Deutscher Gewerkschaftsbund

Problem zwei Hiwi Verträge

Hallo,
Seit September 2018 habe ich bei einem Prof einen Vertrag als wissenschaftliche Hilfskraft mit 12h im Monat.
Seit November 2018 einen weiteren an der Uni mit 80h im Monat. Beide laufen über die Uni und die gleiche Bezügestelle. Nun wurden mir ab letzten Monat, rückwirkend ab November Arbeitnehmer Bezüge abgezogen. Vorhin wollte ich den ersten Vertrag verlängern, die Dame meinte das geht nun nicht, da ich maximal 20h die Woche arbeiten kann, den anderen also auf 68h runtersetzen muss. Ich dachte in der Vorlesungsfreien Zeit kann man das doppelte Arbeiten, dass es sich also ausgleicht.
Im Dezember werde ich 30 und falle aus der studentischen Krankenversicherung raus, dann war es eh mein Plan über die AN KV Bezüge die Versicherung abzudecken, aber das funktioniert ja auch nicht, wenn ich es nun runterschrauben muss.
Was kann ich tun?

Maike H.: 20.02.2019 12:09:26 |
Tags:
  • RE: Problem zwei Hiwi Verträge

    Hallo Maike,

    vielen Dank für deine Anfrage.
    Einen Teil deiner Fragen habe ich ja bereits zu deiner letzten Anfrage beantwortet. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​iB7

    Nun ist ja noch das Problem dazugekommen, dass die dich im einen Job nicht mehr verlängern bzw. im anderen runterstufen wollen.
    Also: Grundsätzlich darfst du auch als Studentin so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Dich kann auch normalerweise keine_r zwingen, weniger zu arbeiten. Und das mit der möglichen Mehrarbeit im Werkstudent_innenstatus in der vorlesungsfreien Zeit ist auch richtig, bezieht sich dann aber auf nur für diesen Zeitraum abgeschlossene Verträge bzw. befristete Stundenerhöhungen.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du also entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.
    Deshalb stellen viele Arbeitgeber_innen Studierende ungern mit über 20h/Woche an, weil sie dann mehr bezahlen müssen (ca. 20% SV-Abgaben für voll sv-pflichtige Arbeitnehmer_innen anstatt nur 9,3% RV für Werkstudent_innen). Sie behaupten dann, man dürfe nicht mehr arbeiten - und zeigen so, für wen das sogenannte Werkstudent_innenprivileg tatsächlich ein Privileg ist. Dass du nicht merh arbeiten dürtest ist also Quatsch - es geht dabei wie so oft nur ums liebe Geld.

    Kündigen darf dich übrigens kein_e Arbeitgeber_in, nur weil sich dein sozialversicherungsrechtlicher Status ändert (das kann neben einer über 20h/Woche liegenden Arbeitszeit auch andere Gründe haben, wie z.B. ein Urlaubssemester, Wechsel in Teilzeitstudium oder die Beendigung des Studiums).
    Haken scheint hier die Befristung zu sein. Es gibt nämlich grundsätzlich keinen Rechtsanspruch auf Anschlussverträge nach dem Ende einer Befristung. Was danach kommt, können Arbeitgeber_innen relativ willkürlich entscheiden (in der Wissenschaft dank Wissenschaftszeitvertragsgesetz sogar noch mehr als in der Privatwirtschaft). Manchmal gibt es gar keinen Folgevertrag, manchmal zu schlechteren Bedingungen, manchmal nur ein Angebot über weniger Stunden... Dementsprechend ist es schwer, sich da zur Wehr zu setzen.

    Aber zumindest kann ich dich in Bezug auf volle SV-Pflicht als Studi und damit die Abdeckung der KV-Kosten über den Job insofern beruhigen, dass das grundsätzlich schon möglich ist. Vielleicht kann sich auch dein Prof für dich einsetzen und betonen, wie wichtig du für den Job bist, damit die dich erstmal - auch voll sv-pflichtig - weiterbeschäftigen?
    Wenn ich es richtig verstehe, wäre es sonst auch finanziell für dich tragbar, noch das restliche Jahr (also bis du 30 wirst) ggf. mit etwas weniger Stunden klar zu kommen und erst danach auf die volle SV-Pflicht angewiesen bist? Dann könntest du dir überlegen, taktisch erstmal den eine Job zu reduzieren, damit er zumindest erhalten bleibt und später zu gucken, wie du anderweitig auf über 20h/Woche kommst. Oder du behältst nur einen der beiden Jobs und suchst dir außerhalb der Uni einen weiteren Job, mit dem du über die 20h-Grenze kommst. Dann musst du auch an der Uni wieder voll sv-pflichtig angemeldet und abgrechnet werden.
    Problem ist und bleibt die Befristung, da nach deren Ende die immer sagen können, das eine Weitzerbeschäftigung nicht möglich ist (egal ob es dafür Gründe gibt oder nicht).

    Schau doch mal, ob es bei euch fitte Leute im Personalrat der Uni gibt. Laut Landesrecht vertreten diese studentsich Beschäftigte zwar nicht, politisch fitte Personalrät_innen sind aber vielleicht trotzdem ansprechbar und können dich vor ort unterstützen.
    Außerdem gibt es in Halle eine GEW-Studigruppe, die sich mit dem Thema befasst: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2e (zweiter Punkt im Link)

    Ich wünsch dir viel Erfolg und drücke die Daumen, dass du eine gute Lösung für dich findest!

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2e oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 21.02.2019 14:53:53


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