Deutscher Gewerkschaftsbund

Perspektive: Soziale Bewegungen

Aus dem internationalen Labor der Gewerkschaftsjugend berichtet Elke Michauk.

"Wurzeln in Afrika und Blätter in Europa" - das ist Marokko: Nach der "Bewegung des 20. Februar" und der Einführung der erstaunlichen Verfassung ist das Land weitgehend aus den Medien verschwunden. Dies ist aber noch lange kein Grund für uns, Marokko aus dem Blick zu verlieren. Im Rahmen einer Bildungsreise mit der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. in das Land konnte ich mir im letzten September einen Einblick in die alltäglichen Probleme von Jugendlichen und deren zivilgesellschaftliche bzw. gewerkschaftliche Interessenvertretungen verschaffen.

Fakt ist: Die Jugendbewegung hat die verkrusteten Regierungsstrukturen aufgebrochen. Aber von den Verbesserungen, die die Regierung versprochen hat, ist wenig zu spüren. Im Unterschied zu Tunesien, Ägypten und der Türkei blieben die Umbrüche 2011 und in den Folgejahren aber weitgehend gewaltfrei.

Bei aller Unterschiedlichkeit verbindet die zivilgesellschaftlichen Akteure, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften gleiche Herausforderungen. Reformen unter Beibehaltung der Monarchie (Marokko) und Sturz des Präsidenten (Tunesien und Ägypten) haben verschiedentlich zu Verbesserungen für die Bevölkerung geführt. Die gravierenden Probleme - Jugendarbeitslosigkeit, prekäre Arbeitsbedingungen und der hohe Grad informeller Beschäftigung - konnten sie jedoch bislang nicht eindämmen. Überall ist der Drang nach Veränderung, nach Demokratie und Meinungsfreiheit einerseits und die Trägheit verkrusteter Strukturen andererseits zu spüren. Kooperationen zwischen sozialen Bewegungen und Gewerkschaften ("social movement unionism"), wie von den TeilnehmerInnen des DGB-Jugend-Seminars "Tunesien, Ägypten und die Türkei - ArbeitnehmerInnenrechte, soziale Bewegungen und Demokratisierungsprozesse" im Oktober 2013 in Flecken-Zechlin erarbeitet, könnten einen Weg für grundlegende und nachhaltige Veränderungen aufzeigen.

Wenig überraschend wurde die Notwendigkeit des Blicks über den eigenen Tellerrand hinaus im Rahmen des inzwischen 5. South-East Europa-DGB Youth Encounter - auch im Oktober 2013, aber in Hustedt -, mit der Forderung nach Veränderungen im gewerkschaftlichen Verständnis verbunden. Tendenz: hin zur Akzeptanz von neuen, alternativen Allianzen und Aktions- und Protestformen. Gute Arbeit und gutes Leben! Spannend dürfte da auch das Vernetzungsseminar mit den Studierenden der Global Labour University im November 2013 werden, bietet die Öffnung der Gewerkschaften gegenüber sozialen Bewegungen doch jede Menge Potenzial, progressive Diskussionen anzustoßen und die Mobilisierungskräfte zu vereinen.


Elke Michauk ist ehrenamtlich im Arbeitskreis Internationales der DGB-Jugend und in der GEW aktiv.

(aus der Soli aktuell 11/13, Autorin: Elke Michauk)