Deutscher Gewerkschaftsbund

TV-L und Studierende: Gemeinsam streiken verbindet

Bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst haben studentische Beschäftigte mitgestreikt. Denn sie sind Kolleg_innen und sitzen mit den Beschäftigten in denselben Büros. students at work sprach mit Matthias Neis und Mirjam Sorge über Solidarität an den Hochschulen.

Mirjam Sorge

© Mirjam Sorge

War im Solidaritätsstreik: Mirjam Sorge

Matthias und Mirjam, warum waren die Tarifverhandlungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder für studentische Beschäftigte wichtig? Was läuft derzeit schief?

Zunächst mal sind wir natürlich solidarisch mit allen anderen Beschäftigtengruppen an den Hochschulen und deshalb wollten wir sie bei ihrem Streik unterstützen.

Gründe zum Protest und Raum für Verbesserungen gibt es reichlich an den Hochschulen: von der irrsinnig hohen Befristungsquote über chronische Überlastung, weil die Zahl der Beschäftigten mit den wachsenden Aufgaben nicht Schritt gehalten hat, bis zu vergleichsweise niedrigen Gehältern insbesondere für die unteren Entgeltgruppen.

Da brauchen sich die Hochschulen auch nicht zu wundern, wenn sie in vielen Bereichen keine Leute mehr finden. Das versuchen sie dann übrigens nicht selten über studentische Beschäftigte auszugleichen. Die sind schließlich noch billiger und flexibel einsetzbar, denn außer in Berlin gilt für sie ja kein Tarifvertrag. Das wird niemandem gerecht, auch nicht den Studierenden, die einen Anspruch auf verlässliche und professionelle Betreuung haben.

Was fordert ihr?
Außer, dass sich die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen insgesamt verbessern müssen; vor allem brauchen wir eine deutliche Abkehr von prekären Beschäftigungsverhältnissen. Wir wollen natürlich, dass studentische Beschäftigte, so wie alle anderen auch, unter einen Tarifvertrag fallen.

Das Logischste und Einfachste wäre, sie in den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) einzubeziehen: eine Hochschule, ein Tarifvertrag. Das muss das Ziel sein. Aber wenn wir auf dem Weg dahin in weiteren Bundesländern noch weitere Tarifverträge nur für studentische Beschäftigte abschließen müssen, wie den Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TVStud) in Berlin, dann machen wir es eben so.

Wie habt ihr euch beteiligt?
Nicht in allen Bundesländern haben die Gewerkschaften die studentischen Beschäftigten zum Soli-Streik aufgerufen. Aber dort, wo es passiert ist, haben sich die Kolleg_innen bei den Aktionen vor Ort in den einzelnen Hochschulen eingebracht und natürlich auch mit Bannern und Plakaten bei den großen Demozügen mitgemacht.

TV-L in Berlin

© Mirjam Sorge

"Nicht in allen Bundesländern haben die Gewerkschaften die studentischen Beschäftigten zum Soli-Streik aufgerufen. Aber dort, wo es passiert ist, haben sich die Kolleg_innen bei den Aktionen vor Ort in den einzelnen Hochschulen eingebracht...": Gemeinsame Aktionen zu den TV-L-Verhandlungen Anfang 2019 in Berlin

Für einige war das ganz neu, aber hier in Berlin haben die studentischen Beschäftigten ja eher mehr Streikerfahrung als die anderen Gruppen an den Hochschulen. Das war dann fast schon routiniert.

Es zeigt aber auch, wie sinnvoll es ist, dass sich alle Beschäftigten an den Hochschulen gemeinsam beteiligen – wenn Beschäftigte nach dem TV-L streiken und auch jene nach dem TVStud, dann ist der Effekt an den Hochschulen umso größer. Die gemeinsame Streikerfahrung verbindet außerdem und vernetzt die unterschiedlichen Beschäftigungsgruppen.

Auch für die Vernetzung von Studierendeninitiativen an den Hochschulen setzen wir uns aktiv ein. Sei es durch die Teilnahme an Veranstaltungen rund um das Thema Arbeitsbedingungen an den Hochschulen, Materialien oder Solidaritätsbekundungen.

Wie geht es jetzt weiter?
Man kann ganz allgemein merken, dass das Thema Arbeitsbedingungen  an den Hochschulen eine größere Rolle spielt. Das gilt für die hauptberuflichen wie für die studentischen Beschäftigten. Das ist gut und längst überfällig. Wir müssen die Ansätze von Organisierung rund um dieses Thema unterstützen.

Das gilt ganz direkt für die studentischen Tarifinitiativen, die sich in mehreren Bundesländern gerade formieren, aber auch für die nächsten Tarifrunden im öffentlichen Dienst.

Es war ein gutes Signal, die studentischen Beschäftigten zum Soli-Streik aufzurufen, und man kann sich nur wünschen, dass das in den kommenden Runden noch ausgebaut wird. Wir arbeiten gemeinsam mit den TV-L-Beschäftigten in denselben Büros und Labors. Dann sollten wir auch beim Streiken nebeneinander stehen.


Mirjam Sorge gehört der Grupppe Studierender in ver.di an. Matthias Neis ist bei ver.di zuständig für Hochschulpolitik.