Deutscher Gewerkschaftsbund

Jobwechsel

Hallo,

ich bin 32 Jahre alt und habe im vergangenen Oktober ein Vollzeitstudium begonnen.

Bis dato habe ich in Teilzeit 17,5 Stunden die Woche gearbeitet und war daher über den Arbeitgeber versichert.
Jetzt habe ich einen Job angeboten bekommen, bei dem ich frei oder auch als Festangestellte arbeiten kann und finde nichts aussagekräftiges, dass mir die Entscheidung vereinfacht welches Modell ich wählen soll.
Frei müsste ich die KV selbst zahlen und da ich über 30 bin, falle ich auch nicht mehr in den normalen Studententarif.
Da ich aber auch mehrere Jobs annehmen möchte um mich möglich breit mit Erfahrungswerten auszustatten, habe ich mir bereits einen Gewerbeschein ausstellen lassen.
Frei verdiene ich mehr sagte mir der potentielle Arbeitgeber, muss mich aber eben mit allen Administrativen Dingen selbst beschäftigen.

Was ist sinnvoller frei tätig oder angestellt tätig zu sein?

Vielen Dank vorab.

MfG Christine

Christine: 16.01.2019 22:18:47 |
Tags:
  • RE: Jobwechsel

    Hallo Christine,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Solange du insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest und Vollzeit immatrikuliert bist, kannst du nicht über den Job voll sozialversicherungspflichtig angemeldet werden.
    Solltest du das aktuell noch sein, bist du falsch angemeldet!
    Für Studierende gibt es nämlich bei sozialversicherungspflichtigen Jobs (über 450€/Monat, nicht geringfügig) einen besonderen Status in der Sozialversicherung, wenn das Studium überwiegt. Davon wird grundsätzlich ausgegangen, wenn du eben Vollzeit immatrikuliert bist und nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann musst du im sogenannten Werkstudent_innenstatus angemeldet werden. Dieser Status ist unabhängig vom Alter! https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Kannst du aufgrund deines Alters nicht mehr studentisch krankenversichert sein, musst du dich im Werkstudent_innenstatus dann selbst freiwillig krankenversichern - es ist also in dem Punkt egal, ob du Teilzeit als Angestellte oder als Selbstständige arbeitest. Ausschlaggebend für die Höhe der freiwilligen Versicherung ist deine Einkommenshöhe. Außerdem ist der Mindestversicherungsbetrag für hauptberuflich Selbstständige höher als für andere freiwillig Versicherte, verdienst du deutlich mehr, macht es aber kaum einen Unterschied. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Soviel zum Rahmen und deiner jetzigen Situation. Aber um auf deine eigentliche Frage zurückzukommen:
    Ob du einen Job in abhängiger Beschäftigung (also angestelllt) oder auf selbstständiger Basis ausübst, kannst du dir in den meisten Fällen gar nicht aussuchen, da es dafür gesetzliche Kriterien gibt (schau mal hier: https:/​/​www.deutsche-rentenversicherung.de/​Allgemein/​de/​Inhalt/​3_Infos_fuer_Experten/​02_arbeitgeber_steuerberater/​01a_summa_summarum/​04_rundschreiben/​2010/​april_rs_selbstaendigkeit_pdf.html).
    Wenn "Arbeitgeber_innen" versuchen, einem die Selbstständigkeit schmackhaft zu machen, wollen diese in der Regel nur Geld sparen...
    Denn für dich als Selbstständige müssen sie keine Sozialversicherungsabgaben zahlen (dafür bist du dann selbst und allein verantworlich, bei Rentenversicherungspflicht wären das allein schonmal 18,9%) und du hast keinen Anspruch auf die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Deshalb wird dir auch "mehr" bezahlt - meist aber nicht annähernd so viel, dass es all diese Nachteile aufwiegt.
    Und du musst dich selbst um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Wir empfehlen, bei Honorarverhandlungen für selbststän-dige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst. Je nachdem, ist aber auch noch mehr nötig: Wenn du als Selbstständige z.B. rentenversicherungspflichtig sein solltest und dich zudem noch selbst krankenversichern musst, kannst du allein dafür schonmal mindestens 50% von deinen Einkünften abziehen. Ggf. kommen obendrauf dann noch Einkommenssteuer, Gewerbesteuer und betriebsbedingte Ausgaben, sowie zusätzliche Arbeitszeit, um das alles zu regeln. Du solltest dir also gut überlegen, ob sich das für dich lohnt.

    Die Vorteile einer Selbstständigkeit sind, dass du dir deine Zeit frei einteilen kannst, dass du selbst entscheidest, wann/ob du Aufträge annimmst oder ablehnst und wie du deine Aufträge ausführst. Außerdem genießt du die unternehmerische Freiheit, z.B. deine Angebote zu ändern, deine Preise anzuheben und Werbung für dich und dein Unternehmen zu machen.

    Darfst du das alles nicht in dem angebotenen Job und sollst du bestimmte Aufgaben auf eine von der/dem Arbeitgeber_in festgelegte Art und Weise erledigen, bist du weisungs- und in die Organisationsstruktur des Unternehmens eingebunden, kannst du deine Arbeitszeit und deinen Arbeitsort nicht selbst bestimmen, so sind all das starke Indizien für das Vorliegen einer Scheinselbstständigkeit. So nennt man formale Selbstständigkeit, die aber eigentlich einer abhängigen Beschäftigung entspricht. In dem Fall solltest du dich auf jeden Fall anstellen lassen.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Noch ein Tipp wegen der teuren freiwilligen KV: Wenn du nicht Voll-, sondern in Teilzeit studierst, kannst du auch bei einer Wochenarbeitszeit von weniger als 20h in abhängiger Beschäftigung voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet werden. Auch im Urlaubssemster greift die 20h-Regel nicht.
    Alternativ müsstest du gucken, dass du insgesamt auf eine regelmäßioge Arbeitszeit von insgesamt über 20h/Woche kommst, dann kannst du auch während eines Volltzeitstudiums über deinen Job krankenversichert sein.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2t oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 22.01.2019 12:03:51


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB