Deutscher Gewerkschaftsbund

2 Werkstudententätigkeiten

Ich habe schon ein paar Threads und Foren durchsucht. Da überall ein bisschen was anderes steht und sich die gesetzlichen Regelungen von Jahr zu Jahr ändern kommt nun nochmal eine Frage bezüglich zweier Werkstudentenjobs.

Da ich mit meinem einen Werkstudententjob (10h/Woche, 12,50€/h ) nicht komplett ausgelastet bin, würde ich gerne noch einen zweiten machen. Nun habe ich ein Angebot bekommen bei einem zweiten Betrieb anzufangen. Dieser Job wäre ebenfalls 10h/Woche, jedoch 14€/h. Wie ich gelesen habe muss ich einen der beiden Jobs auf jeden Fall in Steuerklasse 6 anmelden, da ich über den 450€ bin. Ist das richtig?
Sinnvoll wäre es dann, den Job mit dem geringeren Verdienst in Steuerklasse 6 anzumelden.
Der Rentenversicherungsbeitrag ist bei 9.3 Prozent, das heißt mir würden 99,11€ von meinem Bruttolohn abgezogen?
Nun noch zur Lohnsteuer. Da habe ich gelesen, werden mir ebenfalls 2% abgezogen, da ich über 860€ verdiene.
Somit wäre ich bei 939,69€ im Monat.
Im Jahr wären das 11.276,28€. Der Freibetrag liegt bei ca 9.000. Heißt das ich müsste die restlichen ca 2.000€ auch noch an das Finanzamt zahlen?
Stimmen meine Rechnungen so überhaupt oder habe ich da etwas falsch verstanden, oder kommen noch irgendwelche Abzüge hinzu?

Meine eigentliche Frage ist nämlich, ob sich das dann überhaupt lohnt oder ein Minijob sinnvoller wäre?

Jana: 18.01.2019 11:07:50 |
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  • RE: 2 Werkstudententätigkeiten

    Hallo Jana,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Das mit den Steuerklassen (ein Job über Lohnsteuerklasse 1, der andere über die ungünstigere 6, daher besser der geringer vergütete) hast du richtig verstanden.
    Auch das mit der Rentenversicherung ist soweit korrekt: Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet und es fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Der Rest ergibt für mich aber keinen Sinn. Daher hier mal das mit den Steuern genauer erläutert:
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt aktuell 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB

    Hast du mehrere Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen, kann es aber auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job gar keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel aber kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So lommt es dann zu den doch recht hohen Steuereinzügen im Zweitjob.
    Du kannst aber sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM

    Bei der Steuer ist letzendlich dein gesamtes Jahreseinkommen auschlaggebend. Es gibt dort keine Grenze von 860€/Monat. Der Eingangssteuersatz beträgt 14% und steigt mit der Höhe deines Einkommens. Wenn du mit deinem Jahreseinjkommen (ggf. nach Abzug der Werbungskostenpauschale, Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben etc.) über dem Steuerfreibetrag liegst, wird auf den Teil, der drüber liegt,. Einkommenssteuer fällig. Liegst also z.B. 100€ drüber, müsstest du für das Jahr 14€ Einkommenssteuer zahlen.
    Das wird dann mit dem Steuereinzug gegengerechnet. Wurden von deinem Gehalt im Laufe des Jahres (fiktiv!) insgesamt 600€ an Steuern eingezogen und beträgt deine tatsächliche Steuerschuld nur diese 14€, bekommst du 586€ zurück.

    Die 2% haben damit gar nichts zu tun. Das ist wiederum ein Spezialfall bei 450€-Minijobs. Nur diese können pauschal mit 2% versteuert werden. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient wer-den.
    Wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort allerdings dann auch in Steuerklasse 6.

    Der zweite Unterschied beim Minijob ist, dass dort nur 3,6% RV fällig wird (anstatt 9,3% RV im Werkstudistatus) und du dich auf Antrag von der RV im Minijob befreien lassen kannst. Du erwirbst dann aber dementsprechend auch keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Ob sich ein Miniob für dich mehr lohnt, musst du selbst entscheiden. Ich hoffe, all die Infos helfen dir weiter!

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 22.01.2019 14:58:26


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