Deutscher Gewerkschaftsbund

Joscha Wagner: Jugendarbeitslosigkeit – die Krise hält an

Wir wagen einen Blick auf die aktuelle Arbeitsmarktsituation junger Menschen.

© Jörg Farys

Joscha Wagner ist Referent der DGB-Jugend und für Arbeitsmarktpolitik zuständig.

Der deutsche Arbeitsmarkt
Auch im 13. Monat der Corona-Krise liegt die Zahl der jungen Arbeitslosen (15 bis 25 Jahre) weiterhin auf einem deutlich höheren Niveau als vor der Krise. Nach einem massiven Anstieg der Zahlen von März bis August 2020 auf zwischenzeitlich 324.000 junge Arbeitslose sinken die Zahlen zuletzt immerhin wieder: Im April 2021 waren 240.634 der 15- bis 25-Jährigen in Deutschland arbeitslos gemeldet.

Im Ost-West-Vergleich bestehen auffällige Unterschiede bei der Jugendarbeitslosenquote, also dem Anteil der Arbeitslosen an allen zivilen Erwerbspersonen der Altersgruppe 15 bis 25 Jahre. Im April 2021 lag der Anteil in Ostdeutschland bei 8,4 Prozent, in Westdeutschland hingegen nur bei 4,6 Prozent. Damit liegt die Jugendarbeitslosenquote in Ostdeutschland oberhalb der dortigen Gesamtarbeitslosenquote von 7,6 Prozent, in Westdeutschland hingegen unterhalb der dortigen von 5,7 Prozent.

Unter Menschen von 15 bis 25 Jahren ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Zuge der Krise dramatisch angestiegen. Im März 2021 lag die Zahl derer, die ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet waren, bei 37.758. Eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr: Im März 2020 waren noch 18.833 junge Langzeitarbeitslose registriert. Auch in der nächstälteren Gruppe der 25- bis 35-Jährigen war im Zeitraum März 2020 bis März 2021 ein hoher Anstieg der Langzeitarbeitslosen zu verzeichnen: von 127.442 auf 203.526 Personen und damit um 59,7 Prozent.

Der Anteil der jungen Langzeitarbeitslosen an allen jungen Arbeitslosen (15 bis 25 Jahre) stieg im Zuge der Krise ebenfalls deutlich. Der Anteil betrug im März 2021 14,9 Prozent und lag damit deutlich höher als in den Vorjahresmonaten (2020: 8,9 Prozent; 2019: 9,2 Prozent).

Grundsätzlich gilt: Je länger Arbeitslosigkeit dauert, desto schlechter sind die Chancen auf Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Daher besteht hier dringender Handlungsbedarf, um langanhaltende negative Auswirkungen auf die Erwerbsbiografien dieser jungen Menschen zu verhindern.

"Die Krise hat laut ILO die Abkopplung junger Menschen vom Arbeitsmarkt verschärft. Zielgerichtete Maßnahmen sollten rasch im Interesse junger Menschen umgesetzt werden."

Die globale Perspektive
Auch in europäischer und globaler Perspektive sind junge Menschen massiv von den Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt betroffen. Die Zahl der Arbeitslosen über alle Altersgruppen hinweg lag im Dezember 2020 in der EU um rund zwei Millionen Menschen höher als im Dezember 2019. Das bedeutet einen Anstieg um 6,5 Prozent. Fast ein Viertel dieses Anstiegs machte dabei die Jugendarbeitslosigkeit (438.000) aus. Im April 2021 waren in der EU rund 2,95 Millionen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) berichtete im Januar, dass 2020 8,8 Prozent der globalen Arbeitsstunden im Vergleich zum 4. Quartal 2019 verloren gingen. Dies entspricht 255 Millionen Vollzeitjobs (bei einer 48 Stunden-Woche). Junge Menschen waren davon in besonderen Maßen betroffen. Während der Beschäftigungsverlust in globaler Perspektive bei Erwachsenen 3,7 Prozent betrug, lag er bei jungen Menschen bei 8,7 Prozent.

Zielgerichtete Maßnahmen nötig
Die Krise, so schreibt die ILO, habe die Abkopplung junger Menschen vom Arbeitsmarkt verschärft und das nur allzu reale Risiko einer "verlorenen Generation" aufgezeigt. Da junge Menschen nicht immer automatisch von den allgemeinen Krisenbewältigungsmaßnahmen profitierten, seien zielgerichtete Maßnahmen für junge Menschen und andere besonders betroffene Personengruppen nötig.

Eine folgerichtige und drängende Forderung, die im Interesse junger Menschen rasch umgesetzt werden sollte.


Quellen: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Eurostat Euroindikatoren; ILO Monitor: COVID-19 and the world of work, 7. Ausgabe