Deutscher Gewerkschaftsbund

JAV-Preis 2019: Eine Vereinbarung für 8.500 Auszubildende!

Deutscher Personalräte-Preis 2019: Der Sonderpreis der DGB-Jugend geht dieses Jahr an die Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung des Landes Berlin. Sie erzielte eine Rahmendienstvereinbarung zum Thema Ausbildung für alle 8.500 Auszubildenden in der Hauptstadt.

© Simone M. Neumann

Glückliche Gewinner (v.l.): Polizist Björn Michauk und Verwaltungsangestellte Angelique Müller-Götzmann von der HJAV Berlin mit Laudatorin Elke Hannack, der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden.

Bei der Verleihung des Deutschen Personalräte-Preises 2019 in Berlin am 19. November 2019 ging der diesjährige Sonderpreis der DGB-Jugend an die Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung (HJAV) des Landes Berlin. Ihr Projekt: Sie erzielte eine Rahmendienstvereinbarung zum Thema Ausbildung für alle 8.500 Auszubildenden in der Hauptstadt!

Stellvertretend für das neunköpfige Gremium nahmen die Vorsitzende, die Verwaltungsangestellte Angelique Müller-Götzmann, und ihr Stellvertreter, Polizist Björn Michauk den Preis aus den Händen der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack, die dieses Jahr die Preise verlieh, entgegen.

"Es ist gut, dass unser Projekt durch den Preis über die Medien bekannt und gepusht wird", sagt Angelique.

"Wir haben uns auch nicht nur für uns selber beworben, sondern auch für alle HJAVen, die vor uns daran gearbeitet haben", sagt Björn. Seit 2013, also über sechs Jahre, arbeiteten die JAVis an der Vereinbarung.

8.500 Auszubildende in über 40 Berufen - das ist eine enorme Spannbreite. Worum geht es in dem Projekt von Angelique und Björn und ihrer HJAV? Seit Jahren gibt es in ganz Deutschland in der Ausbildung zahlreiche Probleme und Herausforderungen: Oft gibt es nicht genügend Ausbilder_innen, da kaum Kolleg_innen gewonnen werden können, um die praktische Ausbildung auf einem hohen Qualitätsniveau zu gewährleisten, auch zusätzliche Anreize wie Zusatzurlaub oder Ausbilderprämien sind oft erfolglos.

Hauptgrund ist meist die hohe Arbeitsbelastung und die fehlende Entlastung bei der Arbeit, wenn man als Ausbilder_in tätig wird. Hinzu kommt, dass das Berufsbildungsgesetz (BBiG) nicht für alle Ausbildungsgänge gilt, zahlreiche Anwärter_innen sind von den "guten" Regelungen des BBiG ausgeschlossen.

Impressionen von der Preisverleihung

Die HJAV des Landes Berlin suchte nach einer Möglichkeit, diesem Missstand zu begegnen und den Auszubildenden eine bessere Ausbildungssituation zu gewährleisten bzw. zu ermöglichen. Als besten Weg hierfür sah die HJAV eine Rahmendienstvereinbarung, um einen einheitlichen Ausbildungsstandard zu erreichen.

Gemeinsam mit den örtlichen JAVen entwickelte die HJAV Lösungsvorschläge, die diskutiert wurden und im Entwurf einer Rahmendienstvereinbarung mündeten. Die HJAV legte den Entwurf dem Arbeitgeber vor, allerdings sah dieser keinen Bedarf an einer solchen Vereinbarung, da alle Inhalte der Rahmendienstvereinbarung in Gesetzen verankert sei. Außerdem sei eine Vereinbarung gar nicht nötig, da "alles gut ist".

Na prima! Diese Haltung vertrat der Arbeitgeber über mehrere Jahre. Die HJAV hielt aber an ihrem Ziel fest, entwickelte ihre Vereinbarung weiter und passte sich an die sich stets wandelnde Personalsituation an; so nahm sie später noch die Ausbildungsstandkontrolle auf. Zusammen mit dem Hauptpersonalrat (HPR) bildete die HJAV einen Arbeitskreis mit Mitgliedern aus beiden Gremien, der sich regelmäßig austauschte; die Gewerkschaften wurden mit ins Boot geholt.

Darüber hinaus suchte die HJAV auch den Kontakt zur Landespolitik, u.a. kam es zu Gesprächen mit einzelnen Abgeordneten verschiedener Parteien. Die HJAV legte ihre Ziele vor und verwies darauf, wie wichtig ein einheitlicher Ausbildungsstandard sei.

JAV-Preis 2019

© Simone M. Neumann

Hoch engagiert: Die Gewinner des Deutschen Personalrätepreises 2019

2016 wurde ein neuer Senat gebildet - und die Zuständigkeit für die landesweite Personalangelegenheit in den Arbeitsbereich des Senators für Finanzen verlegt. Dieser stimmte Gesprächen für eine Rahmendienstvereinbarung zu, die 2017 begannen.

Im Februar 2019 schlossen die Parteien eine "Rahmendienstvereinbarung Ausbildung", die im Wesentlichen die Ziele der HJAV regelt: Ausbildung ist jetzt eine Dienstaufgabe, die "von den Führungskräften anzuerkennen und zu unterstützen" ist. Ausbilder_innen können nun wegen ihrer Ausbildungstätigkeit von anderen weiteren Aufgaben entlastet werden, sie können an fachspezifischen Fortbildungen teilnehmen, um so die Qualität der Ausbildung zu sichern. Kernpunkt: Im Bezirksamt sollen die gleichen Mindeststandards für Ausbildung gelten wie bei der Feuerwehr, der Polizei und den Finanzämtern.

Ganz wichtig: Von dieser Regelung werden jetzt auch dual Studierende während des praktischen Teils ihrer Ausbildung und Studierende in Pflichtpraktika erfasst, ebenso die Anwärter_innen.

Um eine berlinweite Umsetzung der Dienstvereinbarung zu erreichen, wurde eine landesweite Arbeitsgruppe mit Vertreter_innen aus der Landesabteilung, der behördlichen Ausbildungsleitungen der Bezirke, der Senatsverwaltungen und – in beratender Funktion – einem Vertreter der Verwaltungsakademie eingerichtet. Aufgabe dieser Arbeitsgruppe ist es, sich über aktuelle Probleme auszutauschen ebenso wie über künftige Vorhaben und deren Finanzierungsmöglichkeiten. Hierfür tagt die Arbeitsgruppe zweimal im Jahr.

"Unser Anliegen ist es, dass vielleicht auch andere JAVen sich an dieser Vereinbarung orientieren können, auch in anderen Bundesländern. Es geht darum die Ausbildungsbedingungen entscheidend zu verbessern und die Ausbildungsqualität zu steigern", sagt Angelique. "Wir freuen uns, dass die Jury den Wert dieser Vereinbarung erkannt hat."

Der Deutsche Personalräte-Preis 2019
Der "Deutsche Personalräte-Preis" würdigt die beispielhafte Arbeit von Personalratsgremien in Deutschland und zeichnet seit 2010 herausragende Projekte aus. Er ist eine Initiative der Fachzeitschrift "Der Personalrat" und wurde in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben. Preiswürdig sind Initiativen und Projekte von Personalräten sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, das Arbeitsumfeld oder soziale Regelungen für die Beschäftigten verbessern.

Der "Deutsche Personalräte-Preis 2019" in Gold geht an den Hauptpersonalrat der Polizei Schleswig-Holstein. Das Kieler Gremium erreichte nachhaltige Entlastungen für Kolleg_innen, die seit vielen Jahren Schichtdienst leisten. Außerdem konnten umfangreiche Vereinbarungen zur Gesundheitsförderung und zum Freizeitausgleich getroffen werden.

Silber vergab die Jury an den Personalrat des Hauptzollamtes Singen. Mit seinem Projekt gegen Gewalt am Arbeitsplatz werden Beschäftigte in der Dienststelle gegen zunehmende Verrohung und Bedrohung geschützt.

Der Lehrerhauptpersonalrat beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern erhielt den Bronze-Preis. Das Gremium verhandelte erfolgreich eine einheitlich geltende Dienstvereinbarung zur Teilzeitbeschäftigung an öffentlichen Schulen.

Erstmals wurde in diesem Jahr ein Sonderpreis für Schwerbehindertenvertretungen im öffentlichen Dienst vergeben. Diesen erhält die Hauptschwerbehindertenvertretung der Polizei Nordrhein-Westfalen für ihren Einsatz zur Inklusion behinderter Beschäftigter.

Der Preis wird auch für 2020 wieder ausgelobt. Einsendeschluss für Projekte ist der 31. Mai 2020. Weitere ausführliche Informationen zur Jury, zu den Preisträgern und Nominierten sowie zu allen eingereichten Projekten unter:
www.dprp.de

Die Gewinner der letzten Jahre