Deutscher Gewerkschaftsbund

Minjob+Werkstudent+kurzfristige Beschäftigung

Hallo zusammen,

Ich habe folgende Frage:

Zählt der Minijob mit zu den Max. 20 Stunden Wochenarbeitszeit, oder muss ich da nur die Arbeitszeiten vom Werkstudent und der kurzfristigen Beschäftigung reinrechnen?

Ich plane nebenbei noch ein Kleingewerbe (also nebenberufliche Selbstständigkeit für mehrere kleinere Firmen, also keine Scheinselbständigkeit). Diese müsste ich ja dann auch reinrechnen in die 20h. Hier die Frage, ob ich den organisatorischen Aufwand auch da reinrechnen müsste (also nicht die direkte Arbeitszeit für Kunden, sondern Zeit für Belege sortieren, Rechnungen schreiben, etc.).

Nun ist die letzte Frage, ob ich das stundentechnisch verteilen darf, also mal eine Woche 20h Werkstudent und in der anderen Woche 20h kurzfristige Beschäftigung, in der dritten dann zum Beispiel 20h Selbständige Tätigkeiten.

Von der Lohnsteuerklasse wäre ich dann ja leider Klasse 6, gibt’s da noch Möglichkeiten/Tipps Ihrerseits?

Vorab herzlichen Dank für Ihre Antworten!

Markus: 21.02.2019 08:35:53 |
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  • RE: Minjob+Werkstudent+kurzfristige Beschäftigung

    Hallo Markus,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    In die 20h-Wochenarbeitszeit zählt die Arbeitszeit aus allen Jobs hinein - es wird also die Arbeitszeit aus regulären Beschäftigungen, Minijobs, selbstständigen Tätigkeiten und kurzfristiger Beschäftigung zusammengerechnet.
    Bei selbstständiger Tätigkeit zählt auch die Verwaltungs-, Vor- und Nachbereitungszeit mit hinein.
    Der Werkstudent_innenstatus bleibt aber in der Regel auch bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein. Je nach Lage der Arbeitszeit könnte also eventuell die kurzfristige Beschäftigung rausfallen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Relevant ist deine tatsächliche Arbeitszeit und wann du diese auch tatsächlich erbringst. Das hat wenig mit rumrechnen zu tun. Wenn du allerdings tatsächlich in jeder Woche woanders 20h arbeitest, ist das möglich, wenn das deine Arbeitgeber_innen mitmachen. Beachte dann aber, dass ein Werkstudijob bei so geringer Stundenzahl (wären dann ja nur 20h/Monat bei der Anzahl an Jobs) so schnell zum Minijob wird. Verdienst du dort nämlich weniger als 450€/Monat, greifen die Regelungen für Minijobs. Wenn du dann mit deinen beiden Minijobs zusammen insgesamt auf über 450€/Monat kommst, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge) und du wirst in beiden als Werkstudent bzw. ggf. voll sv-pflichtig angemeldet.

    Außer bei der selbstständigen Tätigkeit, sind in allen deinen Jobs deine Arbeitgeber_innen für deine korrekte Anmeldung zuständig. Du wiederum bist verpflichtet, diesen immer alles für deine Anmeldung relevante mitzuteilen. Dazu gehören die Abgabe deiner Immabescheinigung sowie jeweils alle anderen Jobs, ggf. inklusive Arbeitszeit, deren Lage und Verdiensthöhe. Die beurteilen dann, wie du wo angemeldet wirst. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Bei der selbstständigen Tätigkeit ist es relevant, ob du in der SV als haupt- oder nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst. Das hat nicht zwingend was damit zu tun, ob es sich um ein Klein- oder ein "normales" Gewerbe handelt.
    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums bei Vorliegen der Voraussetzungen studentisch krankenversichern oder - bei voller SV-Pflicht - über deine(n) andere(n) Job(s) versichert sein. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Beachte auch, dass für dich als Selbstständigen die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht oder musst Mitglied einer Kammer werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Beim Thema Steuern kommt es auf unterschiedliche Faktoren an, ob du tatsächlich irgendwo in Steuerklasse 6 rutscht.
    Wenn du nur einen sozialversicherungspflichtigen Job (über 450€/Monat, nicht kurzfristig, ggf. im Werkstudistatus) hast und dazu nur einen 450€/Minijob und kurzfristige Beschäftigung(en), die nicht über die Zeitgrenze kommen, ist es auch möglich, dass keiner der Jobs in Steuerklasse 6 fällt.
    Minijobs und kurzfristige Beschäftigungen kann man nämlcih auch pauschal versteuern. Beim Minijob werden nur 2% fällig, bei kurzfristiger Beschäftigung allerdings 25% - das lohnt sich dort also nur, wenn dein Einkommen insgesamt so hoch ist, dass du auch so schon auf eine Steuersatz von mindestens 25% kommen würdest.

    Nur wenn mehrere Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, müssen alle bis auf einen über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über die Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Dort wird deine eventuelle Einkommenssteuerschuld sowieso erst mit der Steuererklärung berechnet, hier spielen die unterschiedlichen Lohnsteuerklassen also keine Rolle.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe entweder hier https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2F oder hier https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2Y beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 21.02.2019 15:59:53


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