlt werde. Meine konkreten Fragen sind nun Folgende:

1. Steht mir als Werkstudent in einem Unternehmen Entgeltfortzahlung zu?
2. Wenn ja, in welcher Höhe? Nimmt man einen Durchschnitt der bisher in den Semesterferien pro Woche geleisteten Stunden oder kann man nur die festgelegten Arbeitstage (bei mir die Donnerstage und Freitage) berechnen? Ich arbeite grundsätzlich immer 8 Stunden pro Tag und 16 Stunden die Woche während der Vorlesungszeit. Ich hatte in meinen Semesterferien im März 2018, also als ich im Unternehmen gestartet hatte, nahezu jede Woche Vollzeit gearbeitet.
3. Wenn mir Entgeltfortzahlung zusteht, was wären die nächsten Schritte, die ich einleiten sollte? Bisher hatte ich ein Telefonat mit meiner Chefin vor ca. 4 Monaten, wo sie meinte, dass sie die Angelegenheit von ihren Anwälten und der HR-Abteilung prüfen lassen würde. Darauf meinte ich, ich würde mich auch diesbezüglich erkundigen. Nun habe ich mich zwei Mal schriftlich per Mail bei ihr gemeldet und ihr meine Rechercheergebnisse zugeschickt (Auszüge aus mehreren Foren und Ausschnitt aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz). Ich habe immer noch keine Rückmeldung erhalten.

Vielen Dank bereits im Voraus.

dg: 14.03.2019 10:38:21 |
Tags:
  • RE: Entgeltfortzahlung bei Werkstudenten

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    1. Alle abhängig Beschäftigten haben Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit (und an Feiertagen und auf bezahlten Urlaub)! Das gilt selbstverständlich auch für Werkstudent_innen! Ebenso für Minijobber_innen, Teilzeitbeschäftigte, auf Stundenbasis Arbeitende etc... (also selbst dann, müsste dir Entgeltfortzahlung gewährt werden).
    Wenn dir das vorenthalten wird, ist das eindeutig ein Verstoß gegen die gesetzlichen bestimmungen aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz.
    https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQy

    2. Zu zahlen ist dir das Gehalt, dass du erzielt hättest, wenn du nicht krank gewesen wärst. Also in deinem Fall das Gehalt für die 16h/Woche.
    Darüberhinaus kommt es darauf an, ob Mehrarbeit für den Zeitraum bereits vereinbart war oder nicht. Allein die Signalisierung deiner Bereitschaft, mehr zu arbeiten, reicht dafür nicht aus und auch nicht, dass du in den letzten Semesterferien schonmal mehr gearbeitet hast.

    3. Hier würde ich dir dringend eine Rechtsberatung ans Herz legen. Zuerst müsste geprüft werden, ob der Anspruch eventuell schon verfallen ist (es gibt für soetwas oft Ausschlussklauseln in Arbeitsverträgen, die Fristen setzen, bis wann ausstehender Lohn - und das ist es ja quasi - noch geltend gemacht werden kann). Kannst du das Telefonat mit deiner Chefin denn im Zweifel nachweisen? Dies könnte nämlich eine eventuelle Ausschlussfrist aufheben.
    Als nächstes solltest du schnellstmöglich deine Chefin in Verzug setzen (das hemmt sicher eventuelle Ausschlussfristen). Das bedeutet, dass du schriftlich die Auszahlung des ausstehenden Lohns einforderst. Bei einer antwaltlichen Rechtsberatung könnte auch geguckt werden, ob dir eventuell doch mehr als die 16h/Woche zustehen könnten.
    Wenn darauf nicht reagiert wird, kannst du den ausstehenden Lohn einklagen.

    Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Eintritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft. Der gewerkschaftliche Rechtsschutz (Vertretung deiner Anliegen vor Gericht) greift allerdings nur, wenn du schon vorher Mitglied warst (das dürfte für diesen Fall also zu spät sein, frag aber trotzdem mal nach, falls du dich für einen Eintritt entscheidest). http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inX

    Auch kannst du bei euch an der Uni/FH mal schauen, ob es eine kostenlose (Arbeits-)Rechtsberatung für Studierende oder bei der Stadt entsprechende Angebote gibt und dich dort erstberaten lassen.

    Gibt es das nicht und möchtest du auch kein Gewerkschaftsmitglied werden, kannst du dich ggf. über Beratungshilfe bei eine_r/m Anwält_in deiner Wahl beraten lassen und, wenn nötig, Prozesskostenhilfe beantragen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​i0H

    Hier findest du auch noch eine Übersicht über weitere Rechte: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​rechte-im-job

    Viel Erfolg!

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 14.03.2019 11:59:34


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