Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir sind unverzichtbar: Zum Auftakt der 21. DGB-Bundesjugendkonferenz

21. DGB-Bundesjugendkonferenz 2021: Die DGB-Jugend schaltet sich in die Koalitionsverhandlungen ein.

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  1. Gut positioniert mit ihrer 21. Bundesjugendkonferenz: die DGB-Jugend.

"Press Start – Es geht um unser JETZT!" lautet der Slogan der Gewerkschaftsjugend. Auf ihrer 21. Bundesjugendkonferenz vom 12. bis 14. November 2021 in Berlin wurde ganz konkret Druck gemacht: Die 140 Delegierten schalteten sich in die laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und FDP ein.

Per Initiativantrag und politischer Aktion wandten sie sich noch am ersten Tag der Konferenz an die Verhandler. Der Anlass: Im Sondierungspapier der Parteien ist von der Lebenswelt junger Menschen kaum die Rede.

"Was im Sondierungspapier festgehalten wurde, reicht bei weitem nicht für die jungen Menschen", sagte DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker, der die Konferenz gemeinsam mit der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack eröffnete.

Wichtiger Punkt: Die Politik muss endlich die betriebliche Ausbildung stärken und deshalb die Ausbildungsplatzgarantie mit Zukunftsfonds auf die Agenda setzen. Denn nur so kann der Ausbildungsmarkt langfristig stabilisiert werden – das Angebot an Ausbildungsplätzen sinkt seit Jahren, gleichzeitig steigt die Zahl der ausbildungslosen Jugendlichen.

Auch die Praxis der Befristungen – vier von zehn Neueinstellungen sind davon betroffen – muss sich ändern. Wer von Politik für die Zukunft rede, so Becker, dürfe nicht weiter mit sachgrundlosen Befristungen hantieren.

Überlegungen, das Arbeitszeitgesetz zu ändern, erteilten die Delegierten ebenfalls eine strikte Absage. Stattdessen sollten dringende Investitionen ins Bildungssystem eingeplant werden: für besser ausgestattete Schulen, für Berufsschulen und Universitäten, aber auch für eine grundlegende BAföG-Reform.

Die Delegierten – sie kommen aus den Mitgliedsgewerkschaften EVG, IG BAU, IG BCE, GdP, GEW, IG Metall, NGG und ver.di – beraten über insgesamt 248 Anträge – die politischen Leitlinien für die kommenden vier Jahre. Die Themen: Ausbildung 4.0, Gute Arbits- und Lebensbedingungen, Gute Bildung, Sozialökologische Transformation, Feminismus, die Entwicklung der Gewerkschaftsjugend und das Bekenntnis zum Antifaschismus standen auf der Tagesordnung.

Die Konferenz ist coronabedingt sowohl präsentisch als auch digital per Video gestaltet. Zur Kongresszentrale im Berliner bcc kommen neun regionale Konferenzen; dort treffen sich die Delegationen der Gewerkschaftsjugenden treffen.

"Es gibt keine politische Bewegung, die nicht zugleich eine gesellschaftliche wäre." Christian Ehrenfeld, GdP

 
Die 21. Bundesjugendkonferenz in Bildern

Vertreter_innen von Verbänden und Politiker_innen wie Bundesarbeitsminister national wie international – darunter Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Gary Kaplan vom israelischen Gewerkschaftsdachverband Histadrut – sandten starke Grußbotschaften.

"Die Gewerkschaftsbewegung hört nicht an Ländergrenzen auf", sagte Becker. "Wir leben gemeinsam Solidarität." Elke Hannack betonte die Rolle der DGB-Jugend innerhalb gewerkschaftlicher Organisationen: "Ihr seid eine unverzichtbare Stimme im DGB."

Danach folgte die Aussprache zum Geschäftsbericht, der die Arbeit der letzten vier Jahre zusammenfasste. Insbesondere die Kampagne zur Novellierung des Berufsbildungsgesetzes, die die Aktivitäten der Gewerkschaftsjugend über viele Monate band und ihre politischen Forderungen erfolgreich in die Öffentlichkeit transportierte, sorgte für Erfolge.

Darüber hinaus wurde die Arbeit der Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV), das Engagement an den Hochschulen und der Kampf für Demokratie gewürdigt.

Die Aktivitäten waren nicht ohne den Einsatz in den sozialen Medien möglich. Den hat die DGB-Jugend in den letzten vier Jahren auf neue Beine gestellt. "Die DGB-Jugend ist das Sprachrohr in die Politik", betonte Christian Ehringfeld von der JUNGEN GRUPPE in der GdP. Das sei nicht zuletzt mit coolen Memes geschafft worden. Und er unterstrich: "Es gibt keine politische Bewegung, die nicht zugleich eine gesellschaftliche wäre."

DGB-Jugend-Referentin Anna Kasparyan betonte das antifaschistische Engagement. Die DGB-Jugend sei entschieden und immer gegen rechts auf der Straße. Publizistisch sei dabei auch die "Blickpunkt"-Reihe sehr erfolgreich gewesen.

Auch Julian Diaz von der Jungen BAU unterstrich die gesellschaftliche Rolle der DGB-Jugend. Das antifaschistische Engagement sei ein gewerkschaftliches Anliegen - und sei ein Beweis gelebter Demokratie über die tarifpolitische Kernarbeit hinaus.

Peter Sylka von der IG Metall sprach über die betriebspolitische Rolle der Gewerkschaftsjugend. "Allein in der IG Metall sind 7.000 Mitglieder von JAVen organisiert."

Und er nannte Beispiele aus der Arbeitswelt, wie sich mit Engagement Erfolge feiern lassen: In seinem Betrieb seien das Vereinbarungen zur Arbeitszeit dual Studierender, 50 Euro Zuschuss für die Fahrt zur Berufsschule für Auszubildende und deren unbefristete Übernahme, nachdem davon zwei Jahre keine Rede gewesen sei. Sylka: "Ohne JAV ist das nicht möglich. Mit starken JAVis holen wir in brenzligen Situationen die Kuh vom Eis."

Nach einer intensiven Konferenzschaltung mit allen Delegationen folgte der Live-Talk auf Instagram mit den Parteienvertreterinnen Jessica Rosenthal (SPD), Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen) und Ria Schröder (FDP).

Wichtiger Leitantrag zur Ausbildung angenommen

Noch am Abend des ersten Tages wurde der Leitantrag "Ausbildung 4.0, JETZT!" beschlossen. Er ist das Bekenntnis der Gewerkschaftsjugend zur Ausbildungsgarantie, solidarisch finanziert durch einen Zukunftsfonds. Tenor: Die Umlage muss kommen, damit die Ausbildung für alle kommt!

Darin ist auch die Forderung enthalten, dual Studierende endlich mit Auszubildenden im Betrieb gleichzustellen – die letzte Bundesregierung hatte es versäumt, dem dualen Studium im Berufsbildungsgesetz den notwendigen Rahmen zu geben. Für die Delegierten ist klar: Die Willkür beim dualen Studium muss beendet werden. Ihre betrieblichen Praxisphasen brauchen gesetzliche Regelungen.

Weitere beschlossene Forderungen: ein kostenloses Azubi-Ticket, flächendeckendes und kostengünstiges Wohnen für Auszubildende, gute und moderne Lern- und Arbeitsbedingungen an beruflichen Schulen. Insgesamt ist es der Gewerkschaftsjugend ein Anliegen, die soziale Sicherung (u.a. durch Wohngeld und Berufsbildungsbeihilfe) für Auszubildende zu verbessern. Für eine Ausbildungsvergütung, die zum Leben reicht, ist die Tarifbindung in den Betrieben zu stärken.

Die 21. Bundesjugendkonferenz in Bildern

Beste Wünsche für die 21. DGB-Bundesjugendkonferenz
Aus den Grußworten.

Viel erreicht
Ich will mich bei der DGB-Jugend ganz herzlich für die Zusammenarbeit der letzten Jahre bedanken. Wir haben trotz viel Druck gemeinsam eine Menge erreicht. Ich erinnere an die Reform des Berufsbildungsgesetzes, die Durchsetzung der Mindestausbildungsvergütung. Das ist euer Werk. Ihr habt dafür gesorgt, dass das ganz vorne auf der Tagesordnung war.
Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister (SPD)

Unsere Zukunft
Ich bin euch dankbar, dass ihr unseren politischen Forderungen Rückenwind gegeben habt. Ich bin dankbar für die super enge Zusammenarbeit. Es geht um unsere Zukunft, und zwar nicht morgen oder übermorgen, sondern jetzt!
Jessica Rosenthal, Jusos

Zählt auf uns
Es gibt keinen Widerspruch zwischen sozialer Gerechtigkeit auf der einen und Klimaschutz auf der anderen Seite. Keine Regierung wird uns retten. Das können wir nur selber. Indem wir uns gemeinsam organisieren, indem wir uns vor Ort zusammenschließen, indem wir demonstrieren und auch streiken. Ihr könnt euch sicher sein: Auf uns könnt ihr zählen.
Timon Dzienus und Sarah-Lee Heinrich, Grüne Jugend

Eine bessere Welt
Uns verbindet die Vorstellung von einer solidarischen Gesellschaft, unser Kampf für eine bessere Welt. Umso wichtiger ist es, dass wir Seite an Seite zusammenstehen.
Loreen Schreck, SJD - Die Falken

Ohne Gewerkschaft ist alles nix
Gewerkschaft bedeutet: eine Freundin, eine Mentorin, eine Beschützerin, aber vor allem eine Kämpferin für jedes einzelne Mitglied da draußen am Arbeitsmarkt zu sein. Seid laut, seid mutig, seid solidarisch. Aber was erzähl ich euch - das seid ihr ja schon alles!
Richard Tiefenbacher, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend

Europa steht hinter euch
Macht weiter so mit eurer großartigen Arbeit. Und seid euch sicher, dass die Gewerkschafter_innen aus ganz Europa hinter euch stehen. In Solidarität und in Auseinandersetzungen – wenn nötig!
Tea Jarc, EGB-Jugend

Zusammen gegen Antisemitismus
Schon mehr als 60 Jahre treffen sich junge Gewerkschafter_innen aus Israel und Deutschland. Sie tauschen sich aus zu Politik, Gewerkschaftsarbeit und der Erinnerung an den Holocaust. Zusammen müssen wir eine klare Botschaft aussenden – dass die Formen des antisemitischen Hasses verurteilt und bekämpft werden. Die jungen Gewerkschafter_innen aus Israel und Deutschland stehen zusammen!
Gary Kaplan, Histadrut

Ich bedanke mich
Ich freue mich, dass wir im Sondierungspapier auch einige gemeinsame Forderungen festhalten konnten, beispielsweise eine BAföG-Reform; dass wir das Wahlalter auf 16 Jahre herabsetzen werden und dass wir die Berufsschulen endlich fit machen. Ich würde mich freuen, wenn wir weiter im Austausch bleiben.
Jens Teutrine, Junge Liberale

Wir wollen dasselbe
Ich glaube, zumindest gilt das für uns als junge CDA: Wir sind in den Zielen häufig nicht weit entfernt voneinander, aber der Weg dahin unterscheidet sich doch hin und wieder ziemlich. Und gerade über den besten Blick zu streiten, zu diskutieren, das werden wir auch hoffentlich in den nächsten vier Jahren machen.
Gernot Nahrung, junge CDA

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