Deutscher Gewerkschaftsbund

Unsicherer Berufseinstieg: Ergebnisse des DGB-Jugend-Praktika-Checks

"Praktikum und Mindestlohn. Der Faktencheck" heißt die neue Auswertung der DGB-Jugend.

"Ich habe in einem Unternehmen ein Praktikum von insgesamt neun Monaten absolviert. Die ersten sechs Monate im Rahmen eines Pflichtpraktikums, die letzten drei Monate als freiwillige Praktikantin. Das Unternehmen hat mir zwei verschiedene Praktikumsverträge ausgestellt. Eine Vergütung habe ich nicht bekommen", klagt die 24-jährige Hülya.

Fälle wie ihrer werden in der neuen DGB-Jugend-Broschüre "Praktikum und Mindestlohn" beschrieben und analysiert. Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 600.000 Praktika absolviert. Welche Auswirkungen hat der Mindestlohn auf Praktika? Ist jetzt alles gut?

Praktika-Check

Vor seiner Einführung Anfang 2015 bekamen 64,6 Prozent aller Absolvent_innen nicht mal 800 Euro brutto. Dennoch beklagen Absolvent_innen auch heute noch, dass die Vergütung nicht für den Lebensunterhalt reicht – beispielsweise durch Ausnahmen bei Praktika, die während eines Studiums absolviert werden. Da hat auch das Mindestlohngesetz bei vielen keine Verbesserung gebracht. Viele Arbeitgeber zeigen sich zudem kreativ bei der Auslegung des Mindestlohngesetzes. Neue Praktikumsarten entstehen, wie das aus freiwilligen und Pflichtteilen bestehende Praktikum. Und reguläre Beschäftigungsverhältnisse werden zu Praktika umgewandelt. Und auch innerhalb der Praktika findet eine Verschiebung zum Milo-freien Raum statt.

Vor allem die Qualität der angebotenen Praktikumsplätze schwankt: Schriftlich vereinbarte Lerninhalte werden nicht eingehalten, Vergütungen häufig einfach nicht gezahlt, Betreuer_innen fehlen, Arbeitszeiten werden oft überschritten.

Man soll sich nichts vormachen: Ein Praktikum bedeutet unsichere Beschäftigung. Das wissen auch vor allem die Praktikant_innen selbst: Sie erwarten weitaus mehr Veränderungen ihrer Erwerbssituation als andere Beschäftigtengruppen. Sie gehen davon aus, dass sie häufiger ihren Arbeitsplatz wechseln, wenn nicht verlieren werden. Damit sind Praktika Teil eines insgesamt unsicheren Berufseinstiegs für junge Menschen, oft verbunden mit erheblichen Auswirkungen auf Lebens- und Familienplanung. Überdies berichten Praktikant_innen häufig von Stress und hohen Anforderungen.

Klar ist: Das muss sich schleunigst ändern. Beim Thema Praktikum gibt es für die Gewerkschaftsjugend noch einiges zu tun. Rechtliche Lücken beim Mindestlohn müssen geschlossen werden. Es braucht ein Mindestentgelt für alle Praktika, die nicht unter den Mindestlohn fallen, eine Regelung zur Höchstdauer und darüber hinaus die Angleichung von Urlaubs- und Krankheitsregelungen.


Die DGB-Jugend-Broschüre bietet über die Zusammenstellung der Forderungen hinaus auch Rechtstipps und Infos über die gewerkschaftlichen Beratungsangebote.


DGB-Jugend: Praktikum und Mindestlohn. Der Faktencheck, Berlin 2016, 28. S. Auf http://jugend.dgb.de/broschueren

(aus der Soli aktuell 8-9/2016, Autorin: Soli aktuell)