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Arbeitsvertrag Einwände

Hallo,

ich bin gerade mit dem Studium fertig geworden und starte in meine erste Festanstellung (Customer Success Manager bei einer Sourcing-Plattform in der Bekleidungsbranche) - meine Frage ist jedoch trotzdem sehr allgemein und kann hier vielleicht beantwortet werden.

Ich habe meinen Arbeitsvertrag zum Durchlesen bekommen und ich finde einige Details ein bisschen streng. Z.b.

- Krankschreibung vorzulegen ab dem ersten Tag (ich kenne das in der Regel ab dem 3. Tag)

- Überstunden sind mit mit dem Jahresgehalt abgegolten (bei Nachfrage wurde mir mitegeteilt dass es aber kein Problem sei nach geleisteten Überstunden auch mal früher zu gehen - ich frage mich, warum das dann nicht im Vertrag steht)

- dass mir über meine Tätigkeit hinaus noch andere Aufgaben zugeteilt werden können bei gleicher Vergütungshöhe (bei Nachfrage wurde mir mitgeteilt dass es sich rein um eine rechtliche Absicherung handelt und so noch nie vorkam)

Mein Frage jetzt ist: kann ich meinen Arbeitgeber bitten eine Klausel hinzuzufügen, in der steht, dass man am Ende der Probezeit Einzelheiten des Vertrages noch einmal neu aushandelt?

Ich dachte, das wäre die beste Lösung, da ich dann, wenn mich der Arbeitgeber seit 6 Monaten kennt und weiß dass ich verlässlich bin etc., eine andere Verhandlungsposition habe.

Ist das so machbar?

Vielen Dank schon einmal im Voraus

Lieben Gruß

Susi

susia: 31.07.2020 |
  • RE: Arbeitsvertrag Einwände

    Hallo Susi,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Es ist gut, dass du skeptisch bist und genauer nachhakst. Du solltest wissen, was du unterschreibst!

    Es ist allerdings nicht unüblich, wenn Arbeitgeber_innen ab dem ersten Tag eine Krankschreibung verlangen. Das mit dem 3. Tag ist die Regelung, wann es gesetzlich vorgeschrieben ist, eine Krankschreibung vorzulegen.
    In § 5 (1) EntgFG steht: "Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen."

    Zu den anderen Punkten solltest du dich anwaltlich oder bei der zuständigen Gewerkschaft beraten lassen. Ob eine Klausel rechtsgültig ist, können und dürfen wir als Nicht-Jurist_innen im Rahmen eines Onlineforums nicht beurteilen.

    Zu deiner Frage: Grundsätzlich kannst du zu jeder Zeit deinen Arbeitsvertrag nachverhandeln, ob sich dein_e Arbeitgeber_in darauf einlässt, ist eine andere Frage. Ob eine Klausel nach deiner Vorstellung tatsächlich deine Position verbessert, kann ich nicht beurteilen (im Zweifel verhandelt ihr nach 6 Monaten nach, die Arbeitgeber_innenseite rückt aber nicht von Formulierungen ab, die dich stören und du stehst nicht besser da als ohne so eine Klausel).

    Geh mit deinem Vertrag am besten mal zu Expert_innen und lass ihn prüfen.
    Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Beitritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und später ggf. Rechtsschutz über deine Mitgliedsgewerkschaft.
    Auch kannst du an deiner bisherigen Hochschule mal schauen, ob es eine kostenlose (Arbeits-)Rechtsberatung für Studierende, z.B. über den AStA gibt und dich dort erstberaten lassen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Die Kolleg_innen dort können dich im Zweifel sicher an die richtige Gewerkschaft oder anwaltliche Beratung verweisen. Selbstverständlich kannst du dich bei weiteren Fragen auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 31.07.2020


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