Deutscher Gewerkschaftsbund

Freiwllige Krankenversicherung Werkstudent Ü30

Hallo liebes S@W-Team,

zum WiSe 17/18 habe ich ein Wirtschaftsinformatik-Studium aufgenommen. Um mir mein Studium zu finanzieren arbeite ich 20h/Woche als Werkstudent. Ende letzten Jahres bin ich 30 Jahre alt geworden, demnach scheide ich mit Ablauf des dritten Semesters (zum 31.03.2019) aus der studentischen Krankenversicherung aus und muss nun in die freiwillige Krankenversicherung.

Mein Status als Werkstudent bleibt meinen Recherchen nach davon unberührt; als ich mich im Sommer 2017 zu dem Schritt entschlossen und über die Eventualitäten beim Erreichen der Altersgrenze bei meiner Krankenkasse erkundigt habe, hieß es dort, dass sich meine Beiträge von ~90€ auf ~180€ verdoppeln würden, ungeachtet von meinem Entgelt als Werkstudent.

In einem Gespräch in der letzten Woche wurde mit jetzt allerdings mitgeteilt, dass mein Entgelt von rund 1.550€/Monat doch die Bemessungsgrundlage darstellt. Gab es diesbezüglich Änderungen oder handelte es sich 2017 bzw. in dieser Woche um ein Missverständnisse bei der Bemessungsgrundlage?

Schon bei der Einstellung als Werkstudent habe ich meinen Arbeitgeber auf meine erhöhten Abzüge mit Erreichen des 30. Lebensjahres aufmerksam gemacht und wir haben weitere Gespräche vereinbart, die jetzt Ende des Monats anstehen.

Wenn ich das richtig sehe, bliebe die Möglichkeit meine Beschäftigungsart auf ein sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf 20h/Woche anzupassen. Besteht darüber hinaus noch die Möglichkeit, dass sich mein AG an meinen Krankenkassenbeiträgen beteiligt, ohne dass meine Bemessungsgrundlage weiter ansteigt?

Ich habe zu dem Thema leider nicht viel im Netz gefunden und würde mich deshalb freuen, wenn ihr mir bei den Fragen weiterhelfen könnte.

Vorab ganz herzlichen Dank für eure Zeit und ganz liebe Grüße!

Werkstudent_Ü30: 10.03.2019 14:18:07 |
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  • RE: Freiwllige Krankenversicherung Werkstudent Ü30

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Dein Entgelt als Werkstudent_in ist nur dann für die Berechnung der Beiträge zur freiwilligen Versicherung egal, wenn du unterhalb der Mindestbeitragsbemessungsgrenze verdienst (das sind ca. 1038€/Monat). Verdienst du mehr, istb dein tatsächliche Einkommen ausschlaggebend und deine Beiträgshöhe steigt entsprechend. Es muss sich bei deiner Info also um ein Missverständnis gehandelt haben.

    Auf deinen Status als Werkstudent_in im Job - und damit auch auf die Abgaben deines Arbeitgebers - hat das allerdings keinen Einfluss. Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Der Status ist also unabhängig von deiner Verdiensthöhe, deinem Alter und deinen Krankenversicherungskosten (die du im Werkstudistatus allein bezahlen musst). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Du kannst auch nicht einfach voll sv-pflichtig angemeldet werden. Das ist nur dann möglich, wenn die Voraussetzungen für den Werkstudent_innenstatus entfallen, du also mehr als 20h/Woche arbeitest oder nicht mehr Vollzeit studierst.
    Der Unterschied:
    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte_r Student_in nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudent_in angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat oder eben "freiwillig" mind. 170€/Monat)
    Arbeitest du mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, keine weiteren Kosten für KV/PV.
    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also finanziell günstiger als der Status als Werkstudent_in. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Du solltest deinen Arbeitgeber also bitten, deine Wochenarbeitszeit zu erhöhen (regelmäßig 21h/Woche reichen schon aus), dann zahlt ihr beide jeweils ca. 20% SV-Abgaben (anstatt beide jeweils 9,3% RV) und du kannst über deine Job krankenversichert sein.
    Eine andere Möglichkeit der Beteiligung deines Arbeitgebers an deinen KV-Kosten ist nicht möglich, ohne dass diese steigen. Wenn er dir mehr bezahlt, steigt auch die Beitragsbemessungsgrundlage. Wenn er - so wie es klingt - bereit gewesen wäre, die ohne Stundenerhöhung etwas mehr zu zahlen, sollte es aber kein Problem sein, ihn davon zu überzeugen, dich einfach eine Stunde/Woche mehr zu beschäftigen.

    Sollte er das nicht wollen, kannst du dir auch alternativ einen Zweitjob, z.B. einen Minijob mit nur 1-2h/Woche, suchen, so dass du über die 20h-Grenze kommst und voll sv-pflichtig wird. Dann muss dich dein jetziger Arbeitgeber nämlich voll sv-pflichtig anmelden, kündigen darf er dir deswegen nicht. (Vielleicht aich ein Argument, das du vorbringen könntest, wenn er dir keine Std. mehr geben möchte?)
    Alternativ wäre auch ein Wechsel auf Teilzeitstudium denkbar (sofern das für dich vorstellbar ist). Dann könntest du auch mit einer Wochenarbeitszeit von nicht mehr als 20h voll sv-pflichtig angemeldet werden.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 11.03.2019 16:14:46


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