Deutscher Gewerkschaftsbund

Die JAV der Stadt Essen gewinnt den JAV-Preis!

Der Sonderpreis der DGB-Jugend beim Deutschen Personalräte-Preis geht an die JAV der Stadt Essen für ihren innovativen Einsatz zur Verbesserung der Ausbildungsbedingungen.

5 Personen mit dem JAV-Preis der DGB-Jugend

© Simone M. Neumann

So sehen Sieger*innen aus: Louis Heidrich und Sahdia Schieren (vorn) von der JAV der Stadt Essen mit dem Sonderpreis der DGB-Jugend. Glückwunsch sagen (v. l.) die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack, verdi-Bundesjugendsekretärin Julia Böhnke und GEW-Hauptvorstandsmitglied Daniel Merbitz.

Wir drehen unseren eigenen Film!
"Die Ausbildung zu verbessern, zählt zu unseren wichtigsten Aufgaben – dafür gehen wir auch gerne unkonventionelle Wege" – Louis Heidrich, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) der Stadt Essen, und seine Mitstreiter*innen scheuen keine Mühen, wenn es um die Interessen der Auszubildenden geht, die sie vertreten.

So zum Beispiel, als sie ihre Forderungen zur Verbesserung der Ausbildungsbedingungen bei ihrem Arbeitgeber in einen knackigen Filmbeitrag verpackten, den sie auf der Personalversammlung präsentierten – um den Arbeitgeber auf charmante, aber bestimmt Art zu Verhandlungsgesprächen zu bewegen.

Dafür erhielt das neunköpfige Gremium am 9. November 2022 den Sonderpreis der DGB-Jugend bei der Verleihung des Deutschen Personalräte-Preises 2022, die im Rahmen des Schöneberger Forums in Berlin stattfand.

"Erfolgreich verhandeln mit Unterstützung neuer Medien", das sei der JAV-Essen vorbildlich gelungen, unterstrich ver.di-Bundesjugendsekretärin Julia Böhnke in ihrer Laudatio. Mit seinem Projekt habe das Gremium die Ausbildungsqualität gesichert und dem Fachkräftemangel entgegengearbeitet.

Ausgangslage
Und so gingen die Essener JAVis vor: Auf der ersten JA-Versammlung des neu gewählten Jugendgremiums stand eine Umfrage unter den Nachwuchskräften auf dem Programm. Thema: die Zufriedenheit in der Ausbildung und im Studium bei der Stadtverwaltung Essen. Im Ergebnis wurden an die JAV drei Forderungen gestellt:

  • Die Nachwuchskräfte müssen für den Unterricht digitale Endgeräte erhalten.
  • Die Verbeamtung ab dem ersten Tag der Ausbildung bzw. des Studiums – mit Vorteilen für die Nachwuchskräfte wie für den Arbeitgeber in Sachen Konkurrenzfähigkeit bei der Gewinnung von Nachwuchs. Da die Stadtverwaltungen in der Umgebung (Bochum, Gelsenkirchen, Herne) dies bereits so handhabten, weil es für Berufsanfänger*innen ein sehr attraktives Angebot ist. Aktuell ist das in der Stadtverwaltung Essen erst zwei Jahre nach einem Studium möglich – und dann auch nur auf Probe. Ein klarer Wettbewerbsnachteil!
  • Die Studierenden der Sozialen Arbeit müssen ihre Studiengebühren selbst tragen – bei einer Vergütung von 900 Euro ein Kraftakt. Diese Ungerechtigkeit muss aufhören!

Vorgehen
Zunächst überlegten die JAV-Mitglieder, wie sie diese Forderungen der Nachwuchskräfte am besten an den Arbeitgeber herantragen und gleichzeitig auch Druck auslösen konnten: im Rahmen der Personalversammlung. Für die JAV sollte das nicht wie schon immer als Redebeitrag erfolgen, sondern dynamischer – in einem Filmbeitrag. Zuerst wurden Ideen für ein Drehbuch gesammelt; im Ergebnis sollten einige Filmsequenzen an TV-Spielshows und Sendungen von früher anlehnten ("Der Preis ist heiß", "Herzblatt").

Kurz darauf wurde die Filmidee umgesetzt, gedreht wurdeim Rathaus der Stadt Essen und in einem Greenscreen-Room. Die Technik hatte ein Gremienmitglied übernommen und am Ende stand ein zehnminütiger Film, mit dem sich die JAV an den Arbeitgeber wandte und in dem die Forderungen der Nachwuchskräfte klar formuliert wurden.

So ging es weiter
Nach der Personalversammlung lud die JAV die Ausbildungsabteilung und den Oberbürgermeister der Stadt Essen, Thomas Kufen, zu Gesprächen ein, um über die Forderungen zu sprechen. Zugesichert wurde:

  • Dass ab 2023 digitale Endgeräte in Form eines Stufenmodells zunächst für die Studierenden im gehobenen Dienst und danach im mittleren Dienst eingeführt werden.
  • Dass die Verbeamtung von Nachwuchskräften sowohl im mittleren als auch im gehobenen Dienst voraussichtlich schon ab 2023 ab dem ersten Tag der Ausbildung bzw. des Studiums erfolgen wird.
  • Bei den Studierenden der Sozialen Arbeit wurde zwar nicht die vollständige Übernahme der Studiengebühren erreicht, aber immerhin ein erhöhtes Entgelt, sodass die Studierenden am Ende nur noch eine Differenz von 100 Euro selbst übernehmen müssen. Ab 1. Dezember 2022 wird nach neuesten Informationen jedoch ein bedeutend höheres Entgelt gezahlt, sodass sie bei den Studiengebühren fast nicht mehr draufzahlen.

Zum guten Schluss
Die JAV konnte in ihrem JAV-Newsletter bereits darüber berichten, dass es ab 2023 für die ersten Nachwuchskräfte digitale Endgeräte geben wird.

Die DGB-Jugend sagt: WOW! Herzlichen Glückwunsch, JAV-Essen. Ihr seid der Hammer! Mitbestimmung wirkt eben. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg bei eurer tollen Arbeit!

Hier macht ihr mit!
Auch 2023 wird der Sonderpreis der DGB-Jugend beim Deutsche Personalräte-Preis verliehen. Unten findet ihr Infos zur Bewerbung!

Große Gruppe Menschen

©Simone M. Neumann

Engagierte Gremiumsarbeit: die Preisträger*innen beim Deutschen Personalräte-Preis.

Schöneberger Forum: Weitere Preise
Das Schöneberger Forum ist das Jahrestreffen für Beschäftige im öffentlichen Dienst, es fand dieses Jahr zum 25. Mal statt. Der Deutsche Personalräte-Preis wird jährlich für vorbildliche Personalratsarbeit vergeben.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack nahm die Ehrung der Preisträger*innen vor. Der Deutsche Personalräte-Preis in Gold ging an den Lehrerhauptpersonalrat beim Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung in Mecklenburg-Vorpommern. Das Gremium sorgte mit einer beispielhaften Dienstvereinbarung für eine deutliche Verbesserung und verlässliche Regelungen der Arbeitszeitbedingungen für die unterstützenden pädagogischen Fachkräfte an öffentlichen Schulen.

Silber vergab die Jury an den Gesamtpersonalrat der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Interessenvertretung erzielte eine umfassende Rahmendienstvereinbarung zur Gestaltung der digitalen Transformation und zur Erweiterung der Mitbestimmung. Der Personalrat der Medizinischen Hochschule Hannover initiierte eine Krisenbegleitung in Form von psychosozialer Hilfe für Beschäftigte, die traumatischen Arbeitserfahrungen ausgesetzt sind. Dafür wurde das Gremium mit der diesjährigen Auszeichnung in Bronze geehrt.

Der Gesamtpersonalrat und die Schwerbehindertenvertretung der Universität Potsdam bekamen den Sonderpreis in der Kategorie Schwerbehindertenvertretung überreicht. Sie überzeugten mit der Einführung und Umsetzung einer Inklusionsvereinbarung. Das Versicherungsunternehmen Debeka verlieh als Kooperationspartner erstmals einen eigenen Sonderpreis: Er ging an den Gesamtpersonalrat der Stadtverwaltung Oberhausen für die Absicherung von Beschäftigten und den Aufbau personalvertretungsrechtlicher Strukturen bei der Gründung eines Eigenbetriebs.

Mehr Infos: hier.

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