Deutscher Gewerkschaftsbund

Zukunft der Ausbildung: Der Parlamentarische Abend und unsere Forderungen

Die Zukunft der Berufsausbildung, der drohende Fachkräftemangel, Digitalisierung und Bildungsgerechtigkeit – das sind einige Themen, über die die DGB-Jugend am heutigen Donnerstag, den 29. November 2018, mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages in Berlin diskutieren wird.

Parlamentarischer Abend

© DGB-Jugend/Mo Sayed

Parlamentarischer Abend: Die DGB-Jugend diskutiert mit der Politik

Auf dem Parlamentarischen Abend der Gewerkschaftsjugend steht ein Thema im besonderen Fokus: die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), wie sie im Koalitionsvertrag festgeschrieben steht.

"Eine moderne Ausbildung braucht ein modernes Berufsbildungsgesetz", sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. "Das BBiG muss endlich zu einem echten Schutzgesetz umgebaut werden. Hierzu gehören neben einer Mindestausbildungsvergütung, die den jungen Menschen eine spürbare finanzielle Verbesserung bringt, auch Qualitätsstandards und Rechtssicherheit für dual Studierende in den Betrieben und Verwaltungen. Dual Studierende dürfen nicht als Kolleg_innen zweiter Klasse behandelt werden."

Gut 200 junge Gewerkschafter_innen aus verschiedenen Branchen und Regionen Deutschlands werden den Abgeordneten ihre Forderungen für eine Modernisierung der dualen Ausbildung präsentieren. Mit im Gepäck haben die jungen Interessenvertreter_innen Erlebnisse und Berichte aus ihrem Arbeits- und Ausbildungsalltag in den Betrieben und Dienststellen.

Für die Gewerkschaftsjugend ist klar: Das BBiG braucht dringend ein Upgrade - eine neue Entwicklungsstufe. Die Digitalisierung, Fragen der mangelnden Qualität in einigen Branchen, die wieder steigende Zahl von jungen Menschen, die den Sprung in Ausbildung nicht schaffen, die größere Vielfalt unter den Auszubildenden – all das macht eine echte BBIG-Novelle - und nicht nur kleine kosmetische Korrekturen - notwendig.

Die Forderungen zur BBiG-Novelle:

  • Eine Mindestausbildungsvergütung für alle Auszubildenden in Höhe von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung für das jeweilige Ausbildungsjahr. Nach aktuellem Stand wären das 635 Euro für das erste Ausbildungsjahr.
  • Kostenfreiheit in der Ausbildung. Alle Ausbildungsmittel sind vom Ausbildungsträger, in aller Regel vom Betrieb, zu bezahlen.
  • Rechtssicherheit in der Freistellung für den Berufsschulunterricht. Nach wie vor müssen zu viele Auszubildende die Zeiten des Berufsschulunterrichts im Betrieb nacharbeiten. Das muss beendet werden.
  • Mindestens einen Tag frei vor jeder Zwischen- oder Abschlussprüfung. Um den Prüfungserfolg nicht zu gefährden, müssen sich Auszubildende gut und stressfrei auf ihre Prüfung vorbereiten können. Deshalb fordern wir eine bezahlte Freistellung des letzten Arbeitstages vor allen Prüfungen.
  • Die Einführung einer Ankündigungsfrist für Betriebe bei Nicht-Übernahme. Ausbildungsbetriebe, die ihre Auszubildenden nach bestandener Prüfung nicht übernehmen können, sollten verpflichtet werden, die betroffenen Auszubildenden drei Monate vor dem Ausbildungsende darüber zu informieren. So haben die jungen Menschen zumindest die Möglichkeit, sich rechtzeitig arbeitssuchend zu melden und eine andere Beschäftigung zu finden.
  • Die Erweiterung des Geltungsbereichs des BBiG auf Dual Studierende und betrieblich-schulische Ausbildungen. Im Zuge der Digitalisierung bekommt das duale Studium neben der dualen Ausbildung einen zunehmend wichtigen Stellenwert. Um dafür die wissenschaftliche Befähigung und berufspraktische Kompetenzen auf hohem Niveau zu sichern, fehlt bisher eine gesetzliche Grundlage.
  • Eine gesicherte Durchlässigkeit in der Stufenausbildung. Grundsätzlich setzen wir uns für eine vollwertige Ausbildung ein und lehnen Schmalspurausbildungen sowie eine Modularisierung der Ausbildung ab. Auszubildende in zweijährigen Berufsausbildungen sollten aber die Möglichkeit haben, ihre Qualifikation auf einen dreijährigen Abschluss zu erhöhen. Der verbindliche Durchstieg von zwei- in dreijährige Ausbildungsberufe muss im BBiG geregelt werden.
  • Eine bezahlte Freistellung und eine Weiterbildungsgarantie für ehrenamtliche Prüfer_innen. Aufgrund zunehmender Arbeitsverdichtung in vielen Betrieben werden die ehrenamtlichen Prüfer_innen oft nicht mehr freigestellt. Wir brauchen daher gesetzliche Regelungen im BBiG zur bezahlten Freistellung für Prüfer_innen. Je klarer diese Regelungen formuliert sind, desto leichter lassen sich auch Beschäftigte für eine Tätigkeit im Prüfungswesen gewinnen. Außerdem gilt es, im BBiG Möglichkeiten für die Qualifizierung und Weiterbildung von Prüfer_innen zu verankern.
  • Die Entwicklung eines belastbaren Systems zur Qualitätssicherung in der Ausbildung. Das BBiG beinhaltet bereits viele Anknüpfungspunkte zur Sicherung der Ausbildungsqualität. Allerdings sind diese Regelungen häufig zu unverbindlich. Wir wollen daraus ein belastbares System zur Qualitätssicherung und -entwicklung in der Berufsbildung machen. Das bedeutet im Einzelnen: die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) zu modernisieren und aufzuwerten und für alle Ausbildungsbetriebe verbindlich zu machen. Die Eignung der Ausbildungsbetriebe sollte verbindlich in einer Verordnung für Ausbildungsstätten geregelt werden. Wir wollen die Aufgaben der Ausbildungsberater_innen konkretisieren und klarer auf ihren eigentlichen Kern der direkten Beratung fokussieren. Die Berufsbildungsausschüsse (BBAs) sollten sich dauerhaft und nachdrücklich mit Fragen der Qualität der beruflichen Bildung befassen können.

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