Deutscher Gewerkschaftsbund

Studentische Aushilfe auf 450 Euro Basis + Minijob?

Hallo,
Seit gut einem Jahr arbeite ich bei einem Bäcker aif 450 Euro Basis (unterschiedlich oft/Zeiten meist zw. 4 und 16 Std die Woche). Nun hab ich die Möglichkeit im Labor als Studentische Hilfskraft zu arbeiten, was vorteihaft für mich ist da ich das gelernt habe und ich so Erfahrungen machen kann. Aufgrund der Stundenzahl lohnt es sich für mich nicht es in Gleitzone zu machen, weshalb ich es auf 450 Euro Basis machen möchte. Ich möchte aber eig ungern beim Bäcker kündigen. Gibt es eine Möglichkeit beides zu machen, ohne hohe Abgaben zu haben bzw. ohne das ich aus dem Kindergeld falle bzw mich selbst komplett Krankenversichern muss? Ich blicke es noch nicht ganz durch mit den Freibeträgen, was wie geht und auch wie viel ich im Minijob maximal verdienen darf und somit ob ich 2 gleichzeitig ausführen kann. Vor allem wie muss ich das dann ändern lassen, nicht das da was versicherungsmäßig schief geht? Worauf muss ich achten? Wie ist das mit den Steuerklassen? Hab ich im Minijob überhaupt eine?
Ich hoffe mir kann jemand meine ganzen Fragen beantworten.
Vielen Dank im Voraus

Mit freundlichen Grüßen
Eliana

Eliana: 02.02.2019 00:57:38 |
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  • RE: Studentische Aushilfe auf 450 Euro Basis + Minijob?

    Hallo Eliana,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Für all die von dir angesprochenen Bereiche gelten unterschiedliche gesetzliche Regelungen, Freibeträge und Einkommensgrenzen, weshalb das schon einigermaßen schwer zu durchblicken ist. Ich versuch das mal aufzudröseln.

    Kindergeld: Hier gibt es keine Einkommensgrenze, du kannst also so viel verdienen, wie du möchtest. Solange du dich in deiner Erstausbildung befindest, gibt es auch keine Einschränkungen der möglichen Arbeitszeit. Nur wenn es sich bei dir um eine Zweitausbildung handeln sollte, gibt es die Einschränkung, dass du Kindergeld nur dann weitererhältst, wenn du keiner anspruchsschädlichen Erwerbstätigkeit nachgehst. Anspruchsschädlich ist Erwerbsarbeit dann, wenn du mehr als 20h/Woche arbeitest. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xmm

    Krankenversicherung: Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 445€/Monat (das entspricht ca. 528€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (ca. 90€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz
    Der Beitragssatz zur studentischen Pflichtversicherung ist einkommensunabhängig, dort spielt es keine Rolle, ob du 600€ oder 1500€/Monat verdienst.

    Kombination zweier Jobs: Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Variante I:
    Verdienst du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Liegt dein Einkommen zwischen 450 und 850€/Monat werden für beide Jobs die Regelungen in der Gleitzone angewendet: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Zudem müssen dann auch beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Varinate II:
    Verdienst du in beiden Jobs zusammen nicht mehr als 450€/Monat, werden beide nach Minijobregeln abgerechnet. Dann fallen jeweils 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.
    Hier gibt es dann auch die Möglichkeit, von einer Pauschalversteuerung zu profitieren. Steuerlich werden Minijobs nämlich in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn deiner Minijobs über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 1 und 6.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt verdienst und was du eventuell an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon.

    Varinate II:
    Verdienst du im einen Job weiterhin unter 450€/Monat ( = Minijob) und im anderen über 450€/Monat ( = sozialversicherungspflichtige Beschäftigung), wird der Minijob nach Minijobregeln abgerechnet und kann pauschal oder über die LSK 6 versteuert werden, der andere Job wird dann bei einer regelmäßigen Gesamtarbeitszeit von nicht mehr als 20h/Woche im Werkstudent_innenstatus abgerechnet und über die LSK 1 versteuert.

    Arbeitest du regelmäßig insgesamt mehr als 20h/Woche, wirst du voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nicht nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, sondern auch in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann nicht mehr selbst auf eigene Kosten und bist auch arbeitslosenversichert.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.
    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Die voll SV-Abzüge fallen bei Variante I auf beide gehälter an, bei Variante III nur auf das Gehalt mit >450€/Monat.

    Für deine korrekte Anmeldung sind deine Arbeitgeber_innen zuständig, da musst du dich gar nicht drum kümmern. Du bist lediglich verpflichtet, diesen immer alles für deine korrekte Anmeldung Notwenige (wie Immabescheinigungh, andere Jobs etc.) mitzuteilen. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    oder:
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich bei deiner Mitgliedsgewerkschaft beraten lassen oder dich gerne wieder an uns wenden.

    S@W: 05.02.2019 12:06:17


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