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Werkstudentinnenstatus

Hallo :) 

ich bin gerade fertig geworden mit meinem Studium (1. Staatsexamen Jura) und warte nun auf einen Platz für das Referendariat in NRW. 

In der Zwischenzeit möchte ich zur Überbrückuung gerne arbeiten gehen und habe derzeit zwei Stellenangebote, denen ich beiden gerne nachgehen möchte:

Die 1. Stelle wären 20h/ Woche und man möchte mich als studentische Hilfskraft einstellen.
Die 2. Stelle wären ebenfalls 1-2 Tage die Woche (je nach Bedarf) und es würde auf Honorarbasis abgerechnet werden. D.h. ich muss eine Steuernummer beantragen und am Ende des Jahres für Stelle 2 eine Steuererklärung machen.

So käme ich in der Summe auf ca. 35- 40 h die Woche. 
Ich weiß, dass man, um von dem Werkstudentenstatus profitieren zu können, nur 20h/ Woche arbeiten darf. Da wäre ich ja weit drüber. Die Stelle 1 möchte/ kann mich jedoch nicht normal einstellen, sodass ich sozialversicherungspflichtig angestellt wäre. Und bei Stelle 2 ist es ja auf Honorarbasis, d.h. selbstständig (?!). 

Da ich wirklich wenig, bis gar nichts, von dem Thema verstehe nun meine Fragen: 
1. Kann ich bei beiden Stellen arbeiten? 
2. Geht es, dass ich mich einfach selbst krankenversichere als Student, wenn ich beide Stellen habe?
3. Wie würde das mit der restlichen Sozialversicherung ablaufen? Bekäme ich irgendwann einen Brief vom Finanzamt, dass ich einen Betrag X nachzuzahlen habe? (was natürlich ok wäre, ich will mich nicht vor Steuern oder Sozialversicherung drücken, ich möchte nur einfach beide Jobs machen) 


Danke für eure Hilfe!

ninaa1995!: 12.02.2020 |
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  • RE: Werkstudentinnenstatus

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Deine Lage gestaltet sich etwas kompliziert.

    Zunächst einmal zum Werkstudierenden-Status in der Sozialversicherung: Dieser endet mit dem Monat, in dem du vom Gesamtergebnis deiner (letzten) Prüfungsleistung schriftlich unterrichtet wurdest. Wenn du also schon ein (vorläufiges) Zeugnis bekommen hast, kommt für dich der Werkstudi-Status sowieso nicht mehr in Betracht. Das ist sehr eindeutig geregelt im entsprechenden Rundschreiben der Sozialversicherungsträger.

    Ob das gleiche automatisch auch für deine studentische Krankenversicherung gilt, ist nicht ganz eindeutig geregelt (hierfür ist das relevante Rundschreiben ein anderes).
    Dem Wortlaut des Gesetzes folgend ist es möglich, dass es hierzu reicht, dass du weiterhin immatrikuliert bist, unabhängig ob noch Leistungen ausstehen oder nicht. Je nach Konstellation in der du dann arbeitest ist es unter Umständen dann denkbar, dass du weiterhin studentisch pflichtversichert bist, z.B. falls deine Stelle eine kurzfristige Beschäftigung (maximal 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage) wäre und deine Selbstständigkeit eine nebenberufliche Selbständigkeit (dazu gleich mehr).
    Sicher gehen könntest du dadurch, indem du bei deiner Krankenkasse nachfragst, wann laut ihr deine studentische Versicherung endet.

    Falls es sich nicht um eine kurzfristige Beschäftigung handelt und du noch immatrikuliert bist und noch Leistungen ausstehen hast bzw. noch nicht schriftlich vom Gesamtergebnis unterrichtet wurdest, ist nun zunächst die Frage, ob für dich eine der möglichen Ausnahmen der Werkstudierenden-Regel greift.

    Insgesamt zählen erstmal alle Tätigkeiten zusammen, egal ob selbstständig oder abhängig.
    Wenn die 20h die Woche überschritten werden, so ist die Frage, wann das passiert: bei Überschreitungen in den Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende bzw. ausschließlich in der Vorlesungsfreien Zeit kann es immer noch sein, dass die Werkstudi-Regel auf dich angewandt wird und du damit in deiner abhängigen Beschäftigung nur rentenversicherungspflichtig wärest. In einer selbstständigen Tätigkeit bist du i.d.R. nicht rentenversicherungspflichtig, es sei denn es handelt sich beispielsweise um Tätigkeiten im Bildungs- oder Pflegebereich.

    Derartige Überschreitungen sind aber weiterhin nur bis zu 26/Wochen pro Jahr Beschäftigung möglich, bei unbefristeten Beschäftigungen überhaupt nicht.
    Wenn du ab sofort regelmäßig 35-40h die Woche arbeiten wirst, dürfte es schwierig werden zu argumentieren, warum noch dein Studium überwiegen sollte.

    Wenn du sicher gehen möchtest, wie deine Krankenkasse das bei dir handhaben würde, kannst du auch hierzu dort direkt fragen und dir die Auskünfte schriftlich geben lassen.

    Daneben stellt sich bei einer Kombination von abhängiger und selbstständiger Tätigkeit die Frage, welche überwiegt. Überwiegt die selbstständige Tätigkeit in den Faktoren Arbeitszeit- und wirtschaftlicher Bedeutung für dich die abhängige Beschäftigung deutlich, so ist es eine hauptberufliche Selbstständigkeit und so müsstest du dich über die Selbstständigkeit "freiwillig" krankenversichern. Achtung: hier fallen für dich nicht nur die Arbeitnehmer_innen-Beiträge an, sondern auch diejenigen, die sonst Arbeitgeber_innen übernehmen. Der Mindestsatz einer selbstständigen Versicherung liegt bei ca. 180€ pro Monat und steigt mit der Höhe deines Gewinns.

    Wenn die selbstständige Tätigkeit nicht deutlich überwiegt (sie also nebenberuflich ist) und deine abhängige Beschäftigung keine kurzfristige ist und die Werkstudi-Regel für dich nicht mehr greift, dann wird vermutlich kein Weg daran vorbei führen, dich in deiner abhängigen Beschäftigung voll sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen.

    Andersrum: Eine denkbare Option die Tätigkeiten auszuüben, ohne dass die volle Sozialversicherungspflicht in deiner abhängigen Beschäftigungen einsetzt und du studentisch pflichtversichert bleiben kannst, ist dass deine abhängige Beschäftigung eine kurzfristige und deine selbststände Tätigkeit eine nebenberufliche ist - vorausgesetzt die Krankenkasse akzeptiert dich weiterhin als studentisches Mitglied, obwohl keine Prüfungsleistungen mehr ausstehen.

    Wahrscheinlicher ist die volle Sozialversicherungspflicht über den Job (wenn dieser nicht-kurzfristig ist) oder eine "freiwillige" Versicherung (wenn der Job eine kurzfristige Beschäftigung ist, aber du nicht mehr studentisch krankenversichert sein kannst und/oder wenn du hauptberuflich selbstständig bist).

    Das alles kannst aber nicht du entscheiden, sondern das muss deine Krankenkasse machen. Diese kannst du direkt fragen und dir die Auskünfte schriftlich geben lassen.

    Zu deiner dritten Frage: Das Finanzamt hat mit der Sozialversicherung nichts zu tun, einen Automatismus gibt es nicht. Was du alles bei der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit beachten solltest und wem du was melden musst, kannst du in unserer Broschüre "Selbstständigkeit und Studium" nachlesen, dort findest du auf S. 23 eine "Gründungs-Checkliste" und auch Informationen zu steuerlichen Fragen. Mehr zum Thema Steuern auch hier.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Valentin
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 13.02.2020


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