Deutscher Gewerkschaftsbund

Mindestlohnanspruch bei 2 freiwilligen Praktika

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich habe einen abgeschlossenen Bachelor und befinde mich momentan in meinem Master.

Nun habe ich mich für ein sechsmonatiges freiwilliges Praktikum bei einer Firma beworben. Diese sagten mir sie seien nicht bereit den Mindestlohn zu zahlen, allerdings gäbe es einen Trick wie ich trotzdem das Praktikum über 6 Monate durchführen könne.

Die ersten drei Monate wäre ich bei einem Unternehmen in Köln angestellt und würde auch dort ganz normal mein freiwilliges Praktikum durchführen. Anschließend würde ich 3 weitere Monate bei einer ihrer Kooperationspartner in Frankfurt ein freiwilliges 3 monatiges Praktikum absolvieren, allerdings nur formal. Denn ich würde weitere 3 Monate in dem Betrieb in Köln sein und genau die gleichen Tätigkeiten (mit den gleichen Kollegen usw.) machen. Den Betrieb in Frankfurt würde ich nie sehen.

Sprich offiziell würde ich zwei dreimonatige Praktika machen, inoffiziell würde ich aber 6 Monate im gleichen Betrieb, mit den Tätigkeiten, mit der gleichen Emailadresse des Unternehmens usw. agieren.

Nun ist meine Frage? Wie hoch ist meine Chance im Nachhinein (nachdem Arbeitszeugnisse usw. ausgestellt wurden) eine Klage wegen fehlendem Mindestlohn einzureichen? Oder ist das rechtens was dieses Unternehmen macht?
Das Problem ist, dass in der gesamten Branche aus Prinzip keine sechsmonatigen Praktika vergeben werden. Sprich es ist die Kultur Praktikanten kein Mindestlohn zu zahlen.

Wo kann ich mir Rechtsberatung holen?
Eine andere Beratungsstelle, die auf Mindestlohn spezialisiert war, sagte mir: Formal seien das eben zwei Praktika und die können es im Nachhinein ja so drehen, dass ich eben vom zweiten Arbeitgeber überlassen wurde etc. und dementsprechend ein Rechtsstreit sehr langwierig und schwierig sei.

Liebe Grüße
Svea

Svea: 11.03.2019 22:19:38 |
Tags:
  • RE: Mindestlohnanspruch bei 2 freiwilligen Praktika

    Hallo Svea,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    So wie du das beschreibst, ist es ganz und gar nicht rechtens, was das Unternehmen machen will. Das ist eine gezielte Umgehung des Mindestlohns und damit rechtwidrig! Die Frage wird nur sein, was davon du bei einem Gerichtsverfahren plausibel darlegen und bestenfalls beweisen kannst.
    Ob der "Trick" des Unternehmes mit dem Überlassungsargument aufgehen könnte, kann ich nicht einschätzen.
    Dazu und zu den Erfolgsaussichten einer Klage auf Basis deiner Nachweise (also auch, welche du günstigstenfalls sammeln müsstest) solltest du dich unbedingt anwaltlich beraten lassen!

    Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:
    1. In eine Gewerkschaft eintreten. Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Eintritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft. Der gewerkschaftliche Rechtsschutz (Vertretung deiner Anliegen vor Gericht) greift allerdings nur, wenn du schon vor Aufkommen eines Rechtsstreits lange genug Mitglied warst (das sind in der Regel drei Monate). http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inX
    Da du das Praktikum ja noch gar nicht angefangen hast, und man sagen könnte, dass erst nach Ablauf der ersten drei Monate das "Problem" anfängt, könnte das also bereits in den Rechtsschutz hineinfallen - erkundige dich dazu aber sicherheitshalber bei der zuständigen Gewerkschaft, das können wir so nicht sicher einschätzen.

    2. Du kannst bei euch an der Uni/FH mal schauen, ob es eine kostenlose (Arbeits-)Rechtsberatung für Studierende, z.B. über den AStA gibt und dich dort erstberaten lassen. Vielleicht hat auch die Sozialberatung des Studierendenwerks noch Tipps für kostenlose Rechtsberatungen.

    3. Gibt es das nicht und möchtest du auch kein Gewerkschaftsmitglied werden, kannst du dich ggf. über Beratungshilfe bei eine_r/m Anwält_in deiner Wahl beraten lassen und, wenn nötig, Prozesskostenhilfe beantragen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​i0H

    Ein weiterer möglicher Ansprechpartner wäre zudem der Zoll (unabhängig von einer Klage deinerseits). Die vorsätzliche Umgehuing des Mindestlohns fällt unter die Definition von Schwarzarbeit und kann bei entsprechenden Hinweisen vom Zoll geahndet werden. Du könntest das also auch schon während des Praktikums übers zuständige Hauptzollamt der Finanzkontrolle Schwarzarbeit melden. Wenn die mit dir so einen Mist machen wollen, liegt der Verdacht ja nahe, dass die das auch mit anderen machen...
    Auch hier ist es aber sinnvoll, dich vorher anwaltlich beraten zu lassen, damit du abschätzen kannst, was du von Beginn an wie dokumentieren solltest, damit der Zoll dann auch "fündig" wird.

    Viel Erfolg!

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 12.03.2019 14:22:57


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