Deutscher Gewerkschaftsbund

DPRP: Wir stehen für Rechtsstaatlichkeit

Die JAV der Polizeischule Eutin ist für den Deutschen Personalräte-Preis nominiert. Soli aktuell sprach mit der Vorsitzenden der Polizeischule Eutin, Rieke Pätzold.

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Die JAV-Vorsitzende Rieke Pätzold mit dem stellvertretenden JAV-Vorsitzenden Felix Fröhlich, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein Daniel Günther (r.) und der stellvertretenden Landtagspräsidentin Aminata Touré (l.),

Rieke, warum engagierst du dich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)?
Wir werden hier bei der Polizei in Schleswig-Holstein gut ausgebildet und intensiv auf unseren Beruf vorbereitet und wir haben tolle Lehrer_innen und Dozent_innen. Trotz der Bemühung aller gibt es aber ja immer etwas, was noch besser geht oder etwas, was auch geändert gehört und womit man als Schülerin oder Schüler eben unzufrieden ist. Ich möchte mich engagieren und meine eigenen Ideen und Gedanken und die meiner Mitschüler_innen einbringen. Und ich finde es wichtig, dass wir als JAV bei allen Dingen, die uns als Auszubildende und Studierende betreffen, auch tatsächlich mitentscheiden dürfen und die Sichtweisen der Auszubildenden und Studierende mit einbringen können.

Wie seid ihr darauf gekommen, mit eurer Schule bei der Aktion Courage – Schule ohne Rassismus (SOR) mitzumachen?
Durch unseren ehemaligen Behördenleiter, Herrn Michael Wilksen, wurden wir auf das Projekt SOR aufmerksam gemacht. Nach intensiver Recherche waren wir uns dann schnell einig und haben mit der Arbeit begonnen. Das gesamte Projekt hat viele unterschiedliche Möglichkeiten eröffnet, so dass sich jeder Einzelne mit seinen Ideen einbringen konnte.

Wie kamen die Pläne bei den Schüler_innen an?
Nachdem wir immer mehr Plakate, die wir uns über die Bundeskoordination SOR besorgt hatten, in unserem Speisesaal aufgestellt haben, wurden unsere Mitschüler_innen neugierig. Wir haben unser Projekt dann in mehreren Personalteilversammlungen vorgestellt und dafür geworben. Die Reaktionen waren durchgängig positiv und wir haben viel Zustimmung und Unterstützung erfahren. Unsere Kritiker waren nicht prinzipiell gegen das Projekt. Sie haben aber hinterfragt, warum es notwendig ist – Tenor: "Schließlich muss man doch als Polizeibeamter_in ganz selbstverständlich gegen Rassismus sein, man bekennt sich doch zum Grundgesetz!"

Letztendlich beantwortet die erfolgreiche Durchführung unserer Unterschriftenaktion die oben gestellte Frage. Es ist nämlich erforderlich, dass sich mehr als 70 Prozent aller Schüler_innen und Lehrer_innen zu den Zielen des Projektes durch Unterschriftsleistung verpflichten.

@ Privat

Die JAV der Polizeischule Eutin. Auf Initiative der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) wurde die Polizeischule Eutin die erste Polizeischule mit dem Titel "Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage". Die JAV beschaffte 52 Plakate mit antirassistischen Motiven, die im Speisesaal aufgehängt wurden. In Personalteilversammlungen wurden alle Lehrkräfte und Anwärter_innen informiert, das Projekt wurde während einer Sitzung der Lehrgruppensprecher_innen vorgestellt und erläutert, es wurde gebeten, im Unterrichtsfach Politische Bildung Rassismus und Diskriminierung zu behandeln. Die Anwärter_innen setzten sich intensiv mit dem Thema Rassismus und Courage auseinander.

An der Polizeischule Eutin werden im Rahmen der politischen Bildung, der Berufsethik und der interkulturellen Kompetenz unterschiedliche Unterrichtsinhalte, Projekte und Fahrten mit Bezug zum Themenfeld Rassismus und Diskriminierung durchgeführt (Gedenkstätte Ahrensbök, Yad Vashem, Selm Bork). Eine weitere Aktion der JAV war eine Luftbildaufnahme von Menschen, die auf dem Sportplatz die Worte "No Racism" bildeten. Mindestens einmal im Jahr soll es einen Vortrag oder eine Podiumsdiskussion zum Thema Rassismus und Diskriminierung geben. Dann wurde der Aufnahmeantrag bei der Dachorganisation „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gestellt.

Die JAV besteht aus drei Frauen und vier Männern, die im mittleren und gehobenen Polizeidienst ausgebildet werden. Bei der Landespolizei Schleswig- Holstein werden derzeit 1.124 Auszubildende und Studierende auf den Polizeiberuf vorbereitet.

Hattet ihr Unterstützung?
Das Projekt ist so angelegt, dass es von den Schüler_innen ausgehen muss, sie müssen es wollen und initiieren. Darauf haben wir dann auch großen Wert gelegt, sodass wir unsere Behördenleitung erst sehr spät mit ins Boot geholt haben. Geholfen und beraten hat uns dann die Geschäftsführung des Personalrates. Und natürlich hatten wir auch große Unterstützung bei unserer Schul- und Behördenleitung - bei einem so großen Projekt ist das auch unbedingt erforderlich. Es ist uns dann auch gelungen, unsere stellvertretende Landtagspräsidentin, Frau Aminata Touré und unseren Ministerpräsidenten, Herrn Daniel Günther, als Paten für das Projekt zu gewinnen. Auch von dieser Seite erfuhren wir viel Unterstützung.

Warum sind euch Aktionen dieser Art so wichtig?
Da kommen wohl zwei Dinge zusammen: Zum einen sind wir Polizist_innen und stehen zu den Werten unseres Grundgesetzes. Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und die Achtung der Menschenrechte sind für uns nicht irgendwelche Floskeln! Wir glauben daran und sind froh, in einem Staat zu leben, der diese Rechte und Werte garantiert. Und zum anderen sind wir jung und engagiert. Wir schauen hin und mischen uns ein. Das machen wir im Großen, wenn es darum geht, Straftaten zu verfolgen. Das gilt aber auch im vermeintlich Kleinen, indem wir uns und unsere Kolleg_innen immer wieder selbst überprüfen und korrigieren. Wir achten einander und aufeinander. Jeder von uns steht mit seinem Handeln oder Nichthandeln für das Bild der Polizei in Deutschland.

Ihr habt euch Plakate besorgt, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Was ist darauf zu sehen und wo habt ihr sie aufgehängt?
Die Aktion Courage stellt über 50 unterschiedliche Plakate zum Themenbereich Rassismus und Diskriminierung zur Verfügung. Auf ihrer Homepage sind sie bei den Publikationen schnell zu finden. Aufgestellt haben wir sie im Speisesaal. Hier benötigten wir natürlich die Unterstützung unserer Behörde. Denn wer glaubt, es ist ja einfach, die Idee zu haben, die Plakate zu bestellen, um sie dann einfach aufzuhängen, der irrt und hat an Unfall-, Brandschutz und Ähnliches noch nicht gedacht. Aber auch dieses Problem konnten wir geschickt lösen.

Welche Bedeutung hat die Anerkennung als SOR für eure Arbeit als JAV und darüber hinaus?
Wir sind mit unserer Schule eine Selbstverpflichtung eingegangen! Dazu gehört im Wesentlichen, dass wir nachhaltige und langfristige Projekte und Aktivitäten entwickeln, um Diskriminierung, insbesondere Rassismus, zu überwinden und dass wir uns engagiert und couragiert gegen Gewalt und Diskriminierung wenden, wenn sie an unserer Schule geschieht. Die Anerkennung als SOR ist also der erste kleine Schritt! Die eigentliche Arbeit - diese Idee mit Leben zu erfüllen, wach zu halten und über die Jahre fortzusetzen -, die beginnt jetzt, für die amtierende JAV und für unsere Nachfolger.


Weitere Infos zum Deutschen Personalräte-Preis gibt es auf dprp.de

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