Deutscher Gewerkschaftsbund

Als Student zwei Jobs

Hallo,
ich bin Student und habe momentan einen Minijob auf 450€ Basis. Ab März werde ich an der Hochschule eine zweite Beschäftigung aufnehmen. Das werden 15 Std. im Monat sein, ca. 140€. Damit werde ich ja nicht mehr familienversichert sein können. Zahle ich dann den pauschalen Beitragssatz für Studenten oder geht das prozentual vom Lohn ab?
Ich würde dann auch im ersten Job etwas mehr arbeiten wollen, da ich ja insgesamt eh über die 450€ komme. Dort wäre ich dann als Werksstudent angestellt und würde dort ca. 60 Std. im Monat arbeiten (ca. 570€/Monat). Ich würde gern wissen welche Abgaben noch auf mich zukommen. Wie sieht es mit der Rentenversicherung aus? Kann ich mich davon befreien lassen? Wenn nein, mit welchem Beitrag muss ich da rechnen? Ich habe eine Tabelle gefunden mit gestaffelten reduzierten Beiträgen, die sich auf Midijobs bis 850€ beziehen. Gilt das dann auch für mich? Werden bei der Rentenversicherung die zwei Jobs zusammen gerechnet oder muss ich nur beim ersten Job RV Beiträge zahlen? Und was genau unterscheidet einen Midijob von einer Werksstudenten Tätigkeit?
Vielen Dank schon einmal für die Hilfe.

Marcel: 05.01.2019 12:50:12 |
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  • RE: Als Student zwei Jobs

    Hallo Marcel,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 445€/Monat (das entspricht ca. 528€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Wenn du einen Job mit 570€/Monat und einen Minijob mit 140€/Monat miteinander kombinierst und insgesamt mit beiden Jobs nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wird der erste Job im Werkstudent_innenstatus angemeldet.
    Das bedeutet, dass von deinem Gehalt dort nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat). Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Außerdem greift hier die vergünstigte Berechnung des Rentenversicherungsbeitrags für dich in der Gleitzone (sogenannter Midijob). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb (Auf der Seite unten findest du auch einen Gleitzonenrechner, dieser wird aber voraussichtlich erst am Donnerstag auf die neuen Werte für 2019 angeglichen, dann kannst du dort aber deine Rentenversicherungsabzüge berechnen lassen.)
    Von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen kannst du dich im Midijob nicht.

    Der Minijob an deiner Hochschule wird nach Minijobregeln abgerechnet. Dort fallen dann 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auf Antrag auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Der "Unterschied" zwischen Midijob und Werkstudent_innentätigkeit ist eigentlich gar keiner, da es sich nicht um ein entweder/oder handelt, sondern je nach Stundenumfang und Gehaltshöhe beides zusammentreffen kann oder nicht.
    Midijobs sind sozialversicherungspflichtige Jobs mit einem Gehalt zwischen 450,01€ und 850€/Monat. In dem Bereich - die sogenannte Gleitzone - werden die Sozialversicherungsbeiträge für dich als Arbeitnehmer günstiger berechnet (siehe auch der Link zu Midijobs weiter oben).
    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Diesen kannst du also im Midijob, aber auch in Jobs mit über 850€/Monat haben, solange die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit entsprechend ist.

    Reguläre Beschäftigungen und geringfügige Beschäftigungen/Minijobs werden in der Sozialversicherung (SV) getrennt betrachtet, die Arbeitszeit zur Ermittlung des Werkstudistatus aber aus allen beschäftigungen zusammengerechnet.

    Beachte außerdem die steuerlichen Aspekte: Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.
    Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast über deinen Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt verdienst und was du eventuell an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 08.01.2019 16:35:47


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