Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir beraten und organisieren

Simon Habermaaß

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Erkämpft Tarife für dual Studierende: Simon Habermaaß.

Die Studierenden werden bei der ver.di Jugend eine große Rolle spielen, sagt der ver.di-Bundesjugendvorsitzende Simon Habermaaß. Ein Fazit zum ver.di-Bundeskongress.

Was waren die wichtigsten Themen, die ihr debattiert habt?
Drei Punkte standen im Fokus unser Debatten: Erstens werden die Digitalisierung und die digitale Vernetzung die Lebens- und Arbeitswelt drastisch verändern. Sie können unser aller Leben und tägliche Arbeit erleichtern. Das bietet die Chance auf neue Freiräume. Aber es birgt auch die Gefahr von mehr Überwachung, Kontrolle und Rationalisierung. Wir werden die Digitalisierung im Sinne von uns Beschäftigten gestalten. Für Persönlichkeitsrechte und Datenschutz, Freiräume für mehr Arbeits- und Lebensqualität und sichere Beschäftigung.

Außerdem haben wir ein klares Konzept von guter Arbeit beschlossen. Dazu gehören ein faires Einkommen, menschengerechte Arbeitsgestaltung und Arbeitszeitsouveränität, angemessene Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten sowie eine Arbeitszeitpolitik, die sich an die verschiedenen Lebensphasen der Beschäftigten anpasst. Gerade für unsere junge Generation wollen wir Schluss machen mit dem Befristungswahnsinn. Der Standard für Hochschulabsolvent_innen und Berufseinsteiger_innen soll wieder der unbefristete Arbeitsvertrag sein.

Der dritte wichtige Punkt war die Unterstützung der Geflüchteten, die nach Deutschland kommen. Die ver.di Jugend will auch in Zukunft offene sichere Fluchtwege und gute Integrationsangebote. Wir gehen hier ganz praktisch voran: Jude und jeder kann unabhängig vom Aufenthaltsstatus Mitglied bei ver.di werden.

Was war das wichtigste für eure Gewerkschaftsjugend?
Die Jugendarbeit mit Studierenden und Auszubildenden rückt innerhalb der gesamten Organisation in den Fokus. In all unseren Branchen gilt ab jetzt Jugendmainstreaming. Was sind die Themen der jungen Generation, wie können wir sie gemeinsam verwirklichen, wo gibt es Potenziale? Passend dazu startet gerade die Aktivierungs- und Tarifkampagne "Besser unbequem", die die verschiedenen Tarifrunden im kommenden Jahr begleiten soll.

Welche Rolle spielten Studierende in den Anträgen?
Studierende und ihre Themen spielten über den gesamten Kongress eine wichtige Rolle. In unseren Branchen steigt die Anzahl der dual Studierenden kontinuierlich. Darauf reagieren wir. Mit unserer Online-Plattform www.dual-studierende.de haben wir eine Anlaufstelle für dual Studierende geschaffen. Dort gibt es von der Bewerbung bis zur Abschussprüfung Informationen und Rat zum dualen Studium. Aber wir beraten nicht nur, sondern organisieren junge dual Studierende als Gewerkschaftsmitglieder. In einigen Bereichen konnten wir gemeinsam schon eindrucksvolle Tarifergebnisse erkämpfen. Daran wollen wir anschließen.
    
Natürlich haben wir uns auch für ein angemessenes BAföG und eine ordentliche Finanzierung der Hochschulen positioniert. Überfüllte Hörsäle und ein BAföG, das viel zu oft nicht zum Leben reicht, sind ein Ergebnis der Sparpolitik. Mit der Kraft unserer zwei Millionen Mitglieder wollen wir einen Richtungswechsel erreichen. Der Bund muss sich zum Beispiel dauerhaft an der Grundfinanzierung von Hochschulen beteiligen. Zudem haben wir beschlossen, dass jedes unserer studierenden Mitglieder auch weiterhin kostenlos den internationalen Studierendenausweis ISIC beantragen kann.

Wie schätzt du die Relevanz der gewerkschaftlichen Studierendenarbeit für die Zukunft ein?
Die Zahl der Studierenden wächst jedes Jahr. Seit einigen Jahren haben wir mehr Studierende als Auszubildende. Eine Stärkung der gewerkschaftlichen Studierendenarbeit ist nur die logische Folge dieser Entwicklung.