Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeitsstunden neben dem Studium.

Liebes DGB-Team,

seit Tagen kämpfe ich mich durch die verschiedenen Info-Materialien zum Thema Arbeit neben dem Studium und komme doch zu einem Ergebnis. Ich habe folgendes Problem:

Ich würde gerne eine weitere Stelle als studentische Hilfskraft antreten, weiß allerdings nicht, ob ich das überhaupt darf.

Zu meiner beruflichen Situation:

1. Ich studiere in Vollzeit Germanistik, belege aber im nächsten Semester keine Veranstaltungen, während ich auf den Übergang in den Master warte.

2. Ich arbeite nebenbei im Einzelhandel in Teilzeit. Pro Woche arbeite ich rund 8 Stunden. Im Vertrag stehen zwar 12 (=48 Monatsstunden), aber da ich meistens Abends (ab 18 Uhr) und Samstags arbeite, ergeben sich durch die Spätzuschläge (nicht ausgezahlt, sondern als Zeit verrechnet) 8 Stunden tatsächlicher Arbeitszeit. Da ich kein Werksstudent bin, zahle ich Sozial-, Renten- und Krankenversicherung über diese Arbeitsstelle.

3. Ich bin studentische Hilfskraft mit 20 Monatsstunden in der Verwaltung unseres Fachbereichs.

Nun würde ich gerne, für das eine Semester in dem ich übergangstechnisch keine Kurse belege, eine weitere Stelle annehmen, die mir mit 30 Monatsstunden angeboten wurde. Da mir die Einteilung meiner Arbeitszeiten fast vollkommen freigestellt ist (abgesehen von 3 Stunden unter der Woche), könnte ich auch hier am Wochenende arbeiten. Die Stelle wäre auf knapp ein Semester begrenzt.

Gibt es für mich irgendeinen Weg diese Stelle anzunehmen, oder muss ich sie ausschlagen aufgrund der 20/80 Regelung? Dabei spielt es keine Rolle, ob sich steuertechnische Nachteile ergeben, ich hätte einfach nur Lust, die Arbeit zu machen, welche mir angeboten wurde.

Ich hoffe mich kann jemand helfen.

Vielen Dank,

S.

Stefan: 17.01.2019 18:24:03 |
Tags:
  • RE: Arbeitsstunden neben dem Studium.

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Damit kämen wir schon bei 2.: Wenn ich dich richtig verstanden habe, arbeitest du wöchentlich weniger als 20h, richtig? Wenn das zutrifft, bist du in dem Job im Einzelhandel nämlich falsch angemeldet! Du kannst dann gar nicht voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmer angemeldet sein, sondern musst als Werkstudent angemeldet werden.
    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich nämlich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Ob du tatsächlich Veranstaltungen besuchst, spielt dabei keine Rolle. Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit. Bei Vollzeitstudent_innen wird bei einer Arbeitszeit von nicht mehr als 20h/Woche grundsätzlich unterstellt, dass das Studium im Vordergrund steht.
    Der Werkstudent_innenstatus endet mit dem Erreichen des Abschlusses, also dem Ende deines Studiums. Der Werkstudistatus in der Sozialversicherung endet dann mit Ablauf des Monats, in dem du offiziell über das Gesamtergebnis deiner Prüfungsleistungen unterrichtet wurdest (auch wenn du noch weiter bis zum Ende des Semesters eingeschrieben bleibst).

    Zu 3.: Bist du denn an der Uni als Werkstudent angemeldet oder handelt es sich dort um einen Minijob (Gehalt nicht mehr als 450€/Monat)?

    Verdienst du in beiden Jobs jeweils mehr als 450€/Monat, arbeitest mit beiden Jobs zusammen aber insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, musst du in beiden als Werkstudent angemeldet werden. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an und krankenversichern musst du dich selbst auf eigene Kosten (studentisch ca. 90€/Monat).

    Verdienst du nur im Einzelhandel mehr als 450€/Monat, an der Uni aber weniger, wird nur der Job im Einzelhandel im Werkstudent_innenstatus angemeldet, der Job an der Uni ist dann ein Minijob und wird entsprechend nach Minijobregeln abgerechnet. Dann fallen darauf 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Verdienst du eventuell in beiden Jobs jeweils

    Wenn du nun noch einen weiteren Job annimmst, ist das arbeitsrechtlich problemlos möglich. Worauf du aber grundsätzlich achten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Welche Auswirkungen das alles auf die Sozialversicherung und den Bereich Steuern hat, hängt auch hier wieder maßgeblich davon ab, wieviel du in dem neuen Job verdienen wirst (und auch, was du jeweils in den anderen Jobs verdienst). 2 Beispiele:

    I.) Handelt es sich um einen weiteren Minijob (Gehalt 450€/Monat, ggf. im Werkstudistatus) zusammengerechnet und nur der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob bleibt ein solcher.
    Je nachdem, welcher Status dann bei dir greift, ob du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, unter die entsprechenden Ausnahmeregelungen fällst oder wegen der Überschreitung der 20h-Regel voll sv-pflichtig wirst, wirst du in beiden entweder als Werkstudent oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet. Dann fallen die entsprechenden SV-Abgaben auf die beiden Gehälter aus Job I und III an, der erste Minijob (Job II) wird weiterhin nach Minijobregeln abgerechnet.

    II.) Handelt es sich bei allen drei Jobs für sich betrachtet um Minijobs (Gehalt jeweils Auch hier: Je nachdem, welcher Status dann bei dir greift, ob du mit allen Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest bzw. unter die entsprechenden Ausnahmeregelungen fällst oder nicht, wirst du in allen als Werkstudent oder in allen voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet. Dann fallen auf alle Gehälter die entsprechenden Sozialversicherungsabgaben an.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 22.01.2019 13:40:39


  • RE: Arbeitsstunden neben dem Studium.

    Erstmal: Danke für die sehr ausführliche Antwort. Es tut mir leid, wenn einige Sachen nicht ganz transparent dargestellt wurden von mir.

    Also, um das nochmal klar zu stellen, habe ich nochmal in die Unterlagen geschaut:

    1. Im Einzelhandel habe ich 52,16 monatliche Stunden. Gehalt ~800€ Brutto. Volle Abgaben.

    2. Uni Stelle I: 20 Stunden mit einem Gehalt unter 450€ - befristet vom 1.4. bis 30.9.

    3. Uni Stelle II (die ich gerne annehmen wollen würde): 30 Stunden mit einem Gehalt unter 450€. Befristet vom 1.04. bis 31.07.

    Insgesamt wären das also wuchtige 102,16 Stunden im Monat und somit weit über 80. Da ich frisch in Master eingeschrieben sein werde, ist zumindest das Auslaufen meines Studiums kein Problem.

    Verstehe ich es also richtig, dass ich in Job I und Job III dann voll SV-Abgabenpflichtig würde, während Job II nur RV erfordern würde (optional)?

    Dies wären schlechte Nachrichten, da meine Uni (soweit ich weiß) nicht bereit ist Studenten einzustellen, wenn ihre Einstellung die Anmeldung zur SV erfordern würde.

    Danke im Voraus - Ich hoffe meine Nachfrage macht keine Umstände.

    Beste Grüße,

    Stefan

    Stefan: 22.01.2019 19:27:33


  • RE: Arbeitsstunden neben dem Studium.

    Hallo Stefan,

    ja, wenn Job II und Job III jeweils für sich betrachtet Minijobs sind, kann in Kombination mit Job I nur der zeitlich zuerst aufgenommene als Minijob angemeldet und abgerechnet werden.
    Job I und III sind dann beide voll sv-pflichtig abzurechnen.

    Hier nochmal der Hinweis: Solange du nur Job I und II machst, bist du bei vollen SV-Abgaben in Job I falsch angemeldet! Du musst dort als Werkstudent angemeldet werden https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und dich selbst studentisch krankenversichern https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz . Das ist gesetzlich so geregelt. Eine volle SV-Pflicht greiftv erst, wenn du insgesamt mehr als 20h/Woche arbeitest.

    Aber nochmal zu der Kombi aus allen dreien: Vielleicht kannst du der Uni mit einer einfachen Rechnung trotz voller SV-Pflicht schmackhaft machen dich einzustellen?
    Unistelle II, also Job III ist für sich betrachtet ein Minijob, da unter 450€/Monat. Dieser wäre zwar für dich bis auf 3,6% RV sozialversicherungsfrei, nicht aber für die Arbeitgeber_innenseite, also die Uni.
    Im Minijob muss die Uni für dich 28% Sozialpauschale auf dein Gehalt abführen. Bist du dort voll sv-pflichtig (durch die Kombio mit den beiden anderen Jobs), fallen aber nur ca. 20% SV-Abgaben für die Arbeitgeber_innenseite an, die Uni würde dadurch also sogar Geld sparen! Nur im Vergleich zum Werkstudent_innenstatus ist die volle SV-Pflicht für die Uni teuerer, nicht aber im Vergleich zum Minijob und wenn ich dich richtig verstanden habe, hat die Uni ja scheinbar nichts dagegen, Minijobber_innen zu beschäftigen, die für sie eigentlich sogar noch teurer sind ;-)

    Ich drück dir auf jeden Fall die Daumen, dass doch alles so klappt, wie du es gerne möchtest.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    S@W: 28.01.2019 15:29:01


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