Deutscher Gewerkschaftsbund

TV-L und Studierende, Teil II: Gemeinsam streiken verbindet

Bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst haben studentische Beschäftigte mitgestreikt. Denn sie sind Kolleg_innen und sitzen mit den Beschäftigten in denselben Büros. students at work sprach mit Nathalie Schäfer über Solidarität an den Hochschulen.

Hilskräfte demonstrieren für einen Tarifvertrag in Kassel

© Friederike Thole

Studentische Beschäftigte in Kassel fordern einen Traifvertrag für alle

Nathalie, warum waren die Tarifverhandlungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder für studentische Beschäftigte wichtig? Was läuft derzeit schief?
Hochschulen sind stark unterfinanziert. Das spürt man verstärkt beim Personal, das sehr prekär beschäftigt ist. Besonders stark trifft es arbeitsrechtlich die studentischen Hilfskräfte. Nur in einem der 16 Bundesländer haben Hilfskräfte einen Tarifvertrag. Und ein neuer Abschluss dieses Tarifvertrages musste über zwei Jahre erkämpft werden.

Die Befristungen und Unterbezahlung der Beschäftigten an den Hochschulen - egal ob studentisch oder im Mittelbau Beschäftigte - führt zu zunehmend schlechter Lehre und schlechter Betreuung der Studis. Wir müssen hier mit dem Mittelbau zusammen kämpfen, um für uns alle mehr rauszuholen.

Was fordert ihr?
Flächendeckend Tarifverträge in allen Bundesländern, damit Arbeitsrechte, Arbeitszeit, Gehalt und Urlaubsansprüche bindend geregelt sind! Außerdem dürfen SHKs keine Sachmittel mehr sein und müssen in den Personalräten repräsentiert werden. Nur in Berlin gibt es funktionierende studentische Personalräte. In Nordrhein-Westphalen schafft die schwarz-gelbe Koalition die Beauftragten für die Belange der studentischen Hilfskräfte (SHK-Räte), die eh nicht viele Rechte haben, gerade wieder ab.

Wie habt ihr euch beteiligt?
Mit Streiks, Demos und Streikcafés. Zum einen wollten wir zeigen, wir sind keine Arbeiter_innen zweiter Klasse. Außerdem ist es uns wichtig unseren Kommiliton_innen zu zeigen, dass nichts ohne Tutor_innen, Bibliothekskräfte und die studentischen Hilfskräfte läuft.

Plakat Tarifvertrag für Hilskräfte

© Philip Schmid

Auch in Darmstadt waren studentische Beschäftigte gemeinsam mit dem öffentlichen Dienst auf der Straße.

Wie geht es jetzt weiter?
Es ist Anfang des Jahres eine bundesweite Tarifkampagne entstanden, die versucht, die unterschiedlichen Initiativen an den Hochschulen zu vernetzen und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Dabei arbeiten wir eng mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Studierende von ver.di und anderen Akteur_innen zusammen. Wir müssen noch ein bis zwei Bundesländer knacken und uns dann für die nächste Tarifverhandlung 2021 vorbereiten.

In Frankfurt steht an der tariflich autonomen Goethe-Universität nun ein Aushandlungsprozess über einen eigenen Haustarifvertrag an. Dort hat die Universität den studentischen Hilfskräften statt eines Tarifvertrags eine freiwillige Selbsterklärung gewährt, die grade mal besagt, dass die Universität sich an gesetzliche Mindeststandards hält. Wir wollen diese Selbsterklärung zugunsten eines Tarifvertrags ändern.

Nathalie Schäfer ist Sprecherin des Bundesausschuss der Student_innen (BASS) in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

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