Deutscher Gewerkschaftsbund

Unser Standpunkt: Mindestlohn für Studierende

Junge Frau mit Brille

© Nelo Locke

Es gibt im Moment nur vereinzelt Stimmen, die fordern, dass Studierende vom Mindestlohn ausgenommen werden sollten. Gefährlich sind sie trotzdem. DGB-Jugend-Referentin Susanne Braun gibt kluge Antworten auf dumme Fragen.

Ja, der Mindestlohn soll auch für Student_innen gelten. Es gibt im Moment nur wenige, die fordern, dass Studierende als Gruppe ausgenommen werden sollten. Diese sind nicht mehrheitsfähig und schon in einer Woche soll das Gesetz den Bundestag passieren. Die Zustimmung gilt als relativ sicher. Dann würde für Studierende – wie für alle anderen Arbeitnehmer_innen – auch ein Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde gelten. Dennoch sind Studierende von einer Ausnahmeregelung betroffen, denn Praktika sollen vom Mindestlohn ausgenommen sein.

Geplante Ausnahmen im aktuellen Gesetzesentwurf sind:
•    ein Praktikum, welches verpflichtend im Rahmen einer Studienordnung geleistet wird
•    ein Praktikum, von bis zu sechs Wochen zur beruflichen Orientierung
•    ein Praktikum von bis zu sechs Wochen begleitend zu einer Hochschulausbildung.

Ein Praktikum ist ein Lernverhältnis. Leider wird das in der Arbeitsrealität selten so umgesetzt. Schon heute sind 82 Prozent der Praktikant_innen in den regulären Arbeitsablauf eingebunden. 40 Prozent der Praktika werden nicht vergütet. Gleichzeitig verdrängen diese Stellen sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Wenn Praktika bezahlt werden, dann mit durchschnittlich 3,77 Euro pro Stunde.

Der weit verbreitete Missbrauch von Praktika vor allem in Zusammenhang mit prekärem Berufseinstieg wird durch die Ausnahmeregelung zur beruflichen Orientierung gestützt.

Hände mit Mindestlohn-Logos

© DGB Ludwigshafen/Rüdiger Stein

Ausnahmen beim Mindestlohn? Die DGB-Jugend kämpft dagegen an.

Denn eigentlich gibt es keinen Grund, Menschen mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium  n i c h t  ein reguläres Arbeitsverhältnis anzubieten, wenn es tatsächlich um die berufliche Orientierung geht. Im Rahmen von Probezeitregelungen und individuellen Vereinbarungen gibt es bereits jetzt ausreichend Möglichkeiten, den Berufseinstieg auch als Orientierungsphase zu nutzen. Viele Studienabgänger_innen sehen Praktika als einzige Möglichkeit, überhaupt den Fuß in die Tür eines Unternehmens zu bekommen. Der von ihnen erhoffte Klebeeffekt bleibt aber in der Regel aus.

Die Einführung des Mindestlohns für postgraduelle Praktika würde hier ein positives Zeichen setzen. Junge Menschen sind nach einem Hochschulabschluss ausreichend qualifiziert und wollen auch nicht nur Zeit überbrücken - wie manchmal von Befürworter_innen einer Ausnahme beim Mindestlohn zu vernehmen ist. Wir brauchen keine Märchen, die die prekäre Situation von Berufseinsteiger_innen legitimieren. Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, die dem Missbrauch von Praktika in diesem Bereich etwas entgegenzusetzen hat.

Auch auf Studierende, die ein Praktikum machen, hätte eine entsprechende Ausnahmeregelung Auswirkungen. Bisher gilt: Ist ein Praktikum in der Studienordnung vorgesehen, müssen die Arbeitgeber_innen keine Beiträge an die Sozialversicherung zahlen, weil Pflichtpraktika Teil der Ausbildung sind. Nur bei freiwilligen Praktika während des Studiums müssen Praktikant_innen heute schon regulär wie Arbeitnehmer_innen angemeldet werden.

Wenn Praktika von Mindestlohnregelung ausgenommen werden, steht zu befürchten, dass sie verstärkt genutzt werden, um Kosten zu sparen. Die Auswirkungen auf die Qualität von Praktika sind leicht zu erahnen.Es ist unwahrscheinlich, dass - bei jetzigem Diskussionsstand - an den Ausnahmen zum Praktikum gerüttelt wird. Umso wichtiger ist, die Auswirkungen einer solchen Regelung genau unter die Lupe zu nehmen.

Die DGB-Jugend hat eine klare Vorstellung, wie ein faires Praktikum auszusehen hat. Dazu gehört auf jeden Fall eine angemessene Vergütung.


Grundlegende Infos zu Praktika sowie die Praktikabewertungsbörse findet ihr hier.

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