Deutscher Gewerkschaftsbund

GEW: Uni ohne Militär

Mit einem Appell zur Forschung für friedliche Zwecke reagiert die Bildungsgewerkschaft auf Berichte, wonach das US-Militär Forschungsprojekte an Hochschulen und Instituten in Deutschland finanziert.

Die GEW steht zum Grundsatz einer Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung", so der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte Andreas Keller. Der Anlass seines Statements ist pikant: Nach Recherchen diverser Medien hat das US-Verteidigungsministerium in den vergangenen Jahren mehr als zehn Millionen Dollar in Forschungsprojekte an mindestens 22 Hochschulen und Forschungsinstituten hierzulande investiert. Laut dem Norddeutschen Rundfunk erhielt so die Ludwig-Maximilians-Universität München 2012 mehr als 470.000 Dollar vom Pentagon, um militärische Sprengstoffe weiterzuentwickeln.

Als Folge dieser Art von Forschungsfinanzierung durch das US-Militär sieht die Bildungsgewerkschaft nun bestätigt, wie wichtig der auf dem GEW-Gewerkschaftstag 2013 gefasste Beschluss "Für Zivilklauseln in Satzungen und Leitbildern aller Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie in den Landeshochschulgesetzen" ist. "Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollten die Folgen der Anwendung ihrer Forschungsergebnisse reflektieren und das Recht haben, sich darauf zu verpflichten, dass ihre Wissenschaft ausschließlich friedlichen Zwecken dient", sagt Keller. Die Bildungsgewerkschaft unterstütze Universitäten und Institute, die sich zu einer ausschließlich nicht-militärischen, zivilen Forschung und Lehre bekennen, betonte Keller. "Wir erwarten, dass Forscherinnen und Forscher, Bund und Länder, Industrie und Militär diese Zivilklauseln respektieren."

Die GEW verlangt nun die Offenlegung aller militärischen Forschungsprojekte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das betreffe Vorhaben im Auftrag der Bundeswehr ebenso wie Projekte, die im Auftrag des Pentagon durchgeführt würden.

Übrigens: Nicht immer fließt das Geld des Pentagon in direkt verwertbare Projekte aus dem Rüstungsbereich. Gesponsert wurde laut "Süddeutsche Zeitung" auch ein Satelliten-Grundlagenforschungsprogramm der Universität Bremen, das die Uni selbst als "rein zivil" bezeichnet. Das US-Verteidigungsministerium bezuschusse auch Vorhaben ohne militärische Anwendung, so die Bremer Hochschule – die unter besonderem Rechtfertigungsdruck steht, da sie sich bereits durch eine so genannte Zivilklausel ausschließlich zu Forschung für zivile Zwecke verpflichtet hat. Einen Verstoß gegen diese Klausel weist die Uni daher zurück.


www.gew.de/Verantwortung_der_Wissenschaft_im_Blick.html

 
(aus der Soli 12/13, Autor: Soli aktuell)