Deutscher Gewerkschaftsbund

Mach doch auch mal was! Die BBiG-Aktion der DGB-Jugend

Nicht nur denken, sondern handeln: Zum Festakt "50 Jahre Berufsbildungsgesetz" des Bundesbildungsministeriums lädt sich die Gewerkschaftsjugend selbst ein und fordert laut und nachdrücklich Verbesserungen am Entwurf für ein neues BBiG.

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Rund 70 Auszubildende haben im Berliner Regierungsviertel für ein gutes BBiG demonstriert.

"Think BBiG" heißt die Veranstaltung zum 50. Geburtstag des Berufsbildungsgesetzes, und es soll ein Festakt werden. Im Futurium, dem neuen Veranstaltungszentrum genau neben dem Bundesministerium für Forschung und Bildung im Berliner Regierungsviertel. Motto des brandneuen "Hauses der Zukünfte": "Hier könnt ihr eigene Ideen ausprobieren."

Die Gewerkschaftsjugend hat da einige mitgebracht. Rund 70 Auszubildende sind an diesem Dienstag, den 24. September, gekommen und haben eine klare Botschaft an die Geburtstagsgäste: Nicht nur denken, sondern handeln. Denn die anstehende Novellierung des BBiG geht ihnen nicht weit genug: Der Entwurf aus dem Hause von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) müsste dringend nachgebessert werden.

Laut und deutlich sind die Forderungen – die engagierte Gewerkschaftsjugend macht ordentlich Krach, hat jede Menge Statements dabei. "Dual Studierende sind auch nur Menschen", "Karli checkt‘s nicht" und "Deine Novellierung ist eine Sechs" steht auf den Transparenten.

Miriam von der IG BCE-Jugend ist heute gekommen, um den Forderungen der Gewerkschaftsjugend Nachdruck zu verleihen: "Die feiern sich heute für 50 Jahre BBiG und die anstehende Novellierung. Aber das Gesetz regelt viel zu wenig. Wir wollen zeigen, dass nicht alles so toll ist. Die dual Studierenden fehlen im Entwurf völlig. Und auch die bezahlte Freistellung vor der Prüfung soll nicht geregelt werden. Auszubildende über 18 Jahren sollen nach der Berufsschule wieder in den Betrieb. Hier muss dringend nachgebessert werden."

Ihr Kollege Tim sagt: "Immer mehr junge Menschen studieren dual. Das muss auf jeden Fall ins BBiG aufgenommen werden."

Jakob von der IG Metall Jugend hält den Gesetzentwurf für eine Frechheit. "Die Höhe der Mindestausbildungsvergütung ist lächerlich, das duale Studium ist nicht geregelt – da kann es sein, dass man gerade mal als Praktikant im Betrieb behandelt wird und fällt damit auch aus der Mitbestimmung. Dabei gibt es diesen Ausbildungsweg doch schon seit den neunziger Jahren!"

Und Jugendvertreter Dominic, der heute extra aus der Lausitz angereist ist, sagt: "Die Situation unserer Berufsschulen ist denkbar schlecht."

© Jörg Farys

Die Gewerkschaftsjugend sagt: Dual Studierende gehören ins BBiG!

1969 wurde die erste Fassung des Gesetzes verabschiedet. Damals war die Situation von Auszubildenden in den Betrieben häufig erschreckend. Der Vorwurf, das damals noch neue Gesetz regele nicht genug, war auch in den Anfangsjahren schon zu vernehmen. Auch eine Reform im Jahr 2005 ging den Gewerkschaften nicht weit genug.

Und auch der vorliegende Gesetzesentwurf bleibt erheblich hinter den Regelungsnotwendigkeiten zurück. Neben der Ausweitung des BBiG-Geltungsbereichs auf dual Studierende und betrieblich-schulische Ausbildungsberufe, nach Freistellungsregelungen für die Berufsschule und die Prüfer_innen muss es auch eine Mindestausbildungsvergütung, die sich am Durchschnitt der tariflichen Ausbildungsvergütungen orientiert, die Lehr- und Lernmittelfreiheit und die Durchlässigkeit und Stärkung der vollwertigen Berufsausbildung festschreiben. "Wir wollen heute laut und deutlich ein Zeichen setzen", sagt IG BCE-Bundesjugendsekretärin Manuela Hauer.

Die Gewerkschaftsjugend verteilt Postkarten (Motto: "Mach doch auch mal was") und ein Fact Sheet für die BBiG-Novelle an die Besucher_innen des Festakts. Viele bleiben stehen und lassen sich über die Forderungen aufklären. Auch Ministerin Anja Karliczek lässt sich immerhin die Infomaterialien der DGB-Jugend mitgeben.

Dann beginnt die Veranstaltung im Futurium, und zu einem Geburtstag soll man ja bekanntlich nichts Schlechtes sagen. Es wird eine reine Feierstunde, bei der glückliche Auszubildende von ihrer tollen Situation berichten und wieviel Spaß ihnen die Ausbildung in ihrem tollen Betrieb macht. Die Chefs der Betriebe sind auch da und erzählen, wie toll die Auszubildenden sind, dass sie immer viele Bewerbungen haben und sich die besten Schulabgänger wie die Rosinen herauspicken können. Von lebenslangem Lernen und guter Weiterbildung wird geschwärmt und dass die duale Berufsausbildung prima mit der Digitalisierung auskommen wird. Zum 1. Januar wird das neue Gesetz in Kraft treten. "Das wird ein topmodernes BBiG", sagt Anja Karliczek.

Von maroden Berufsschulen, Mängeln in der Ausbildung, unbezahlten Überstunden und ausbildungsfremden Tätigkeiten ist heute lieber nicht die Rede.

Dass es allen angeblich so gut geht, dafür hat das Berufsbildungsgesetz gesorgt. Umso erstaunlicher sind die Schwächen im aktuellen Entwurf, der die berufliche Bildung eben nicht fit macht für die Zukunft. Topmodern? "Das war eine reine Abfeierveranstaltung", sagt Jakob. Inhaltliche Punkte und Kritik seien an keiner Stelle aufgenommen worden.

Think BBiG? Machen Sie doch auch mal was, Frau Karliczek! Nicht nur denken, sondern handeln.

Die Aktion der Gewerkschaftsjugend am Futurium in Bildern

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