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Werkstudent + Nebenjob

Hallo,

Ich beginne in wenigen monaten eine Werkstudententätigkeit für 17h in der Woche. 
Mein verdienst liegt bei über 1000€.
Ich habe diese Tätigkeit vor vielen Monaten beteits ausgeübt, mir ist somit bewusst dass ich mich selbstversichern muss und circa 90€ zahlen muss.

nun meine frage:
zusätzlich möchte ich einen Nebenjob annehmen, für circa 16 stunden die woche. Hier würde ich circa 600€ verdienen.
Mir ist bewusst dass ich somit ganz normal steuern zahlen muss, da ich über die 20Stunden regelung komme.
Aber, werden die erhöhte steuern die aufgrund der „überstunden“ anfallen nur von dem 2. job abgezogen, oder bei beiden gehältern? 

sandra: 11.02.2020 |
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  • RE: Werkstudent + Nebenjob

    Hallo Sandra,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst einmal sind die beiden Bereiche Sozialversicherung (SV) und Steuern auseinander zu halten. Hier gelten jeweils unterschiedliche Gesetze und Regelungen.

    Steuern: Hier gibt es keine Sonderregeln für Studierende, die 20h-Regel bezieht sich nur auf die Sozialversicherung (dazu weiter unten mehr). Relevant im Bereich Steuern ist, wie viel du verdienst.

    Hast du mehrere Jobs über deine Steuer-ID, werden diese in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen abgerechnet - mit ggf. hohen Abzügen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über deine Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann ( = Hauptjob).
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ( = Nebenbeschäftigung) ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

    Sozialversicherung (SV):
    Hier gibt es einen Sonderstatus für Studierende, den sogenannten Werkstudent_innenstatus.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudentin angemeldet. Arbeitest du mehr, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe kann eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich sein als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Kombinierst du 2 Jobs miteinander, die beide nicht geringfügig sind (Gehalt >450€/Monat, nicht kurzfristig) und kommst mit beiden zusammen auf eine regelmäßige Arbeitszeit von über 20h/Woche, fallen die Sozialversicherungsbeiträge allerdings auf beide Gehälter an.
    Im einen Job als Werkstudentin udn im anderen voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet zu sein, ist nicht möglich.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 13.02.2020


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