Deutscher Gewerkschaftsbund

Teilzeit oder Werkstudent während des Studiums?

Hallo liebes Team,
ich hoffe, ihr könnt mir helfen!

Ich bin 29 und mache seit letztem Jahr ein Zweitstudium. Ich muss mich selbst finanzieren und habe zunächst studienbegleitend als Werkstudentin angefangen zu arbeiten. Ich habe das Angebot meines Arbeitgebers angenommen und eine Teilzeitstelle angenommen. Ich erhalte nun 1440 Euro brutto im Monat, jedoch mit vollen Abzügen. Ich werde im Juni 2019 30, sodass ich noch den studentischen KV-Beitrag zahle.

Nun habe ich gelesen, dass ich im Fall der Arbeitslosigkeit gar keinen Vorteil aus der voll sozialversicherungspflichtigen Anstellung habe, da ich einem Vollzeitstudium nachgehe und deshalb keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 habe. Ich arbeite zwar regelmäßig mehr als 15 Stunden pro Woche neben dem Studium, aber ggf. wird man mir bei der Arbeitsagentur sagen, dass mir das ALG aufgrund meines Vollzeitstudiums verwehrt bleibt, oder? Wäre es also besser, mich weiterhin als Werkstudentin zu beschäftigen? Dann wären die zusätzlichen Abzüge gerade für die Katz' - das Geld könnte ich definitiv besser einsetzen.

Auch mit 30 und dem Ende der studentischen KV dürfte eine Werkstudententätigkeit immernoch besser sein, als eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, oder?

Neben der Bitte, mich wieder als Werkstudentin einzustellen, kann ich auch als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni eingestellt werden. Hier würde ich monatlich brutto 1100 Euro verdienen. Aber ich kann leider nicht herausfinden, wie hoch die Abzüge wären. Gilt das Werkstudentenprivileg immer, also auch bei einer Anstellung als Student an der Uni?

Vielen Dank für eure Hilfe!

Elisa: 10.10.2018 22:24:23 |
Tags:
  • RE: Teilzeit oder Werkstudent während des Studiums?

    Hallo Elisa,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wie du im Job angemeldet werden musst, hängt davon ab, welche Kriterien du sowie dein Job erfüll(s)t. Das kann sich weder dein_e Arbeitgeber_in noch du selbst aussuchen.

    Wenn du korrekterweise voll sv-pflichtig angemeldet bist, erwirbst du auch die entsprechenden Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung, wie ggf. ein Alg I Anspruch nach dem Studium.
    Solltest du aber falsch angemeldet sein, müsstest also eigentlich im Werkstudent_innenstatus angemeldet sein, passiert das, was du befürchtest - dann sagt die Agentur für Arbeit, dass du keine Alg I Ansprüche erworben hast (dafür müsstest du aber die SV-Beiträge komplett zurückbekommen, die wegen der Falschanmeldung von deinem Gehalt eingezogen wurden).

    Oft ist die volle SV-Pflicht aber tatsächlich günstiger als der Werkstudent_innenstatus! Hier der Unterschied:

    Bist du als Werkstudentin angemeldet, bedeutet das, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht. Solltest du aktuell nicht mehr als 20h/Woche arbeiten, bist du vermutlich falsch angemeldet und müsstest ggf. rückwirend als Werkstudentin umgemeldet werden. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat, ggf. "freiwillig" mind. 160€/Monat). Die Kosten für die Freiwilige KV sind einkommensabhängig und können daher noch höher ausfallen!

    Bist du als Arbeitnehmerin voll sv-pflichtig angemeldet, werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.
    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin, spätestens dann, wenn du wegen dem Überschreiten der Altersgrenze aus der studentischen KV fällst und dich teuer freiwillig krankenversichern musst. Außerdem erwirbst du mit voller SV-Pflicht Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auch auf Krankengeld, nicht nur später ggf. Alg I), auf die du als Werkstudentin keinen Anspruch hättest. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Wo du arbeitest, spielt dabei keine Rolle. Die Regelungen zum Werkstudent_innenstatus gelten für Jobs an der Uni genau so wie in der "Privatwirtschaft". Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit.
    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wo-chenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 11.10.2018 11:50:17


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