Deutscher Gewerkschaftsbund

Honorarvertrag - was ist zu beachten

Hallo, ich habe das Angebot bekommen, in einem Medienprojekt zu arbeiten, d.h. ich würde journalistische Projekte inhaltlich und organisatorisch planen und betreuen.
Ich kann mir aussuchen, ob ich einen Honorarvertrag mit Rechnungsstellung oder einen Werkstudentenvertrag möchte. Die Einhaltung von 20h/Woche ist für mich nicht das Problem, aber ich frage mich, was für mich finanziell lohnenswerter ist? Da ich über 450€ verdienen werde muss ich in jedem Fall in die studentische KV wechseln. Wie ist es mit der Rentenversicherung? Wie ich verstanden habe, wäre ich doch selbstständig, wenn ich Rechnungen schreiben würde, wären die Rentenversicherungsbeiträge dann für mich optional? Wie finde ich heraus, ob ich diese zahlen müsste? Auf eurer Seite habe ich etwas vond er Clearingstelle der deutschen RV gehört, was ist damit gemeint, und kann ich meine Pflicht auch prüfen, bevor ich den Job ausübe und anhand des Ergebnisses erst meine Vertragsform entscheiden?
Wenn ich nun mit Honorarvertrag auch RV zahlen müsste, würde ich durch die gleichen Abzüge ja auf dasselbe herauskommen - RV und KV-Beiträge. Umsatz- und Einkommenssteuerfreibetragsgrenze wird nicht überschritten. Würde sich dann die Künstlersozialkasse lohnen und könnte ich da überhaupt rein? Würde ja organisatorisch in einem Medienprojekt arbeiten und eher selten Medienstücke selbst schaffen. Ferner: Würde ich als Freiberufler oder Gewerbetreibender eingestuft werden? Wie würdet ihr mein weiteres Vorgehen also empfehlen, wenn ich mich für den Honorarvertrag entscheide: Zum Finanzamt, Steuernummer holen - wars das oder was müsste ich da noch beachten?
Vielen Dank für die Hilfe!

Felix: 24.01.2019 19:35:32 |
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  • RE: Honorarvertrag - was ist zu beachten

    Hallo Felix,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Ich fang mal von hinten an: Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy und der Sozialversicherung https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).
    Ob du als freiberulflich giltst oder ein Gewerbe anmelden musst, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab.
    Zur frei­be­ruf­li­chen Tä­tig­keit gehören selb­stän­dig aus­ge­üb­te wis­sen­schaft­li­che, künst­le­ri­sche, schriftstellerische, un­ter­rich­ten­de oder er­zie­he­ri­sche Tä­tig­keiten sowie die sogenannten Katalogberufe, wozu Journalist_innen, Bildberichterstatter_innen und ähnliche Berufe gehören.
    Die Gren­ze zwi­schen Ge­wer­be­trei­ben­den und Frei­be­ruf­ler_in­nen ist dabei nicht immer leicht zu er­ken­nen. Wenn du sagst, dass du eher selten selbst journalistisch/medienschaffend tätig sein wirst, sondern mehr organisatorisch (z.B. Dienstleistungen wie Büroarbeiten), könnte es sich auch um eine gewerbliche Tätigkeit handeln. Wenn du dir nicht si­cher bist, wie dei­ne Tä­tig­keit ein­ge­schätzt wird, fra­ge beim Fi­nanz­amt oder Ord­nungs­amt nach.
    Wenn du selb­stän­dig, aber nicht frei­be­ruf­lich tä­tig bist, musst du ein Ge­wer­be an­mel­den.

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums studentisch krankenversichern (da ist die Pflegeversicherung automatisch mit drin). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz
    Wirst du als hauptberuflich selbstständig eingestuft, müsstest du dich teuer als Selbstständiger krankenversichern. Je nachdem, welcher Tätigkeit du genau nachgehst, könnte hier die KSK greifen. Lass dich dazu am besten direkt bei der KSK beraten.

    Beachte außerdem, dass für dich als Selbstständigen die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht oder musst Mitglied einer Kammer werden.
    Auch das mit der Rentenversicherungspflicht (RV) ist nicht einfach pauschal zu beantworten. So gibt es selbstständige, aber auch bestimmte freiberufliche Tätigkeiten, die unter die Rentenversicherungspflicht fallen. Dazu kannst du dich bei der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) beraten lassen www.deutsche-rentenversicherung.de. An die Clearingstelle kannst du dich v.a dann wenden, wenn nicht klar ist, ob du selbstständig tätig oder abhängig beschäftigt bist. http:/​/​www.clearingstelle.de/​drv.html

    Der Hauptunterschied ist hier, dass bei abhängiger Beschäftigung die Sozialversicherungsabgaben (im Werkstudistatus nur die RV) anteilig paritätisch von Arbeitgeber_in und Arbeitnehmer_in getragen werden, als Selbstständiger musst du den kompletten Satz alleine zahlen.
    Der Rentenversicherungssatz beträgt aktuell 18,6%. Als Werkstudent in abhängiger Beschäftigung werden von deinem gehalt 9,3% RV eingezogen, als rentenversicherungspflichtiger Selbstständiger wären es die kompletten 18,6% RV.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Mittlerweile sollte schon deutlich geworden sein, das abhängige Beschäftigung viele Vorteile hat. Aber auch die Entscheidung für eine selbstständige Tätigkeit kannn Vorteile haben: Du kannst deine Zeit frei einteilen, Arbeitsaufträge annehmen oder ablehnen, für verschiedene Auftraggeber_innen tätig sein, selbst entscheiden, wie du Aufträge ausführst etc.
    Trifft das alles bei dem Jobangebot nicht zu, solltest du dich lieber anstellen und als Werkstudent beschäftigen lassen. Wenn du nämlich eine formal selbstständige Tätigkeit ausübst, die aber eigentlich eine abhängige Beschäftigung ist (Indizien dafür wären, wenn die eben aufgezählten Vorteile alle nicht vorhanden sind und du stattdessen in den Organisationsablauf des Unternehmens eingegliedert bist, weisungsgebunden arbeitest, feste Arbeitszeiten hast etc), spricht man von sogenannter Scheinselbstständigkeit! Schlimmstenfalls kann es dann bei einer rückwirkenden Feststellung, dass du gar nicht wirklich selbstständig bist, zu Nachforderungen von Sozialversicherungsbeiträgen kommen.

    Steuerlich macht es finanziell keinen großen Unterschied, ob du selbstständig tätig oder abhängig beschäftigt bist. Der Steuergrundfreibetrag beträgt immer 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.
    Der Hauptunterschied ist hier eher, dass du dich in abhängiger Beschäftigung um nichts weiter kümmern musst, weil Lohnsteuer aber einer bestimmten Einkommenshöhe automatisch abgeführt wird (verdienst du darunter, wird nichts abgeführt). Eine frewillige Steuererklärung kannst du dennoch bis zu 4 Jahre rückwirkend machen, wenn du besondere Ausgaben geltend machen möchtest.
    Wenn du selbstständig bist, musst du dich um all das selber kümmern und jährlich eine Steuererklärung machen. Hier ist der Vorteil, dass du einfacher Betriebsausgaben geltend machen kannst.
    Da du aber auch bei abhängiger Beschäftigung automatisch die Werbungskostenpauschale in Höhe von 1000€/Jahr gewährt bekommst, fangen Vorteile bei der Selbstständigkeit erst an, wenn du dort mehr als 1000€/Jahr an Ausgaben geltend machen kannst.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen (hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y oder hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2P) oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 29.01.2019 14:58:28


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