Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Zukunft ist nicht befristet: Reiner Hoffmann auf der Konferenz

Der zweiten Tag der 21. DGB-Bundesjugendkonferenz startete mit dem DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann und seiner Rede an die Gewerkschaftsjugend.

Reiner und Kristof

© DGB-Jugend/Jörg Farys

Gut angekommen auf der 21. DGB-Bundesjugendkonferenz: der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann (l. mit Kristof Becker).

In seiner Rede begrüßte Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann die Delegierten in Berlin und den neun regionalen Konferenzen. Die Zusammenarbeit sei erschwert durch die Corona-Verhältnisse, aber das hybride Konzept der Konferenz "sei auch ein Benchmark für den DGB-Kongress im kommenden Jahr".

Er dankte Ela Conte, bis vor kurzem DGB-Bundesjugendsekretärin, für vier Jahre enge Zusammenarbeit bei den Jugendthemen, und begrüßte den jetzigen DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker in seinem Amt.

Hoffmann zeigte sich vom Kampf der DGB-Jugend gegen schlechte Ausbildungsbedingungen und -vergütungen, für Verbesserung bei der Anrechenbarkeit von Berufsschulzeiten beeindruckt. Innerhalb von gerade mal zwei Jahren hätte sie die Reform des Berufsbildungsgesetz auf geradezu spektakuläre Weise durchgesetzt. "Glückwunsch, das habt ihr gut gemacht!"

Dann richtete der DGB-Vorsitzende den Blick nach vorn. Transformation und soziale Gerechtigkeit seien die wichtigen gewerkschaftlichen Ziele für die Zukunft und damit die Aufgaben der jungen Generation, auch über Landesgrenzen hinaus. Hoffmann: "Dieser Planet soll 2045 klimaneutral sein."

Es sei gut, dass SPD, die Grünen und die FDP in ihren Verhandlungen zu einer Regierungskoalition über diesen Wandel redeten. Bis 2025 das Aus von Verbrennern, 2030 idealerweise Kohleausstieg – so die hehren ökologischen Ziele. Die aber ließen sich nicht mit einer Politik der Schwarzen Null, also ohne Schuldenaufnahme, erreichen. Der Green Deal bedinge dabei den Social Deal.

Die Perspektive müsse gute Arbeit sein – auch und überall in Europa. Hoffmann mahnte in diesem Sinne eine Reform der Europäischen Politik im Sinne von mehr Investitionen an.

Neuerlichen Versuchen, das Arbeitszeitgesetz zu ändern, erteilte er eine klare Absage. "Wer meint, die Gesundheit der Arbeitnehmer riskieren zu müssen, der irrt."

Auch prekäre Formen der Arbeit wie Minijobs und Befristungen seien mit Sicherheit keine Zukunftsmodelle. Hier liege eine große Gefahr, denn immer mehr Arbeitgeber würden sich aus der Tarifverbindung verabschieden. Hoffmann: „Wir brauchen ein Bundestariftreuegesetz.“ Öffentliche Aufträge dürften nur noch an Betriebe in Tarifbindung vergeben werden.

Denn mit schlechten Jobs sind die Herausforderungen ökologischer Transformation nicht zu leisten. Die Richtung der Gewerkschaften: Die Zukunft ist nicht befristet, weder mit noch ohne Sachgründe.

"Wir sind und bleiben Antifaschisten, das ist in der DNA der Gewerkschaften eingeschrieben." Reiner Hoffmann

In diesem Sinne stellte sich Hoffmann noch einmal dezidiert an die Seite der DGB-Mitgliedsgewerkschaft EVG, die, kaum dass die Bundestagswahl vorbei ist, sich angesichts neuer politischer Konstellationen sogleich mit Privatisierungs- und Aufteilungsplänen bei der Bahn konfrontiert sehe. "Die Trennung von Betrieb und Netz bringt nichts", fasste Hoffmann zusammen. "Wir brauchen einen integrierten Bahnkonzern." Gerade in Zeiten des ökologischen Wandels.

Auch den Trend zur Digitalisierung sprach er an. Denn in der Mitbestimmung müsse mit moderner Technik gearbeitet werden. "Damit wir Menschen auch im Netz erreichen können, und nicht nur vor den Werkstoren", so Hoffmann.

Als unabdingbar bezeichnete Hoffmann das Engagement der Gewerkschaftsjugend gegen rechts. "Extrem klasse, wie ihr euch da immer wieder mit klarer Kante positioniert habt. Wir sind und bleiben Antifaschisten, das ist in der DNA der Gewerkschaften eingeschrieben."

Zum Abschluss kam Hoffmann auf die Jugendbeteiligung innerhalb der Gewerkschaftsorganisationen zu sprechen. Dabei erinnerte er an den EGB-Kongress vor drei Jahren, dort habe es einen Anteil junger Delegierter von gerade mal zehn Prozent gegeben.
Das ändert sich nun, wie Hoffmann berichten konnte. Hier wurde gerade eine Satzungsänderung beschlossen, die eine Jugendquote von 25 Prozent an Delegierten unter 35 Jahren vorschreibt.

Hoffmanns Rede wurde von den Delegierten mit viel Applaus bedacht. DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker würdigte das Engagement Hoffmanns im Sinne der Gewerkschaftsjugend: "Eine Mindestausbildungsvergütung wäre ohne dich, Reiner, nicht gekommen. Und auch diese Jugendquote nicht."