Deutscher Gewerkschaftsbund

Aus der Antragsberatung des zweiten BJK-Tages

Ausbildung, Berufsschule, Mitbestimmung, eine bunte, starke, antifaschistische Demokratie und Gesellschaft: eine Auswahl Antragsthemen der 21. DGB-Bundesjugendkonferenz.

Debatte

© DGB-Jugend/Jörg Farys

Debatte im Plenum auf der 21. DGB-Bundesjugendkonferenz.

Ausbildung und JAV-Arbeit
Tag 2 der 21. DGB-Bundesjugendkonferenz war von der intensiven Antragsberatung bestimmt. Die Delegierten stimmten über verschiedene Themen ab, als erstes zum Sachgebiet Ausbildung in Folge zum Leitantrag A001. Viele Delegierte kommen direkt aus der betrieblichen Mitbestimmung und haben täglich mit den Problemen junger Menschen in der Ausbildung, bei der Übernahme oder als Berufseinsteiger_innen zu tun.

Auch der Zustand der Berufsschulen sorgt regelmäßig für Ärger bei der Gewerkschaftsjugend. Sei es, dass sie in marodem Zustand sind, oder dass der Blockunterricht mit Unterbringung für Probleme sorgt. So wurde vor zwei Jahren gar ein Fall bekannt, wo Azubis vor der Schule zelten mussten, weil die Miete für ein Wohnheimzimmer bis zu 600 Euro im Monat kosten sollte!

Es könne ja wohl nicht sein, dass es vom Elternhaus abhängig ist, ob man in der Berufsschule im Zelt schlafen müsse, hieß es in einem Redebeitrag.

Robert Thamm von der jungenNGG fordete die stärkere Nutzung von überbetrieblicher sowie Verbund- und Auftragsausbildung, wenn die Ausbildung im Betrieb ausfällt.

Die DGB-Jugend will auch aktiv auf den Gesetzgeber einwirken, sodass die Vertretungsgesetze modernisiert und angepasst werden. Das betrifft die Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte für JAV, aber auch die Ressourcen, die über die Arbeit bereitgestellt werden müssen sowie die Zusammenarbeit mit den anderen Mitbestimmungsgremien im Betrieb.

Die Delegierten haben konkrete Vorstellungen, wie der Wissenstransfer – JAV-Mitglieder wechseln in der Regel alle zwei Jahre – gewährleistet werden kann. Hier sind Kernkompetenzen der jungen Gewerkschafter_innen gefragt. "Traut euren Javis mehr zu. Wir haben prima Seminare", sagte Adriana Bil von der ver.di Jugend. Robert Schilling von der IG BCE-Jugend merkte an, man solle die Mitbestimmung fordern und fördern.

Ein weiteres Thema: der Regelungsbedarf für den Ausbildungsberuf Erzieher_in. Dieser ist nicht vom Berufsbildungsgesetz erfasst. 

Debatte

© DGB-Jugend/Jörg Farys

Viele Themen, leidenschaftlich debattiert.

Antifaschismus und Feminismus
Der nächste Debattenpunkt war der Leitantrag "Für eine bunte, starke, antifaschistische Demokratie und Gesellschaft, JETZT!". Darin heißt es: "Als DGB-Jugend positionieren wir uns klar antifaschistisch und gehen mit unserem Handeln aktiv gegen diskriminierende Strukturen vor."

Die DGB-Jugend sieht es als ihre Aufgabe an, "Vorurteile in der Gesellschaft und unter unseren Mitgliedern abzubauen und sich entscheidend dagegenzustellen".

Es sei Aufgabe und Ziel der Gewerkschaftsjugend, "rechte Strukturen in den Betrieben und in der Gesellschaft zu erkennen und zu unterbinden. Politische Bildung ist hierfür wichtig", so steht es in dem Antrag.

Weitere Beschlusspunkte betrafen die entschiedene Positionierung gegen Krieg, eine bessere Unterstützung von Opfern rassistischer Gewalt, die Unterstützung Geflüchteter und die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Zudem wurde gefordert, Abschiebungen aussetzen.

Lukas Mayer von der EVG-Jugend betonte in der Diskussion, dass es wichtig sei, eine positive Vorstellung von der Zukunft zu haben: Man müsse sich wenigstens vorstellen können, "irgendwann einmal das System der Ausbeutung zu überwinden".

Ein wichtiges Thema in diesem Antragsblock betraf den Feminismus, hier insbesondere der entsprechende Antrag des Bundesjugendausschusses. Die Delegierten haben umfängliche Forderungen, die die Selbstbestimmung von Frauen, die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung von LGBTI-Rechten betreffen, beschlossen. Die betriebliche Ebene, etwas wenn es um menstruationsfrei ging, wurde immer mitgedacht.

Debby Neuenfeld von der ver.di Jugend forderte ein starkes Engagement zum Frauenkampftag am 8. März. "Vielleicht schaffen wir es, in einer besseren Welt zu leben", sagte Neuenfeld.

Delegationen der 21. DGB-Bundesjugendkonferenz

Bildung und Transformation
Viele, viele Anträge: Es wurden so unterschiedliche Themen wie Cannabis-Legalisierung, die Unterstützung der Black-Lives-Matter-Bewegung und die Forderung nach einem "ÖPNV an jeder Milchkanne" diskutiert und entsprechende Anträge beschlossen.

Abseits der Beratung forderte Joshua Kensy von der ver.di Jugend die Delegierten auf, für die Organisation Sea Watch zu spenden, die im Mittelmeer mit Schiffen auf Rettungsmission ist. Neben gewerkschaftlichen Organisationen wie der Gelben Hand gehörte sie zu den Ausstellern bei der Bundesjugendkonferenz.

Große Einigkeit herrschte bei den Anträgen im Themenblock Bildung. Neben Forderungen zu BAföG und moderner digitaler Bildung wurde die Unterstützung der TVStud-Kampagne beschlossen. "Die DGB-Jugend trägt dazu bei, dass studentische Tarifverträge an den Tarifvertrag der Länder (TV-L) angeschlossen werden oder ein eigener Tarifvertrag für studentisch Beschäftigte (TVStud) etabliert wird", heißt es in Antrag B008.

Auch eine gemeinsame Position zur ökologisch-sozialen Transformation wurde beschlossen. Mit Antragsblock E stand das Thema Klimawandel und die sozial gerechte Gestaltung notwendiger Veränderungen auf der Tagesordnung. "Die rücksichtslose Ausbeutung von  Mensch und Natur als Grundlage unseres Wirtschaftssystems hat ausgedient", schreibt der DGB-Bundesjugendausschuss.

Der Klimawandel müsse auf allen Ebenen des Bildungssystems thematisiert und mitgedacht werden, auch in der innergewerkschaftlichen Bildungsarbeit. Seine Folgen, mögliche neue Technologien, Qualifikationsmöglichkeiten und  sozialökologische Forderungen müssen auch in den gewerkschaftlichen Strukturen ankommen.

"Mehr Life, weniger Work!" Kai Reinartz

In der Debatte wurde deutlich, dass Gewerkschafter_innen befürchten, dass viele Arbeitnehmer_innen arbeitslos werden könnten. Was, wenn der Job im Stahlwerk ist? Robert Schilling von der IG BCE-Jugend: "Wir reden nicht von Betrieben, sondern von ganzen Regionen."

Sie machten dabei klar: Das Thema gehen wir gemeinsam und solidarisch an. Lukas Mayer von der EVG-Jugend sagte, man könne nicht in der Angst verharren, dann reagiere man bei Transformationsgesetzen allein auf Arbeitgeberentscheidungen. "Wir müssen Lebensgrundlagen schützen."

Dabei müsse immer nach dem Konsens gesucht werden. Dafür gab er ein Beispiel: In der Niederlausitz seien viele Kohlekumpel von Arbeitslosigkeit bedrohten gewesen. Mit der Eröffnung eine ICE-Bahn-Werkes aber hätten 2.000 Arbeitnehmer_innen neue Beschäftigung gefunden. Mayer: "Wir wollen konkret gestalten, wir lassen niemand zurück!"

Kai Reinartz von der ver.di Jugend betonte die Vielfältigkeit der Gewerkschaftsjugend. Sie spiegele sich in den Anträgen wider. "Wir stehen vor der fünften industriellen Revolution" - und viele Branchen, etwa bei Dienstleistungen, seien schon ökologisch und digital transformiert. Die Gewerkschaften trügen dabei auch Verantwortung. Reinartz: "Kinder und Enkel sollen auf dem Planeten leben und arbeiten können. Auf einem toten Planeten kann es kein Leben geben. Mehr Life weniger Work."

Der Antrag wurde angenommen. "Herzlichen Glückwunsch, wir haben die erste Position der Gewerkschaftsjugend zum Klimawandel beschlossen", sagte Lars Wiele vom Präsidium.