Deutscher Gewerkschaftsbund

2 Minijobs als Studentin, was muss ich beachten?

Hi!
Ich bin Studentin und habe die letzten Semester immer nur einen Minijob gehabt, in welchem ich auf flexibler Basis irgendwas zwischen 200-380€ verdient habe. Ich bin außerdem weiterhin familienversichert.

Nun nehme ich ab nächstem Monat einen Werkstudenten-Minijob an meiner Uni an und arbeite dort 8h die Woche. Dort verdiene ich also im Monat 320€. Meinen alten Minijob will ich allerdings weiterhin behalten.
Mir ist klar, dass ich in dieser Situation gewisse Dinge berücksichtigen muss, aber leider ist das Internet was das angeht keine transparente Quelle und ich würde mich freuen, wenn mir hier jemand mal ALLES dazu aufstellen kann.
Vor allem über folgende Dinge: Wie viel darf ich verdienen, bis ich steuerpflichtig werde? Oder werde ich sofort steuerpflichtig? Bleibe ich familienversichert oder muss ich mich selbst versichern? Welche Sozialbeträge muss ich zahlen? usw. usf.

Vielen Dank für hilfreiche Antworten
Alex

Alexandra: 17.02.2019 19:40:40 |
Tags:
  • RE: 2 Minijobs als Studentin, was muss ich beachten?

    Hallo Alex,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Verdienst du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Zudem müssen auch beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest und eigentlich keine Steuern zahlen müsstest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Um den doch sehr hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter "Freibeträge flexibel handhaben": https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQn

    In der gesetzlichen Familienversicherung ist deine genaue Einkommenshöhe ausschlaggebend. Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 445€/Monat (das entspricht ca. 528€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (ca. 90€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2h oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 19.02.2019 14:09:06


  • RE: 2 Minijobs als Studentin, was muss ich beachten?

    Super, vielen Dank, das hilft mir schon ein wenig weiter.
    Ich habe dennoch noch weitere Fragen, die sich im Laufe der Tage entwickelt haben.

    1. Ein Kollege hat mir erzählt, dass er damals, als er als Werkstudent an der Uni gearbeitet hat, er beantragen konnte, dass die Uni seine Krankenversicherung gezahlt hatte. Dazu habe ich aber im Internet keine Info gefunden, wozu er meinte, dass so etwas selten von alleine "zugegeben" wird aber auf Anfrage tatsächlich durchgeführt wird. Stimmt das?

    2. Mein Chef des ersten Minijobs, den ich schon länger habe, hat nun gefragt, ob für ihn als Arbeitgeber weitere Kosten anfallen würden, wenn ich meine obig beschriebene Situation so annehme. Ich würde in diesem Job fest immer nur 400€ im Monat verdienen ab jetzt.

    3. Wie sieht es mit Kindergeld aus? Wird es gekürzt, und wenn ja, bei welchen Voraussetzungen?

    4. Kann mir jemand die Steuern, die zu zahlen habe, zufällig ungefähr ausrechnen? Ich bin was das angeht doch noch sehr unerfahren und hab keine Ahnung was wie wo läuft.

    MfG
    Alex

    Alexandra: 22.02.2019 14:19:55


  • RE: 2 Minijobs als Studentin, was muss ich beachten?

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zu deiner 1. Frage:
    Ganz würde die Uni deine Krankenkassengebühren nie zahlen. Der Kollege meinte wahrscheinlich, dass sie ihn als regulären Arbeitnehmer angestellt haben. In diesem Fall werden die Beiträge zur Krankenkasse (14,6% insgesamt) paritätisch gezahlt. Dementsprechend würdest du den gleichen Anteil von deinem Lohn abgezogen bekommen, wie die Uni für dich an die Krankenkasse zahlt. Im Zweifelsfall könnte das also auch teurer für dich werden. Andererseits hättest du damit Anspruch auf Krankengeld (bei mehr als 6 Wochen Krankheit; 6 Wochen bekommst du deinen Lohn eh fortgezahlt).
    Als Arbeitnehmerin wirst du angemeldet, wenn du als Studentin regelmäßig mehr als 20 Stunden/Woche arbeitest (s.o.). Arbeitest du weniger, musst du als Werkstudentin angemeldet werden und deine KV allein bezahlen. In der Regel versuchen Arbeitgeber_innen zu vermeiden, dich als Arbeitnehmerin anmelden zu müssen, da für sie die Ausgaben entsprechend steigen. Einen gesetzlichen Anspruch hast du aber, wenn du die entsprechende Grenze überschreitest.

    Zu deiner 2. Frage:
    Wenn durch die Kombination der beiden Jobs der Minijobstatus wegfällt, werden auf dein Gehalt Rentenversicherungsbeiträge in Höhe von je 9,3% für beide Seiten (Arbeitgeber und dich) fällig. Im Minijobstatus zahlt dein Arbeitgeber eine höhere Pauschale in die Sozialversicherung. Es wird für ihn also sogar billiger.
    Abseits davon kann er dir den Statuswechsel aber auch nicht verbieten, selbst wenn es teurer wird!

    Zu deiner 3. Frage:
    Solange es sich um dein Erststudium handelt, gibt es keine Hinzuverdienstgrenze beim Kindergeld. Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xmm

    Zu deiner 4. Frage:
    Leider können und dürfen wir dir deine Steuern nicht ausrechnen, da wir keine entsprechende Qualifikation besitzen. Es gibt aber zahlreiche Tools im Netz, mit denen sich gute Schätzungen anstellen lassen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in unserem Büro bei dir vor Ort beraten lassen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2h ) oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 28.02.2019 10:04:47


  • RE: 2 Minijobs als Studentin, was muss ich beachten?

    Hallo Alex,

    kleine Ergänzung zu Steuern: Wie in meiner ersten Antwort bereits geschrieben, gibt es den Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) - solange du nicht mehr verdienst, werden also gar keine Steuern fällig. Im Monat musst du also schon deutlich mehr als 850€ verdienen, damit Einkommenssteuer auch tatsächlich fällig wird. Und zu viel eingezogene Steuern in der ungünstigeren Lohnsteuerklasse kannst du am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen!

    Beste Grüße
    Andrea

    S@W: 28.02.2019 11:09:01


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